Die Zinssätze der Dispokredite auf Gehaltskonten kommen regelmäßig in die Schlagzeilen. Nun hat ein bundesweiter Vergleich von Stiftung Warentest das Thema wieder einmal in den Fokus der Öffentlichkeit gezogen. Der Leitzins ist so niedrig wie lange nicht mehr. Die Dispo-Zinsen aber verändern sich kaum – schon gar nicht nach unten. Und noch eine Auffälligkeit zeigte sich im Testergebnis: Unter den vier Banken in ganz Bayern, die mehr als 14 Prozent Zinsen verlangen, werden zwei Neuburger Banken aufgeführt: die Raiffeisen-Volksbank Neuburg mit einem Einstiegszinssatz von 14,1 Prozent und die Sparkasse Neuburg-Rain mit einem Zinssatz von 14 Prozent.
Bei der Sparkasse Neuburg-Rain etwa schlägt sich der Dispokredit mit nur 0,74 Prozent in der Gesamtbilanz des Geldinstituts nieder, wie Vorstandsvorsitzender Kurt Müller versichert. „Mich ärgert, dass wir im Test der Stiftung Warentest vorne plakativ bei den teuren Banken genannt werden und unser zweites Angebot – das Komfort Plus Konto mit neun Prozent Zinsen auf einen Überziehungskredit – in den Tabellen verschwindet.“
Dabei hatte die Sparkasse bei dem Test bereitwillig mitgearbeitet, wie Vorstand Xaver Reichard betont. Auch die Sparkassler stellen den Aufwand und das Risiko aus Preisfaktor dar. Und ganz wichtig, so Müller: „Wir sind eine Beraterbank. Wir prüfen die Konten unserer Kunden regelmäßig und lassen diese nicht auf einem teuren Dispokredit sitzen, sondern schlagen Umschuldungen auf günstigere Kredite vor, wenn dies nötig erscheint.“
Unterschiedliche Zinssätze beim Dispokredit
„Was Stiftung Warentest vermeldet, ist grundsätzlich richtig. Allerdings sind die 14,1 Prozent nur ein Einstiegszinssatz, der sich in einem Rahmen bis hinunter zu 2,7 Prozent bewegen kann“, erklärt Raiba-Vorstand Georg Beidenhauser. Vorstandskollege Werner Halbig begründet die unterschiedlichen Zinssätze beim Dispokredit: „Aufwand und Risiko wirken sich genauso auf die Höhe aus, wie die Tatsache, ob es sich um einen fremden oder einen Stammkunden handelt.“
Schließlich stelle die Bank einen Überziehungskredit einseitig zur Verfügung. „Wir schließen keinen Vertrag ab und haben letztlich auch keine Sicherheiten für diese Auslagen.“ Und ob genutzt oder nicht, das Geld müsse zur Verfügung gehalten werden. „Die Bereitstellung eines Dispokredits bedeutet für uns einen enormen Arbeitsaufwand.“ Dabei, so Halbig weiter, mache das Geschäft mit dem Überziehungskredit nur 0,9 Prozent bei der Gesamtbilanz aus, was im vergangenen Jahr rund drei Millionen Euro bedeutet habe.
Was als Aussage der Banker sehr kundenfreundlich klingt, trifft leider meist nicht diejenigen, die es gerade am meisten bräuchten. Veronika Rollink ist Schuldenberaterin beim Caritasverband Neuburg-Schrobenhausen. Sie hat es meist mit Menschen zu tun, wo es schon lange nicht mehr nur um Umschuldung geht. „Da sind eher Bankenwechsel und Privatinsolvenzverfahren notwendig.“
Aber es gebe doch immer wieder Menschen, die sich mit der Rückzahlung eines überzogenen Kontos hart tun würden. „Wir beraten Senioren, die mit einer kleinen Rente ihren Dispokredit genutzt haben und danach aber nicht einfach auf einen Privatkundenkredit ausweichen können.“ Dann würde der oft hohe Zinssatz die Rückzahlung zusätzlich behindern. AZ