Berlin Der eigentliche Held der FDP fehlt. Wolfgang Kubicki, Spitzenkandidat der Liberalen in Schleswig-Holstein, verbringt den Vormittag lieber im Bett, als zur Vorstandssitzung der Partei nach Berlin zu kommen, wenn man der offiziellen Darstellung vertrauen mag. „Er schläft seinen Rausch aus“, begründet Jürgen Koppelin, ehemaliger Landesvorsitzender der FDP in Schleswig-Holstein, das Fernbleiben, das die übliche Blumenstrauß-Inszenierung von Siegern bei den Berliner Parteivorstandssitzungen am Morgen nach den Wahlabenden zunichtemacht. So bleibt doch ein sichtbares Zeichen, das nicht nach Geschlossenheit aussieht.
Stattdessen unterstreicht Parteichef Philipp Rösler seinen Führungsanspruch und gibt sich redlich Mühe zu betonen, dass die FDP auf dem Weg der Konsolidierung sei. Berichten, dass ein Putsch gegen ihn geplant werde, tritt er gelassen gegenüber. „Das halte ich für substanzlos“, sagt der Vizekanzler. Das Ergebnis von 8,2 Prozent bei der schleswig-holsteinischen Landtagswahl sei „unbestritten“ das Verdienst des Spitzenkandidaten Kubicki, sagt Rösler und lobt ihn als authentische Persönlichkeit.
Der Parteivorsitzende sieht sich selbst gestärkt
Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen, wo am kommenden Sonntag ein neues Landesparlament gewählt wird, spricht Rösler von einer „hervorragenden Vorlage“. Auf die Frage, ob seine eigene Position nun stabilisiert sei, sagt der Vizekanzler: „Das auf jeden Fall.“ Auch andere liberale Spitzenpolitiker geben ihr Bestes, um die Spekulationen zu entkräften. Der stellvertretende Noch-Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Heiner Garg, sagt, es sei „geschmacklos“, nach diesem Wahlergebnis über die Personalie Rösler zu diskutieren.
Wechsel des Vorsitzenden vor der Bundestagswahl?
Mit solchen Aussagen dürften die Debatten um den angeschlagenen Parteichef Rösler noch nicht beendet sein, eher im Gegenteil – schließlich steht im nächsten Jahr die Bundestagswahl an. Davor könne es durchaus Veränderungen an der Parteispitze geben, sagte etwa der Politikwissenschaftler Carsten Koschmieder von der Freien Universität Berlin unserer Zeitung. Mit einem kurzfristigen Putsch rechnet er allerdings nicht: „Die FDP wäre schlecht beraten, wenn sie die positive Stimmung aufs Spiel setzen und eine Führungsdebatte beginnen würde.“ Rösler sei jedoch geschwächt. Die Stimmen, dass Fraktionschef Rainer Brüderle die Parteiführung übernehmen müsse, würden wohl in nächster Zeit nicht leiser werden.
Brüderle selbst betonte, dass er für den Posten des Parteivorsitzenden nicht zu Verfügung stünde. Doch zunächst wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. Mit Christian Lindner als Spitzenkandidaten, einem Rebellen ähnlich wie Kubicki.