Es waren ungewohnt salbungsvolle Worte des sonst so nüchternen neuen Spitzenkandidaten der französischen Sozialisten für die Präsidentschaftswahl 2012: Er wolle den französischen Traum wiederbeleben, rief François Hollande. Mit seiner Rede stellte er sich auf Augenhöhe mit dem Gegner, den er in sieben Monaten aus dem Amt fegen will: Nicolas Sarkozy.
Im Enthusiasmus dieses wichtigen Etappensieges versprühte Hollande einen ähnlichen Schwung wie 2007 der Kandidat Sarkozy: eine neue Hoffnung, ja einen Traum in so desillusionierten Zeiten. Für eine bessere Ausbildung, mehr Jobs, ja ein besseres Leben und das alles bei gleichzeitiger Reduzierung des riesigen Staatsdefizits eine ambitionierte Zielsetzung.
Der Traum vom Heilsbringer Hollande speist sich auch aus dem geplatzten Traum vom Heilsbringer Sarkozy. Doch trotz seines Dauer-Umfragetiefs, verloren hat der Präsident noch lange nicht. Sarkozy ist ein energiegeladener Wahlkämpfer, ein mitreißendes Alphatier. Nun, da er seinen Hauptrivalen kennt, kann er diesen angreifen: für seinen Mangel an internationaler und Minister-Erfahrung, den Ruf als politisches Weichei.
Zwar wirkt Hollande gegenüber dem autoritären, unsteten Sarkozy angenehm gelassen und umgänglich, aber auch fast erschreckend harmlos. Dabei hat der 57-Jährige an seinem Outfit und einem präsidialen Auftreten, das in Frankreich so wichtig ist, gearbeitet.
Er bewies bereits große Zähigkeit, indem er seine Kandidatur lange vorbereitete und durch den Ausfall Dominique Strauss-Kahns fast zufällig zum Überraschungs-Favoriten wurde. Nicht zuletzt stellte er im internen Wahlkampf der Sozialisten unter Beweis, dass er souverän auf Angriffe antworten und parteiübergreifend zusammenführen kann.