Wenn sie als Wahlkampfhilfe gedacht war, dann fiel die Aktion auf einen ungünstigen Zeitpunkt: Da trafen sich zwei, die gerade nicht auf der Sonnenseite der Straße spazieren. Frankreichs Präsident Hollande mit einem Zustimmungswert von 27 Prozent, SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück mit 32 Prozent – der Élysée-Palast hat schon glanzvollere Begegnungen gesehen.
Dennoch war das Treffen politisch bedeutsam. Es zeigt, dass Frankreichs starker Mann auf eine Alternative zu Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt – aller scheinbaren Harmonie zwischen ihm und der CDU-Chefin zum Trotz. Merkel, die ganz auf Nicolas Sarkozy fixiert war, hatte Hollande brüskiert, weil sie sich weigerte, ihn als Oppositionsführer in Berlin zu empfangen. Das hat ihr der Sozialist nach seinem Wahlsieg heimgezahlt, indem er die SPD-Troika empfing. Jetzt zeigt die Begegnung mit Steinbrück, dass Hollande auch auf eine neue Politik und auf ein Ende der Ära Merkel hofft.
Allerdings ist Steinbrücks Spielraum gering. Sollte er Kanzler werden, könnte er nicht einfach den Sparkurs auf EU-Ebene beenden und die Schulden mithilfe von Euro-bonds vergemeinschaften. Sonst würde er in Deutschland noch tiefer in den Umfragekeller rutschen als Hollande derzeit in Frankreich.