Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten

Tagung: Säure zerfrisst das Gedächtnis der Stadt

Tagung

Säure zerfrisst das Gedächtnis der Stadt

  • |
  • |
  • |
    Eines der „Unikate“ aus dem Neu-Ulmer Archiv: ein altes Foto vom Augsburger- Tor-Platz.
    Eines der „Unikate“ aus dem Neu-Ulmer Archiv: ein altes Foto vom Augsburger- Tor-Platz. Foto: Foto: Stadtarchiv

    Neu-Ulm Zum 200. Geburtstag darf es schon mal eine Extrawurst sein. Das dachte sich scheinbar auch OB Gerold Noerenberg – und fragte kurzerhand beim Bayerischen Archivtag an, ob der Arbeitskreis für Archivare sein diesjähriges Treffen anlässlich des Stadtjubiläums nicht in Neu-Ulm abhalten möchte. Auch wenn eigentlich nicht Schwaben, sondern ein anderer Regierungsbezirk an der Reihe gewesen wäre. Bei den Organisatoren stieß Noerenberg mit seinem Anliegen trotzdem auf offene Ohren – und so erlebt der siebte Archivtag an diesem Wochenende sogar noch eine Premiere: „In einer so jungen Stadt haben wir noch nie getagt“, sagte Michael Stephan vom Münchner Stadtarchiv, der die Veranstaltung federführend begleitet.

    Das aktuelle Thema der alle zwei Jahre stattfindenden Tagung betrifft aber das Stadtarchiv des jungen Neu-Ulms genauso wie etwa die Archive im wesentlich älteren Augsburg oder Ulm. „Verantwortung für das kulturelle Erbe“ lautet es und dabei dreht sich alles um Strategien und Konzepte zur Bestandserhaltung in Archiven. Größter Feind der historischen Dokumente ist nämlich der sogenannte Säurefraß. Seit die Menschheit Mitte des 19. Jahrhunderts angefangen hat, Papier industriell herzustellen, enthält dieses Säure – und die frisst die alten Schriftstücke mit der Zeit regelrecht auf, lässt sie bröckeln und irgendwann ganz zerfallen. „Wir haben in unseren Magazinen zwar gute Lagerkapazitäten, aber die Säure lauert auch in unseren Unterlagen“, berichtet Neu-Ulms Stadtarchivarin Janet Loos. Die Dokumente müssten deshalb in absehbarer Zeit überprüft und gegebenenfalls behandelt werden. Eine Möglichkeit, der unumkehrbaren Zerstörung von Unikaten entgegenzuwirken, ist die Massenentsäuerung, erklärt Margit Ksoll-Marcon, Generaldirektorin der Staatlichen Archive Bayerns. Die andere Option heißt Digitalisierung. „Allerdings muss man sich auch die berechtigte Frage stellen, wie man das digitale Material erhält, damit es lesbar bleibt“, sagt Ksoll-Marcon. Das sei die nächste große Herausforderung.

    Daneben beschäftigen sich die Archivare in Neu-Ulm mit präventiven Maßnahmen zum Erhalt wichtiger Dokumente – etwa deren ordnungsgemäße Verpackung. Vor allem der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 hätte gezeigt, wie wichtig auch solch einfache Dinge sind, und in dieser Hinsicht zu einem Umdenken geführt, sagt Ksoll-Marcon. Auch der Frage, wie sich Archive gegen Wassereinbrüche oder Brände wappnen können, will der Archivtag auf den Grund gehen.

    Hochwasser ist keine Gefahr mehr – aber ein Brand

    Während die Donau dem Neu-Ulmer Archiv – dem neuen Hochwasserschutz sei dank – nicht mehr gefährlich werden könne, lasse sich ein Feuer nie vollkommen ausschließen, sagt Janet Loos. Deshalb seien die wichtigsten Magazine im Archiv mit Punkten versehen. Daran erkennen die Feuerwehrleute im Brandfall, welche Dokumente am wichtigsten sind und als erstes in Sicherheit gebracht werden müssen.

    Das mit Abstand älteste Stück im Archiv, ein Lagerbuch aus dem Jahr 1506, in dem Besitzungen und Abgaben an den Gutsherren aufgeschrieben sind, gehört natürlich dazu. (ssu)

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden