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02. September 2010 21:05 Uhr

Vom Zwist zweier Zeitungen

Hegelhofen Die Botschaft ist schon ein bisschen angerostet. Die Sätze mit ihren schnörkeligen Buchstaben versprechen Superlative. Sie preisen die Neue Augsburger Zeitung als "größte und weitaus verbreitetste Tageszeitung in Schwaben" an. Aber diese Zeit ist längst vorbei. Jetzt hängt die weiße Werbetafel nicht mehr an einem Bürohaus, sondern im Weinstadel in Hegelhofen. Inhaber Herbert Knoll hat das Schild auf einem Dachboden entdeckt: "Ich sammle alte Tafeln und diese hat mir sehr gefallen." Die Reklame erzählt vom Wettkampf zweier Zeitungen.

Ein Stück schwäbische Pressegeschichte: Herbert Knoll aus Hegelhofen montiert die alte Werbetafel der "Neuen Augsburger Zeitung". Foto: Roland Furthmair
Foto: Roland Furthmair

Die Geschichte beginnt lange vor dem Zweiten Weltkrieg. Ein Blick ins Archiv enthüllt: Die Neue Augsburger Zeitung wurde 1852 gegründet und erschien bis 1944. Dann verpasste das Naziregime ihr den Titel National-Zeitung. Der Spuk endete bereits ein Jahr später, der Krieg war vorbei. Die Amerikaner hatten Schwaben besetzt, zunächst durften Zeitungen nur mit Lizenz erscheinen.

Zwei Journalisten - ein ungleiches Paar

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Eine solche ergattern im Herbst 1945 die Journalisten Curt Frenzel und Johann Wilhelm Naumann in Augsburg für ihre Schwäbische Landeszeitung. Ein recht ungleiches Paar: Der evangelische Frenzel dirigierte als Chefredakteur die Inhalte der Zeitung, der überzeugte Katholik Naumann verantwortete als Verlagsleiter die wirtschaftlichen Belange. Zunächst klappte die Zusammenarbeit ganz gut - doch Naumann als Strenggläubiger hätte es wohl gerne religiöser gehabt. Und so verließ er die Landeszeitung Ende der 1940er Jahre und machte seinem ehemaligen Mitstreiter Curt Frenzel ab 1950 Konkurrenz. Naumann gründete die Neue Augsburger Zeitung neu. Doch der Katholik verlor den Kampf um die Vorherrschaft in der schwäbischen Zeitungsszene. Im Februar 1951 machte er aus wirtschaftlichen Gründen zu, aber es war ein Abschied ohne Groll. In der letzten Ausgabe gab's Lob für den Gegner. Man gehe "frei von Ressentiments", hieß es da, weil Zeitungen "in Augsburg und im schwäbischen Raum" die Aufgabe der Publizistik "in vorbildlicher Weise" erfüllten. Die Landeszeitung florierte, sie wurde 1959 zur Augsburger Allgemeinen, die heute mit ihren Heimatausgaben wie etwa der Neu-Ulmer Zeitung zu den größten Tageszeitungen in Bayern gehört.

Das alte Schild im Weinstadel ist eine der Spuren, die Naumanns Zeitung in der Region hinterlassen hat. Auch in Weißenhorn gab es wohl eine Verkaufsstelle, die im Februar 1951 schloss. Sammler Herbert Knoll verdankt die Tafel dem Großvater seiner Frau. Der entdeckte das Schild eines Tages am Straßenrand. Es landete auf einem Speicher und wurde zunächst vergessen. Nun wurde Wirt Knoll fündig. Seitdem hat seine Kneipe ein Stück Pressegeschichte zu erzählen. (caj)

Buchtipp: Mehr über die Geschichte der Augsburger Allgemeinen erfahren Sie im Buch "Lizenz Nr. 7" von Haug von Kuenheim; Edition Braus, 24.95 ¤.

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