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Blutbad in Lüttich: Fünf Tote: Amokläufer war zu Polizeiverhör geladen

Blutbad in Lüttich

Fünf Tote: Amokläufer war zu Polizeiverhör geladen

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    Die Lütticher Bürger gedenken der Opfer.
    Die Lütticher Bürger gedenken der Opfer. Foto: dpa

    Der Amokläufer im belgischen Lüttich war am Tag seiner Tat wegen eines mutmaßlichen Sittlichkeitsverbrechens zu einem Polizeiverhör geladen gewesen. Im November seien erstmals seit seiner Freilassung aus dem Gefängnis im Oktober 2010 Vorwürfe gegen den 33-jährigen Nordine Amrani bekannt geworden, sagte die Lütticher Staatsanwältin Danièle Reynders am Mittwoch. Es handle sich um den Vorwurf von Sittlichkeitsverbrechen, der am 13. November "in Form einer Klage gegen X" eingegangen sei. Die Staatsanwältin nannte keine Einzelheiten. Laut einem Bericht der belgischen Zeitung Le Soir bezog sich die Klage auf "Berührungen".

    Fünf Tote nach Blutbad in Lüttich

    Laut Reynders konnte Amrani nach dem Eingang der Klage aufgrund eines am Tatort gefundenen Nummernschildes identifiziert werden. Er sei am Dienstag um 13 Uhr bei der Polizei vorgeladen gewesen. Anstatt dort zu erscheinen, zündete der 33-Jährige jedoch vier Granaten auf dem zentralen Platz von Lüttich und schoss in die Menschenmenge. Anschließend tötete er sich mit einem Kopfschuss selbst.

    Zwei Jugendliche und ein Kleinkind starben durch die Schüsse. Zudem entdeckte die Polizei in einem Schuppen beim Haus des Täters die Leiche einer 45-jährigen Frau, welche die Putzfrau seines Nachbars gewesen sein soll. Eine 75 Jahre alte Frau, die zunächst zu den Todesopfern gezählt wurde, befand sich noch mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus. Auch fünf weitere Menschen waren schwer verletzt, insgesamt beläuft sich die Zahl der Verletzten auf 125.

    Blutige Schießereien in den vergangenen zehn Jahren

    Allein in den vergangenen zehn Jahren hat es in Deutschland und in anderen Ländern Schießereien mit hoher Opferzahl gegeben.

    April 2002: Bei einem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium tötet ein ehemaliger Schüler mit einer Pistole 13 Lehrer, zwei Schüler und einen Polizisten. Anschließend erschießt sich der 19-Jährige in einem Schulzimmer.

    April 2007: Ein 23-Jähriger erschießt auf dem Campus der technischen Universität Virginia Tech im US-Staat Virginia 32 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst mit einem Kopfschuss.

    September 2008: In einer Fachoberschule in der finnischen Stadt Kauhajoki erschießt ein 22-Jähriger neun Schüler und einen Lehrer. Anschließend richtet er die Waffe gegen sich selbst.

    März 2009: Ein 17-Jähriger dringt schwer bewaffnet in die Albertville-Realschule in Winnenden ein und schießt gezielt auf Schüler und Lehrer. Bei dem Massaker und während seiner anschließenden Flucht in Wendlingen werden 15 Menschen erschossen, bevor der Täter sich selbst tötet.

    April 2011: Ein 23-Jähriger erschießt in einer Schule in Rio de Janeiro zwölf Schüler und sich selbst. Bei den Opfern handelt es sich um zehn Mädchen und zwei Jungen im Alter von 12 bis 15 Jahren, wie die Behörden mitteilten. Mindestens zwölf Menschen werden verletzt.

    Juli 2011: Wenige Stunden nach einer tödlichen Explosion im Regierungsviertel von Oslo richtet ein Bewaffneter in einem Jugendlager auf der norwegischen Insel Utoya ein Blutbad an. Mindestens 85 Menschen kommen dabei um Leben. Die Polizei nimmt einen 32-jährigen Norweger fest, der einen rechtsextremen Hintergrund haben soll.

    Dezember 2011: Ein wegen Waffen- und Drogenbesitzes vorbestrafter Mann greift in der belgischen Stadt Lüttich zahlreiche Menschen mit Granaten und Schüssen an. Der 33-Jährige tötet mindestens fünf Menschen. Mehr als 120 Personen werden verletzt.

    Amrani war wegen Drogen- und Waffenbesitzes sowie wegen Sittlichkeitsvergehen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Nach drei Jahren im Gefängnis wurde er im Oktober 2010 unter der Auflage einer Bewährung von acht Monaten freigelassen.

    Lütticher Bürger trauern

    Lütticher Bürger haben am Tag nach dem Amoklauf der Opfer mit Blumen gedacht. Sie legten an der Bushaltestelle im Zentrum, wo Menschen von Kugeln und Granatsplittern getroffen wurden, mit Tränen in den Augen vor allem Rosen nieder. "Lasst uns Lüttich als Stadt des Friedens leben", war auf einem Zettel zu lesen, der mit Emanuel (25) unterschrieben war. Der Alltag schien wieder seinen Gang zu nehmen: Die Stadt, die tags zuvor wie leergefegt wirkte, war wieder bevölkert. Kinder gingen zur Schule, Menschen strömten zur Arbeit, warteten auf ihre Busse, auch an der Stelle des Blutbads. Aber der Schein trügt. Viele Lütticher sagten, sie fühlten sich nicht mehr sicher. afp/dpa/AZ

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