Erst sechs Monate ist es her, dass der heute 23-jährige Mindelheimer vor dem Memminger Amtsgericht stand. Der Tatvorwurf damals: schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung. Nun wird er sich wohl bald wieder vor Gericht verantworten müssen. Denn offenbar handelt es sich bei dem Brandstifter , der in der Nacht zum Dienstag in einer Kleingartensiedlung in Mindelheim zündelte, um denselben Mann, der an Pfingsten 2014 in der Landsberger Straße einen Großbrand verursacht hat.
Das teilte die Staatsanwaltschaft Memmingen am Mittwoch auf Nachfrage mit. Damals waren zwei Autos ausgebrannt, ein Haus musste nach dem Feuer abgerissen werden. Und die Zündelei hätte in dieser Nacht sogar in einer noch viel größeren Katastrophe enden können, da in einem benachbarten Schuppen Gasflaschen gelagert waren.
Trotz Bewährung zündelte er wieder
Im April dieses Jahres war der heute 23-Jährige deshalb vor dem Memminger Amtsgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dennoch zündelte er offenbar in dieser Woche mit seinem Feuerzeug an einem Holzzaun in der Kleingartensiedlung und an einem Mülleimer. Der Mülleimer brannte nicht, am Zaun entwickelte sich aber ein Feuer, das glücklicherweise schnell von einer Anwohnerin entdeckt wurde.
Der 23-Jährige war nach Angaben der Polizei bereits kurz nach der Tat von einer Streife aufgegriffen worden, musste aber bald darauf wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Nachdem die Memminger Kriminalpolizei am Dienstag die Ermittlungen aufnahm, hätte sich der erste Verdacht aber erhärtet, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Kempten am Mittwoch mit. Der 23-Jährige befindet sich aktuell in einem Bezirkskrankenhaus.
Ob er auch für die Brandstiftungen in der Nacht auf Sonntag verantwortlich ist, ist nach Polizeiangaben allerdings noch nicht klar: Im Mindelheimer Norden hatten ein Auto, ein Carport und eine mobile Toilette gebrannt. Hier würden die Ermittlungen noch laufen. Wie Mindelheims Polizeichef Gerhard Zielbauer sagte, will die Polizei zudem ungeklärte Brandstiftungen des vergangenen Jahres unter die Lupe nehmen. Geringere Sachbeschädigungen mit eingerechnet, handle es sich dabei um etwa 18 Taten.
Eine Kettenreaktion führte zum Großbrand
Der 23-Jährige hat in der Vergangenheit immer wieder gezündelt, wie der Staatsanwalt in der Verhandlung im Frühjahr berichtete. Drei Mal hatte er etwa in seiner Stammkneipe Kleidung oder Mülleimer in Brand gesetzt, bevor er im Juni 2014 einen Karton in einem Hinterhof in der Landsberger Straße anzündete – und damit die Kettenreaktion auslöste, die zu dem Großbrand führte: Der Karton lehnte an einem Auto und an einem Carport, ringsherum lagen ölverschmierte Lappen, außerdem war an einem Auto Treibstoff ausgetreten. Alles brannte sofort lichterloh. Der 23-Jährige setzte anschließend selbst den Notruf ab und warnte die Hausbewohner.
Sein Anwalt hatte deshalb auch auf eine mildere Strafe plädiert und war mit seinem Mandanten nach dem Urteil in Berufung gegangen. Die Verhandlung soll im November stattfinden – jetzt aber vermutlich unter deutlich anderen Voraussetzungen.
Zeuge gesucht Im Zusammenhang mit den Bränden am Wochenende sucht die Polizei noch eine Person, die ein wichtiger Hinweisgeber sein könnte: Ein Anwohner hatte gleich zu Beginn einen jungen Mann angetroffen, der anbot, die Feuerwehr zu rufen. Der Hilfsbereite möge sich bitte unter der Rufnummer 08331/1000 bei der Memminger Kripo, oder unter 08261/76850 bei der Polizei Mindelheim melden.