Eine fünf Meter lange Würgeschlange schlingt einen 26 Kilogramm schweren Hirsch herunter: Szenen wie diese sind in den Everglades im US-Bundesstaat Florida längst keine Ausnahme mehr. Seit dem Jahr 2000 treibt der gefräßige Tigerpython, auch als Burma-Python bekannt, in dem südlichen Sumpfgebiet sein Unwesen.
Auch Alligatoren werden verschlugen
99 Prozent der Waschbären, beinahe ebenso viele Opossums und 88 Prozent der heimischen Rotluchse seien wie vom Erdboden verschwunden, stellten Wissenschaftler jüngst in einem Fachjournal fest. "Die Pythons richten Amerikas schönstes und reichstes Ökosystem zugrunde", klagt Marcia McNutt, Leiterin der US-Behörde für Geologie (USGS). "Nur ein schnelles und beherztes Eingreifen durch den Menschen kann die Schlangen noch stoppen." Die Invasion des Pythons bringt auch Raubtiere wie Alligatoren in Gefahr, und es wird befürchtet, dass der einheimische Florida-Panther ausstirbt.
Pythons wurden eingeschleppt
Doch es war der Mensch, der die Schlange vor drei Jahrzehnten aus Südostasien eingeschleppt hat. Ausgesetzte oder versehentlich freigelassene Schlangen haben laut den Wissenschaftlern in den Weiten des Marschlandes ein neues Zuhause gefunden. Seit dem Jahr 2.000 sei ihre Zahl dramatisch gestiegen.
Gordon Rodda, USGS-Spezialist für invasive Tierarten, hat wenig Hoffnung, dass sich eine weitere Ausbreitung noch verhindern lässt. "Es gibt kein Beispiel dafür, dass eine nichtheimische Art wie der Tigerpython von Menschenhand ausgerottet werden konnte."
Mehr als 10.000 Pythons
1800 Riesenschlangen wurden in den Everglades bereits gefangen oder getötet. Gebracht hat dies nichts. Experten wie Rodda schätzen ihre Zahl immernoch auf mehr als 10.000.
Und es droht weiteres Unheil: Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich die Schlangen-Plage über weite Teile des US-Südens ausbreiten könnte. So wurden auf der Inselkette Florida Keys bereits einzelne Exemplare gefunden. Einer möglichen Ausweitung ins nördliche Festland stehe der Mensch hilflos gegenüber, glaubt Rodda: "Wir haben keine Möglichkeiten, die Verbreitung der Schlange ins Landesinnere Floridas aufzuhalten."
Einfuhrverbot für Burma-Pythons
Die Obama-Regierung hat wegen der dramatischen Entwicklung kürzlich Einfuhr und Handel mit dem bis zu fünf Meter langen und 70 Kilogramm schweren Burma-Python verboten. Doch unter dem Druck des Vereins der Reptilien-Halter (USARK) bleibt der Handel mit einer anderen Schlangenart, der Boa Konstriktor, erlaubt. Die USGS schätzt das Risiko, dass die Boa andernorts den gleichen Schaden anrichtet wie der Tigerpython in den Everglades, als "hoch" ein. (dpa)