Dass es ihm bei seinem Besuch um eine Neubewertung des Verhältnisses von Kirche und Staat ging, hat der Papst bereits bei seiner ersten Ansprache deutlich gemacht. Noch deutlicher wurde er am Ende seiner Reise, als er sein Programm einer „Ent-Weltlichung“ der katholischen Kirche darlegte. Salopp zusammengefasst bedeutet es ein radikales „Zurück zu den Wurzeln“ – und liest sich unter anderem als Kritik an der Deutschen Bischofskonferenz, die oft an einem Strang zieht, mitunter aber an unterschiedlichen Enden.
Was der Papst gesagt hat, ist so neu nicht. Das gilt auch für die Passagen zur Streichung von staatlichen Privilegien. Benedikt ist hier recht eindeutig, die Interpretation seiner Worte durch Erzbischof Zollitsch dagegen etwas fragwürdig. Wäre es dem Papst nur um ein Signal zum Innehalten gegangen, hätte er das Thema nicht derart ausbuchstabiert. Nein, der Papst – bekanntermaßen kein Freund der Kirchensteuer – meint es ernst mit seiner Botschaft: Inhalt vor Strukturen. Welche konkreten Folgen das haben könnte, wird sich zeigen.