Mit einer dicken Zigarre im Mund, als Macho mit flotten Sprüchen und schönen Frauen, so kennen auch Nicht-Fußballfans den langjährigen Schalke-Manager Rudi Assauer. Jetzt zeigt der einstige Spitzensportler ein neues Gesicht: Er ist schwer an Alzheimer erkrankt, weiß nicht, wie es weitergehen soll und braucht täglich Hilfe.
Assauer geht in die Öffentlichkeit
Rudi Assauer ging vergangene Woche mit seiner Alzheimer-Erkrankung in die Öffentlichkeit. In dem am Dienstag ausgestrahlten ZDF- Interview sieht Assauer äußerlich mit dem grauen Anzug, der teuren Brille und dem weißem Hemd aus wie früher. Doch der Mann im Anzug hat sich völlig verändert. Rudi Assauer spricht langsam, fast schleppend. "Hab jahrelang auf hohem Niveau Fußball gespielt. Jetzt auf einmal ist alles vorbei." Lange Pause. "Tja, kein Mensch kann dir helfen."
Ein Jahr lang durfte ein ZDF-Team sein Leben mit der Krankheit eng begleiten. Außerdem veröffentlichte der 67-Jährige eine Autobiografie, in der er sich ausführlich über seine Alzheimer-Erkrankung äußert. Der Titel: "Verblassende Erinnerungen an mein Leben".
Alzheimer - Das schleichende Vergessen
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. In Deutschland gelten heute rund 1,2 Millionen Menschen als demenzkrank. Ungefähr 60 Prozent davon, rund 720.000, haben Alzheimer.
Die Krankheit ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer benannt, der sie erstmals im Jahre 1906 wissenschaftlich beschrieben hat. Die Erkrankung des Gehirns führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen vor allem in der Hirnrinde.
Alzheimer beginnt mit Vergesslichkeit und mangelndem Antrieb. Im weiteren Verlauf werden die gewohnten Handlungen immer schwieriger. Der Patient vergisst häufiger Worte, wird orientierungslos und kann sich nicht mehr erinnern. Einfache Handgriffe wie das Öffnen und Schließen von Knöpfen werden unmöglich.
Schließlich verliert der Patient seine Selbstständigkeit und erkennt seine Angehörigen nicht mehr. Die Störungen des Denk- und Urteilsvermögens lassen ein normales Alltagslebens immer schwieriger werden. Viele Betroffene werden misstrauisch, aggressiv oder depressiv.
Auslöser sind fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge, die die Nervenzellen schädigen. Die für das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit wichtigen Übertragungsstoffe im Gehirn können dann nicht mehr gebildet werden. Das Gehirn von Alzheimer-Kranken weist typische Eiweißablagerungen auf.
Zwar kann die Krankheit bereits vor dem 50. Lebensjahr auftreten, ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter aber erheblich zu. Eine Heilung ist noch nicht möglich, durch eine rechtzeitige Therapie mit Medikamenten kann der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit aber eine Zeit lang hinausgezögert werden. Auch Verhaltens-, Musik- oder Erinnerungstherapien können die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.
Jährlich erkranken nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft fast 300.000 Menschen neu an Demenz und Alzheimer. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der Demenzkranken Schätzungen zufolge auf etwa 2,6 Millionen mehr als verdoppeln, sofern kein Durchbruch in der Prävention und Therapie gelingt.
Er hat Alzheimer, aber Rudi Assauer will sich nicht verstecken. Der Mann, der als Fußballer am liebsten in der Abwehr spielte, greift noch mal an.
Assauer kann Alltag nicht mehr alleine bewältigen
Mit der heimtückischen Alzheimer-Krankheit hat sich Assauers Leben völlig verändert. Er erinnert sich nicht mehr an einstige Mitspieler, öffentliche Auftritte und Interviews waren ihm schon länger ein Graus, inzwischen meidet er sie fast ganz. "Er braucht Betreuung rund um die Uhr, auch für den ganz normalen Alltag", heißt es aus dem engsten Familienkreis.
Assauer lebt betreut von Tochter Bettina und seiner langjährigen Sekretärin aus Schalke-Zeiten in Gelsenkirchen. Seine Villa ist zum 1. März verkauft. Mit Medikamenten und Gedächtnisspielen versucht er, die Krankheit aufzuhalten, die bisher niemand heilen kann.
Gunther Sachs beging wegen Alzheimer Selbstmord
Demenz ist eine heimtückische Krankheit, die Experten zufolge jeden Treffen kann und die auch vor Intellektuellen, Reichen oder Prominenten nicht haltmacht. 1,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Alzheimer betroffen. Alzheimer traf auch Millionär und Playboy Gunter Sachs. „Krankheit A.“ nannte er die häufigste Demenz-Variante Alzheimer, die er – offenbar noch im Frühstadium – hatte, abschätzig. Die Diagnose hatte er sich selbst gestellt und wählte eine radikale Lösung: Er erschoss sich. In seinem Abschiedsbrief heißt es: „Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten." AZ/dpa
Prominente, die an Demenz erkrankten