116 117 - diese Nummer müssen Patienten ab kommenden Montag wählen, wenn sie am Wochenende oder Feiertagen einen Arzt brauchen. Experten sehen in ihr einen "großen Fortschritt."

116 117 - diese Nummer sollte man sich unbedingt merken: Es gibt Situationen, die einen Arzt erfordern, obwohl sie nicht lebensbedrohlich sind. Zum Beispiel hohes Fieber und Schüttelfrost um drei Uhr nachts oder eine Magen-Darm-Grippe am Sonntagvormittag. Wer nachts oder am Wochenende dringend einen Arzt braucht, der kann künftig überall in Deutschland die Telefonnummer 116 117 anrufen. Sie braucht keine Vorwahl, ist kostenlos und soll in fast ganz Deutschland gelten, auch in Bayern. Gelten soll die neue Nummer ab kommenden Montag, 16. April. Anrufer in Baden-Württemberg, im Saarland und in Teilen von Rheinland-Pfalz und Hessen müssen sich noch etwas gedulden.
Für viele Situationen ist nicht der Notarzt, sondern der 116 117 zuständig, der von den Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten organisiert wird. Bislang haben die Bereitschaftsdienste in Deutschland mehr als tausend regional unterschiedlichen Nummern, die teilweise sogar täglich wechseln.
"Das ist ein großer Fortschritt, denn es beendet das Wirrwarr von über tausend Wegen, zu einem Arzt zu kommen, auf eine einzige Lösung", sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU). In Baden-Württemberg, dem Saarland sowie Teilen von Rheinland-Pfalz und Hessen geht die Nummer allerdings erst später an den Start. Dort würden die Bereitschaftsdienste derzeit noch neu organisiert, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Köhler. Langfristig solle die Rufnummer aber europaweit gelten. Viele Länder hätten bereits Interesse gezeigt.
Parallel dazu gilt aber weiterhin die alte bayerische Nummer 0 18 05/19 12 12. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns will gewährleisten, dass die Vermittlungszentrale auf jeden Fall erreichbar ist, sagt Pressesprecherin Kirsten Warweg. "Die neue Bundeszentrale muss sich erst noch in der Realität beweisen." Wenn alles glattgeht, verbindet sie den bayerischen Anrufer mithilfe seiner Telefondaten automatisch nach Bayern, wo er dann erfährt, welcher Arzt seine Magen-Darm-Grippe am Sonntagvormittag behandelt.
Mit der neuen Nummer soll auch der Notruf 112 entlastet werden. Er erhoffe sich von dem neuen Service einen Rückgang der unnötigen Anrufe bei der 112, sagte Köhler. Die Notdienstzentralen seien teils stark überlaufen. Sie seien aber nur für lebensbedrohliche Notfälle zuständig. (dpa, AZ)
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