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Castor-Transport: Eine Gleisblockade ist beendet, die nächste folgt

Castor-Transport

Eine Gleisblockade ist beendet, die nächste folgt

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    Mit schwerem technischen Gerät musste die Polizei ausrücken, um angebrachtes Hindernis an einer Schiene auf der Bahnstrecke, auf der der Castor mit Atommüll nach Gorleben rollen soll, zu befreien.
    Mit schwerem technischen Gerät musste die Polizei ausrücken, um angebrachtes Hindernis an einer Schiene auf der Bahnstrecke, auf der der Castor mit Atommüll nach Gorleben rollen soll, zu befreien. Foto: Christian Charisius dpa

    Nach fast 15 Stunden hat die Polizei am Sonntagnachmittag auch den letzten von vier angeketteten Castor-Gegnern an einer Zugstrecke im Kreis Lüneburg befreit.

    Drei Männer und eine Frau hatten sich kurz nach Mitternacht mit den Armen in einer Betonkonstruktion aus Röhren und Stahlgittern festgekettet. Sie konnten nach Auskunft der Polizei unversehrt befreit werden. Der mit hoch radioaktivem Atommüll beladene Castor-Zug näherte sich der Blockadestelle und stoppte am Ende des Polizeieinsatzes in rund 500 Meter Entfernung. An einem anderen Ort bei Hitzacker waren jedoch noch Castor-Gegner an einer Betonpyramide befestigt.

    Der Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll aus Frankreich braucht in diesem Jahr so lange wie nie zuvor ins Zwischenlager Gorleben. Bereits Sonntagmittag war er mehr als 92 Stunden unterwegs, wie die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg mitteilte. Zahlreiche Aktionen verzögerten die Fahrt; die Polizei beklagte eine "zunehmende Gewaltbereitschaft" von Demonstranten - wurde aber auch scharf kritisiert.

    Zwischen gewaltbereiten Castor-Gegnern und der Polizei ist es zu schweren Zusammenstößen gekommen. Vermummte Gruppen hätten sich nahe dem Bahnhof Leitstade einen Schlagabtausch mit den Einsatzkräften geliefert, berichtete ein Augenzeuge. Polizisten seien mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen worden, Wurfgeschosse seien auch auf eine Reiterstaffel der Polizei geflogen. Die Polizei soll Wasserwerfer in dem Waldgebiet postiert haben.

    Im Vorjahr war er der Castor-Transport nach 92 Stunden angekommen

    Der Zug mit den elf Castor-Behältern hatte in der Nacht zum Sonntag im Güterbahnhof Maschen bei Hamburg Halt gemacht und startete erst gegen Mittag Richtung Dannenberg. Dort werden die Behälter vom Zug auf Lastwagen umgeladen und dann ins Zwischenlager Gorleben gefahren. Im Vorjahr war der Castor nach 92 Stunden im Zwischenlager angekommen - das war bereits der bis dahin längste Transport. Aus Sicht der Demonstranten ist jede Verlängerung des Transports ein Erfolg. Für das Land Niedersachsen bedeutet dies dagegen hohe Kosten. Im vergangenen Jahr betrugen die Ausgaben des Landes für den Castor-Transport 36,5 Millionen Euro.

    Der Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster beklagte aber dennoch eine zunehmende Gewaltbereitschaft bei den Protesten. Laut "Welt am Sonntag" berichtete der für den Transport verantwortliche Niehörster einer Gruppe niedersächsischer Landtagsabgeordneter, dass Polizisten zum Beispiel mit Golfbällen beworfen worden seien, die zuvor mit Nägeln präpariert worden waren. Er berichtete zudem von Brandanschlägen auf Kabelschächte der Bahn und von angesägten Bäumen, die auf Polizeiautos gestürzt werden sollten.

    Grünen-Chefin Claudia Roth warf ihrerseits der Polizei ein "absolut überzogenes" Vorgehen vor. Der Einsatz sei "ein Anschlag auf die Demokratie", sagte sie am Sonntag auf dem Bundesparteitag der Grünen in Kiel. Ausdrücklich rechtfertigte sie auch die Blockaden der Castor-Gegner. "Es geht für mich um das Demonstrationsrecht und da gehört die Blockade dazu." Die Gewerkschaft der Polizei erwiderte, das Verhalten der Beamten sei "tadellos". Sie dürften und müssten notfalls körperliche Gewalt anwenden und von ihren polizeilichen Einsatzmitteln Gebrauch machen.

    Sechs Fakten zum Castor-Transport

    Elf Spezialbehälter werden wie im vergangenen Jahr zunächst mit dem Zug, dann per Tieflader nach Gorleben transportiert. In jedem Castor stecken 28 Glaskokillen mit radioaktiven Abfällen aus deutschen Atomkraftwerken.

    Rund 1200 Kilometer lang ist die Strecke vom französischen La Hague bis nach Gorleben. Die letzte Etappe auf der Straße von Dannenberg bis zum Zwischenlager beträgt etwa 20 Kilometer.

    Rund 20 000 Polizisten sollen nach Angaben der Polizei Lüneburg den Castortransport schützen. 12 000 Beamte werden von der Landespolizei eingesetzt, etwa 8000 von der Bundespolizei aus ganz Deutschland.

    Etwa 16 000 Demonstranten werden am letzten Novemberwochenende gegen den Atommülltransport protestieren, schätzt die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

    Dieses Jahr rollt der letzte Castortransport mit hoch radioaktivem Atommüll aus Frankreich nach Gorleben. Zwischen 2014 und 2017 plant das niedersächsische Umweltministerium, weitere 21 Behälter mit Atommüll aus dem britischen Sellafield nach Deutschland zu holen.

    102 Behälter mit Atommüll und abgebrannten Brennelementen lagern derzeit im Zwischenlager Gorleben.

    In Dannenberg hatten am Samstagnachmittag Tausende von Menschen friedlich gegen den Transport und gegen die weitere Erkundung des Gorlebener Salzstocks auf eine Eignung als Endlager protestiert. Nach Angaben der Polizei versammelten sich 8000 Menschen, die Veranstalter zählten 23.000. Unter den Demonstranten in Dannenberg waren Familien mit kleinen Kindern, Jugendliche und ältere Menschen.

    Der Castor-Transport ist der letzte mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in La Hague in Frankreich. Er war am Mittwoch gestartet. In ganz Deutschland sind während des Transports rund 19.000 Polizisten im Einsatz. afp, AZ, dpa

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