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Bittgänge: Bewahrer alter Tradition

Bittgänge

Bewahrer alter Tradition

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    Zu jedem Bittgang gehören traditionell das Kreuz und zwei Kirchenfahnen.
    Zu jedem Bittgang gehören traditionell das Kreuz und zwei Kirchenfahnen. Foto: hlz

    Unterallgäu Wir sind mitten in der „Bittwoche“ und können sehen, dass trotz des Schwindens alter Traditionen die Bittgänge in vielen Unterallgäuer Gemeinden noch ein fester Bestandteil im Jahreslauf geblieben sind. Die Prozessionen finden traditionell an den drei Werktagen („Bitttage“) vor Christi Himmelfahrt statt, das wir morgen – 40 Tage nach Ostern – feiern. Allerdings ist dieser einst hohe kirchliche Feiertag mittlerweile für viele Menschen eher zum „Vatertag“ mutiert.

    Früher war der gläubige, bäuerliche Mensch davon überzeugt, dass der Hände Arbeit allein noch keine gute Ernte garantiert. Man brauche auch den Segen Gottes, glaubten die Menschen zutiefst.

    So wurde eine gute Ernte „erbetet“. Nach alter Tradition machten - und machen sich in vielen katholischen Kirchengemeinden auch heute noch - die Gläubigen zusammen mit dem Pfarrer und den Ministranten auf den Weg zu einer Kirche in der Nachbarschaft. Dabei wurden immer ein Prozessionskreuz und zwei Kirchenfahnen vorangetragen. Man sagte deshalb „mit dem Kreuz gehen“. Daraus entstand auch der Namen „Kreuz“- oder „Bittwoche“. Dabei gab es einst eine feste Ordnung, zu welcher Nachbarkirche oder Kapelle man jeweils ging. Während die Bittgänger (meist morgens) unterwegs waren, begegneten sie oft den Prozessionsgehern aus der Nachbarpfarrei, die auf dem Weg zu einem „Gegenbesuch“ waren. In die Gebete bei den Prozessionen und Umgängen wurden immer wieder die Bitten eingefügt: „Dass du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, wir bitten dich, o Herr!“ und „Vor Blitz, Hagel und Ungewitter verschone uns, o Herr!“ An Christi Himmelfahrt selbst war ein Flurumgang in der eigenen Gemeinde angesetzt. Dabei wurde an vier Stationen – die Himmelsrichtungen symbolisierend – angehalten und vom Pfarrer der Segen erteilt. Bei den Prozessionen und auch beim Flurumgang ging fast die ganze Gemeinde mit. Dass „jedes Hauswesen“ vertreten war, war Ehrensache.

    Bei den heutigen Flurprozessionen ist das Häuflein der Gläubigen eher klein geworden. Im Zeitalter der industriellen Agrarwirtschaft und der Säkularisierung bleibt für solche Rituale nur noch wenig Platz. „Glaubsch du, dass es nau besser wächst, wenn i dau mitgang?!“, begründet ein „moderner“ Bauer sein Fernbleiben. Es gibt aber auch viele andere Gründe, warum sich die Bittgänge und Prozessionen reduziert haben. Beigetragen haben dazu der Wandel der Arbeitswelt, der Rückgang der bäuerlichen Landwirtschaft und die allgemeine Verweltlichung.

    Auch der Straßenverkehr, für den Fußgruppen natürlich ein gefährliches Hindernis sind, macht manche Prozessionen unmöglich. Trotzdem sind diese alten Traditionen im Unterallgäu noch erstaunlich lebendig. Wer den Kirchenanzeiger dieser Woche betrachtet, sieht, dass in vielen Gemeinden die Bittgänge und Fußwallfahrten noch leben oder neu belebt werden. Vor allem viele junge Menschen entdecken wieder den Sinn der Bittgänge, die im Frühjahr durch unsere herrliche Natur führen. Manche aufgeklärten Zeitgenossen müssen nämlich erkennen, wie machtlos der Mensch trotz Chemie und Technik den Gewalten der Natur, wie Hochwasser, Schlechtwetterperioden oder Unwettern gegenübersteht - und dass der Spruch gilt: „An Gottes Segen ist alles gelegen!“

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