Demokratie lebt von Rede und Gegenrede, vom Austausch der Argumente, vom Dialog. Bundestagsabgeordnete sollten das verinnerlicht haben. Gerade sie sollten wissen: Jemanden zu ignorieren, führt in der Politik zu nichts. Die Abgeordneten, die der Papstrede im Parlament fernbleiben wollen, senden daher eine fatale Botschaft. Sie lautet: Wir bezeichnen uns zwar als Demokraten, handeln aber höchst undemokratisch.
Dabei spielt es gar keine Rolle, wie ein jeder von ihnen zum Papst steht. Jeder von ihnen darf den Papst kritisieren. Kritik ist nicht nur erlaubt in einer Demokratie, sie ist für das Funktionieren einer Demokratie außerordentlich wichtig. Ein gewählter Volksvertreter aber, der nicht einmal demjenigen zuhört, dessen Ansichten er nicht teilt, handelt kindisch.
Die Abgeordneten, die der Papstrede fernbleiben wollen, sagen: Der Papst spreche hauptsächlich in seiner Funktion als Oberhaupt der Katholiken – und nicht so sehr als Oberhaupt eines Staates. Das ist ein Argument, wenn auch kein überzeugendes. Zum einen wurde der Papst vom Bundestagspräsidenten, mit Zustimmung der Fraktionen übrigens, eingeladen. Zum anderen hieße das Argument, zu Ende gedacht, dass man grundsätzlich die (vermeintlichen) Absichten eines jeden Gastredners zu hinterfragen habe. Wie absurd.