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Drogenbericht: Internetsucht: Mädchen schnell abhängig von sozialen Netzwerken

Drogenbericht

Internetsucht: Mädchen schnell abhängig von sozialen Netzwerken

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    Szene von den World Cyber Games 2007 bei der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover (Symbolbild). dpa
    Szene von den World Cyber Games 2007 bei der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover (Symbolbild). dpa

    Fluch und Segen zugleich: Das Internet ist kaum mehr aus dem Leben zu denken - im Beruf und auch in der Schule. Doch vor allem Jugendliche können internetsüchtig werden. Sie verlieren sich in der virtuellen Welt und ziehen sich im Extremfall aus dem wirklichen Leben zurück.

    Sie verweilen in sozialen Netzwerken oder verlieren sich stundenlang in Onlinespielen: Besonders junge Menschen sind laut einer Studie von Internetsucht betroffen. Sie sind im Alter zwischen 14 und 24 Jahren, zum Teil haben sie die Kontrolle über ihre Internetnutzung verloren. Im Extremfall werden Schule, Beruf und echte soziale Kontakte vernachlässigt - auch wenn die überwiegende Mehrzahl nicht internetsüchtig ist. "In der virtuellen Welt finden sie Erfüllung und Anerkennung, die ihnen möglicherweise im wirklichen Leben verwehrt bleiben", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, am Montag in Berlin.

    560.000 Internetsüchtige

    Nach der vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegebenen Studie gelten bundesweit insgesamt 560.000 Menschen als abhängig - das sei etwa ein Prozent der14 bis 64-Jährigen. Demnach verbringen Internetsüchtige am Tag durchschnittlich vier Stunden im Netz. Viel größer ist die Zahl der "problematischen Internetnutzer": In Deutschland gelten rund 2,5 Millionen Menschen als gefährdet. Am Tag sind sie etwa drei Stunden online. Die Zahl der Internetsüchtigen sei vergleichbar mit der Zahl der Cannabis-Abhängigen.

    Bei den 14- bis 24-Jährigen sind es 2,4 Prozent, die als internetsüchtig eingestuft werden. 13,6 Prozent sind gefährdet - das heißt, dass die Gefahr sehr groß ist, in die Abhängigkeit zu rutschen. Sie verbringen dabei die meiste Zeit in sozialen Netzwerken und bei Onlinespielen.

    Jugendliche besonders gefährdet

    Soziale Netzwerke im Internet

    Soziale Netzwerke sind mittlerweile aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie bieten ihren Mitgliedern unter anderem die Möglichkeit, persönliche Profile zu erstellen (mit Fotos, Videoclips, etc.), private Netzwerke zu schaffen und Informationen auszutauschen.

    Facebook: Facebook ist mit über 750 Millionen Mitgliedern im Moment das größte Online-Netzwerk der Welt. Im Februar 2004 gründete der Harvard-Student Mark Zuckerberg zusammen mit drei anderen Pionieren das Portal zunächst als uni-internes Netzwerk. Mittlerweile hat sich daraus eine weltumspannende Community entwickelt.

    Twitter: Seit März 2006 haben Privatpersonen, Unternehmen, Organisationen und Medien die Möglichkeit, kurze Textnachrichten (maximal 140 Zeichen) zu veröffentlichen ("twittern"). Die Leser können zu einem bestimmtes Thema in Echtzeit auf dem Laufenden gehalten werden und einzelne Beiträge kommentieren.

    Google plus ist die Antwort von Google auf den Erfolg von Facebook. Im Frühsommer 2011 gestartet, schoss die Mitgliederzahl bereits in der Testphase binnen zwei Wochen auf über 20 Millionen. Gelobt wurden vor allem die Datenschutzeinstellungen, die bei Google plus besser als bei Facebook seien. Seit Ende September ist Google plus für jedermann offen.

    XING: Die deutsche Kontakt-Plattform XING wurde 2003 unter dem Namen OpenBC ins Leben gerufen. Jeder registrierte Benutzer kann dort sein eigenes Profil erstellen und vorrangig geschäftliche, aber auch private Kontakte knüpfen und verwalten.

    Myspace: Die Community gibt es seit Juli 2003. Das Portal bietet seinen Mitgliedern die Möglichkeit, Benutzerprofile zu erstellen, verschiedenen Gruppen beizutreten und Blogs anzulegen. Einige Jahre konnte Myspace sich als populärstes Soziales Netzwerk behaupten, bis ihm schließlich 2008 Facebook den Rang ablief.

    studiVZ/schülerVZ/meinVZ: StudiVz (Studiverzeichnis) wurde im November 2005 gegründet und inhaltlich sowie optisch an die englischsprachige Version von Facebook angelehnt. Anfangs war das Portal sehr beliebt, kann inzwischen aber nicht mehr mit Facebook konkurrieren.

    LinkedIn: Ähnlich wie XING ist auch LinkedIn dafür vorgesehen, Geschäftskontakte zu knüpfen und zu pflegen. Die Plattform wurde 2003 in Kalifornien gegründet und zählt inzwischen mehr als 100 Millionen Mitglieder. Damit ist LinkedIn das international erfolgreichste Netzwerk dieser Art.

    wer-kennt-wen: Die wer-kennt-wen-Betreiber (mittlerweile RTL interactive) möchten alle erreichen, die ein Mindestalter von 14 Jahren erreicht haben. Die Plattform wurde 2006 ins Leben gerufen und konnte sich bislang vor allem in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland etablieren. In einigen anderen deutschen Bundesländern sowie in Österreich und der Schweiz verzeichnet das Netzwerk steigende Mitgliederzahlen.

    Besonders überraschend: In der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen sind Mädchen häufiger abhängig und gefährdet als Jungen. "Wir vermuten, dass Mädchen und junge Frauen besonders empfänglich sind für die Bestätigungen, die man in sozialen Netzwerken findet", erklärte Fachmann Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck. Doch die extremen Fälle wie körperliche Verwahrlosung gebe es vor allem bei den jungen Männern, die süchtig nach Spielen im Internet seien und zum Teil gar nicht mehr aus dem Haus gingen.

    Die vorliegende Studie gebe einen ersten repräsentativen Überblick über die Häufigkeit der Problemfälle. Bisher sei die Datenlage sehr gering gewesen, sagte die Drogenbeauftragte Dyckmans und sprach von einer "neuen Erkrankung", die erst erforscht werden müsse. Eine Nachfolgestudie solle vor allem die Folgen und das Ausmaß der Sucht näher beleuchten. Zudem stellte Dyckmans eine neue Broschüre für Eltern vor. Sie soll bei der Aufklärung und im Umgang mit internetsüchtigen Kindern und Jugendlichen helfen.

    Bei der von den Universitäten Lübeck und Greifswald durchgeführten Studie wurden mehr als 15.000 Menschen im Alter von 14 bis 64 Jahren befragt. Die Internetabhängigkeit wurde dabei über eine Reihe von Merkmalen bestimmt. Dazu gehören unter anderem die Verweildauer im Internet, die Pflege von echten sozialen Kontakten und Entzugserscheinungen. dpa

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