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Echo: Annette Humpe und der deutsche Pop

Echo

Annette Humpe und der deutsche Pop

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    Annette Humpe wird geehrt. dpa
    Annette Humpe wird geehrt. dpa

    Augsburg Selbst den routinierten Kollegen von der Deutschen Presse-Agentur ist es wieder passiert. Zur Ankündigung der heutigen Verleihung des wichtigsten deutschen Musikpreises „Echo“ an Annette Humpe für ihr Lebenswerk schickten sie Bilder, die eine adrette Frau Humpe am Mikrofon zeigten. Nur zeigten sie leider die jüngere Schwester Inga, die die hübschere der beiden ist, eine solche Auszeichnung aber nicht verdient hätte. Inga hat viele schöne Lieder gesungen mit ihrer sexy gehauchten Stimme, in den vergangenen Jahren zumeist für ihr Projekt „2raumwohnung“. Annette aber hat die deutsche Popmusik entscheidend geprägt.

    Natürlich haben die Schwestern ihre Karrieren gemeinsam begonnen, bei den „Neonbabies“, vor allem aber bei „Ideal“. Doch schon die Arbeitsteilung bei Hits wie „Blaue Augen“ zeichnete die spätere Entwicklung vor: Inga war schön und sang schön, Annette aber hatte den Song und den Text geschrieben, spielte Keyboard und sang eben noch mit. So war es dann auch später bei der Combo „DÖF“ und deren großem Hit „Codo“ („Ich düse, düse im Sauseschritt“), so war es bei der Zusammenarbeit als „Humpe & Humpe“.

    Annette war diejenige, die das kleinstädtische Heim ohne Fernsehen und mit viel Musik in der Kleinstadt Herdecke an der Ruhr verließ, um Komposition und Klavier zu studieren. Sie war es, die bei einer frühen USA-Reise Bands wie die „Talking Heads“ oder „Devo“ erlebte und unter deren Einfluss dem deutschen Pop einen entscheidenden Stoß in eine Richtung verpasste, die dann zur Neuen Deutschen Welle wurde.

    Die prägende Kraft im Hintergrund

    Und sie war es auch, die für Rio Reiser den „König von Deutschland“ schrieb, Hits für Udo Lindenberg, „Die Prinzen“ und viele andere. 1990, nach dem Misserfolg mit einer Solo-Platte, hatte sie es aufgegeben, auch noch selbst zu musizieren und auf der Bühne zu stehen. Sie schrieb nur noch für andere, wurde und blieb die erfolgreichste deutsche Musikproduzentin.

    Inzwischen ist Annette Humpe das seit 30 Jahren. Aktuell hat sie zum Beispiel Lieder zum neuen Album von Annett Louisan beigetragen, ebenso zum neusten Werk von Max Raabe, das sie auch produziert hat. Dass das normalerweise kaum jemand zur Kenntnis nimmt, ist ihr wohl nur recht, jedenfalls ist ihr das Gegenteil offenkundig unrecht. Als Annette Humpe nämlich 2004 wieder eine Band gründete und anfangs mit dem Sänger Adel Tawil als „Ich & Ich“ auch auf die Bühne ging, entschied sie sich angesichts des immer größeren Erfolgs für einen weiteren Rückzug. Zu viel Aufregung für sie, die sich ohnehin nie für eine gute Sängerin gehalten hat, immer lieber prägende Kraft im Hintergrund als Frontfrau war. Und zudem wollte sie sich ersparen, dass die Leute irgendwann fragen würden, was die Alte denn noch auf der Bühne wolle.

    Dass sie nun einen Echo für ihr Lebenswerk bekommt, dazu sagte Annette Humpe dem Focus: „Auf der einen Seite ist das eine große Ehre, auf der anderen könnte man ihn als Herausforderung verstehen, endlich mal Ruhe zu geben. Außerdem macht er ganz schön alt.“ Sie ist 60 Jahre. Und nein, sie soll keine Ruhe geben.

    Die Echo-Verleihung läuft heute Abend ab 20.15 Uhr live in der ARD.

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