Augsburg Bekomme ich, was ich verdiene? Die meisten von uns haben sich diese Frage beim Blick auf ihren Gehaltszettel schon einmal gestellt. Bei Christian Wulff muss man wohl eher andersherum fragen. Verdient er, was er bekommt? Seit gestern ist es ausgemachte Sache: Der frühere Bundespräsident hat sich in seiner zeitlich eher überschaubaren Amtszeit einen Anspruch auf Ruhebezüge von 199000 Euro im Jahr erworben. Ab sofort und lebenslänglich.
Nach Ansicht des Bundespräsidialamtes hat Wulff seine Aufgabe aus politischen Gründen aufgegeben. Das ist wichtig, denn nur dann – oder wenn gesundheitliche Probleme einen Rückzug erzwingen – sind die Voraussetzungen für die Auszahlung des Ruhegeldes erfüllt. Ehrensold nennt sich diese Altersversorgung bundesrepublikanischer Staatsoberhäupter. Und das wirft schon wieder neue Fragen auf. Erstens: Ist Kurzzeit-Präsident Wulff nach dem unwürdigen Gezerre der vergangenen Monate inklusive staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen wirklich aller Ehren wert? Und zweitens: Kann man bei einem 52-Jährigen ernsthaft von Altersversorgung sprechen?
Als der erste Bundespräsident abtrat, war er 75. Theodor Heuss hatte das reguläre Renteneintrittsalter also weit überschritten. Wulff hingegen hätte als Otto Normalverbraucher noch ein paar arbeitsreiche Jährchen vor sich. Planmäßig würde er im Alter von 66 Jahren und zwei Monaten aufhören. Man könnte dem Frührentner nun vorrechnen, dass ihm der Staat bis dahin schon weit über zweieinhalb Millionen Euro Ehrensold überwiesen haben wird. Aber hat er das verdient? "