Facebook, StudiVZ und Co: Viele Schüler bewegen sich wie selbstverständlich im Internet und sozialen Netzwerken. In der Schule spielt einer Studie zufolge beides keine große Rolle. Von Yvonne Salvamoser

Wenig Internet-Erfahrung - das attestiert eine aktuelle Umfrage Deutschlands Lehrern. In der vom Softwarekonzern Microsoft in Auftrag gegebenen emnid-Umfrage gaben nur 32 Prozent der befragten Lehrer an, einschlägige Erfahrungen mit sozialen Netzwerken im Internet zu besitzen.
Und eine zweite aktuelle Erhebung, die das Marktforschungsinstitut TNS Infratest ebenfalls im Auftrag von Microsoft erstellte, kommt zu dem Ergebnis, dass für 61 Prozent der befragten Schüler die Nutzung von Computer und Internet in der Schule noch immer die Ausnahme darstellt.
Medienkompetenz ist ein großes Thema
Peter Kosak leitet das Maria-Ward-Gymnasium Augsburg und kennt die Studien. "Das sind die Vorstellungen, die die IT-Branche hat, was im schulischen Alltag sinnvoll und notwendig ist." Was den Medieneinsatz angeht, bewege man sich wohl tatsächlich in dem Bereich, wie es die Umfrageergebnisse darlegen. Aber: "Medienkompetenz ist bei uns momentan ein großes Thema."
Im Mathematik-Unterricht zum Beispiel werden in der Mädchenschule bereits Übungsaufgaben und Tests über eine E-Learning-Plattform gelöst, im virtuellen Forum diskutiert. Seit zwei Jahren werden an dem Gymnasium in der Augsburger Innenstadt regelmäßig Workshops angeboten, die sich mit den Gefahren des Internets, speziell von Facebook, StudiVZ und Co., auseinandersetzen. Der Auslöser: "Schüler sind häufig in sozialen Netzwerken und verbringen viel Zeit dort." Und die Eltern fühlten sich teilweise machtlos.
In beiden Umfragen gaben 90 Prozent der Eltern an, dass ihre Kinder den Umgang mit Software, Internet und Computer in der Schule vermittelt bekommen sollten. Auch 95,7 Prozent der befragten Pädagogen sehen die Schulen in der Pflicht, die Schüler entsprechend auszubilden und so fit für die Zukunft zu machen.
Im Bayerischen Kultusministerium hat man sich mit der Thematik längst auseindandergesetzt. "Die Schule tut viel in diesem Bereich", sagt ein Sprecher. Die Arbeit mit Computer und Internet sei im Lehrplan verankert. Im Freistaat gibt es darüber hinaus medienpädagogisch-informationstechnische Berater (MIB). Diese Lehrer haben ein Zusatzstudium in Medienpädagogik absolviert und beraten Schulleitungen, Pädagogen und Eltern in Fragen der Mediennutzung im Unterricht und außerhalb der Schule. Für 2010 steht ihre Arbeit unter dem Schwerpunktthema "Chancen und Gefahren des Web 2.0".
Einige der beliebtesten Web-2.0-Anwendungen unter Jugendlichen sind soziale Netzwerke wie StudiVZ, Facebook oder Lokalisten. Wie die Ergebnisse der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest belegen, sind 70 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen täglich oder mehrmals die Woche in Online-Communities unterwegs. 83 Prozent der rund 1000 telefonisch befragten Jungen und Mädchen informieren dort über ihre Hobbies, 69 Prozent laden eigene Fotos und Videos hoch.
Schule sollte das Phänomen "soziale Netzwerke im Internet" bewerten
Obwohl sich viele Schüler teils intensiv mit ihrem Online-Profil im Netz beschäftigen, gibt der Ministeriumssprecher zu bedenken: "Wir führen jetzt auch nicht ein Fach 'Fastfood' ein, obwohl es alle essen." Trotzdem müsse man das Phänomen ernst nehmen und die jungen Menschen begleiten. "Die Schule sollte es bewerten."
Auch Schulleiter Kosak, der selbst einige Twitter-Feeds verfolgt, ist der Meinung, dass sich Lehrer durchaus mit Facebook und anderen sozialen Netzwerken im Internet auseinandersetzen sollten. Schließlich gehörten diese zur Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen.
Und sein Kollege Peter Reithmeier, Rektor der Friedrich-Ebert-Hauptschule in Augsburg, findet: Nicht nur die Pädagogen. Er sieht neben dem Kultusministerium die Eltern in der Pflicht. "Vernünftige Eltern forschen nach: Wo chattet mein Kind? Auf welche Websites klickt es?"
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