Rot-grüne Koalitionen brechen in Berlin besonders schnell. Die erste, unter Walter Momper, hielt im deutschen Wendeherbst nur etwas mehr als ein Jahr. Die zweite, unter Klaus Wowereit, war nur Mittel zum Zweck: Um die Große Koalition zu beenden, flüchtete sich der heutige Bürgermeister im Juni 2001 in eine von der PDS tolerierte Minderheitsregierung mit den Grünen. Wenige Monate später, nach der Neuwahl, schloss er dann ein Bündnis mit den Linken.
Über dem dritten Versuch lag bereits vor dem Platzen der Verhandlungen ein Schatten. Rot-Grün hätte in Berlin nur eine Stimme Mehrheit gehabt – und eine eingebaute Sollbruchstelle. Die SPD will die Stadtautobahn um drei Kilometer verlängern, damit der neue Großflughafen besser zu erreichen ist, die Grünen lehnen das strikt ab. Dazwischen gibt es nichts. Die ursprüngliche Idee, die 420 Millionen Euro in andere Verkehrsprojekte umzuleiten, scheitert am Widerstand von Verkehrsminister Peter Ramsauer: Die Mittel sind zweckgebunden, wenn Berlin das neue Teilstück nicht will, fließt das Geld eben in andere Bundesländer.
So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass die Verhandlungen nach dem ersten Tag schon wieder zu Ende sind. Die SPD wollte sich nicht bewegen – und die Grünen konnten es nicht. Im Wahlkampf hatten sie versprochen, keinen Regierungsvertrag zu unterschreiben, der den Weiterbau der A100 zum Inhalt hat. Ihre Hoffnung, den Sozialdemokraten ihr Prestigeprojekt noch auszureden, hat sich als naiv erwiesen. Rot-Grün ist auch in Berlin kein Selbstläufer.
Der sicherste Weg aus dem Autobahndilemma war zuvor am Widerstand der traditionell linken SPD-Basis gescheitert. Nun ist die Große Koalition Wowereits einzige Alternative – und nach dieser Vorgeschichte nicht die schlechteste.