Weißenhorn/Neckartenzlingen Am Ende waren ihm Freude und Anstrengung im Gesicht abzulesen: Acht Monate nach seinem dramatischen Unfall hat der ehemalige Weißenhorner Diakon Marcel Frölich am Sonntag in Neckartenzlingen (Kreis Esslingen) seine Primiz, seine erste heilige Messe als Priester, gefeiert. Auch rund 30 Gläubige aus Weißenhorn waren dazu an den Neckar gereist.
Eigentlich wollte der Geistliche bereits im Juli seine Premiere geben. Doch dann geschah ein schreckliches Unglück. Nur einen Tag nach seiner Priesterweihe im Augsburger Dom verunglückte Marcel Frölich schwer: Eine Straßenbahn erfasste den damals 29-Jährigen auf einer Fußgängerfurt in der Haunstetter Straße in Augsburg mit einem Außenspiegel und schleifte den Mann mehrere Meter mit. Frölich erlitt schwere Kopfverletzungen, schwebte zwischen Leben und Tod. Zwei Wochen künstliches Koma und ein langer Aufenthalt in einer Fachklinik in Burgau folgten.
Freunde und Gläubige befürchteten das Schlimmste
Verwandte, Freunde und Gläubige befürchteten das Schlimmste. Aber dann nahm das tragische Unglück eine glückliche Wendung: Bereits nach wenigen Wochen ging es Marcel Frölich wieder überraschend gut. Über Monate arbeitete der Geistliche an seiner Genesung, nun konnte er in seiner Heimat seine erste öffentliche Messe nach der Weihe feiern. Dies nannte er zu Beginn des Gottesdienstes in der voll besetzten St. Paulus-Kirche in Neckartenzlingen ein „großes Geschenk“. Für ihn sei die Messe ein Dankgottesdienst – für seine Berufung, sein Leben und den Zuspruch vieler Gläubiger: „Überall auf der Welt wurde für mich gebetet. Diese Gemeinschaft, die Kirche als Familie erfahren zu dürfen, das hat mir viel Kraft gegeben.“
Auch die Predigt, gehalten von Kaplan Tobias Schwaderlapp, einem Studienfreund Frölichs, nahm diesen Faden auf: „Im Laufe der Welt können wir Gottes Wege nicht immer erkennen. Um an Gott zu glauben, müssen wir nicht immer alles verstehen.“ Man sollte sich jedoch persönlich fragen, was Gott einem sagen wolle. Marcel Frölich scheint darauf nach seinem Unfall bereits eine Antwort gefunden zu haben. Dass er am Leben sei, das verstehe er als Auftrag Gottes: „Mein Platz ist hier, Gott will meinen Dienst auf Erden.“
Noch machen dem heute 30-Jährigen die Folgen seines schweren Unfalls zu schaffen. Nach dem Ende der Primizfeierlichkeiten am Sonntagnachmittag konnten die Besucher in den Gesichtszügen Marcel Frölichs neben der Freude auch die Anstrengung sehen, die solch ein Tag für ihn derzeit noch bedeutet. Die Glückwünsche seiner Gäste nahm er denn auch im Sitzen entgegen. Er arbeite sehr intensiv, geistig wie körperlich, an seiner Genesung, wisse aber auch, dass Geduld und Demut dazu unabdingbar seien. Er sei sich seiner ganz besonderen „Auserwählung“ bewusst, sagte der Geistliche. „Nichts geschieht zufällig.“ Und sein Unfall bringe ihm den Auftrag, den er in der Weiheliturgie erhalten habe, sehr nahe: „Leben im Geheimnis des Kreuzes.“ Demnächst wird er seine Stelle als Kaplan in Dinkelscherben (Kreis Augsburg) antreten.
Unter den Gästen aus der Fuggerstadt befand sich auch Wolfgang Seitz, Diakon in Wullenstetten: „Es war eine sehr besinnliche Feier ohne Hektik.“ Die Weißenhorner Kirchengemeinde unterhalte gute Kontakte zu ihrem ehemaligen Pastoralreferenten und Diakon Frölich. Viele Gläubige hätten ihn in ihre Gebete eingeschlossen. Seitz: „Sein Unfall war ein Schock für uns alle, umso größer ist nun die Freude darüber, dass es ihm wieder besser geht.“
Besuch: Marcel Frölich wird am Sonntag, 5. Juni, in der Stadtpfarrkirche in Weißenhorn einen Abschiedsgottesdienst feiern. Beginn ist um 10 Uhr.