Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Bundeswehr: Hängepartie um Penzing geht weiter

Bundeswehr

Hängepartie um Penzing geht weiter

  • |
  • |
  • |
    Verteidigungsminister Thomas de Maizière (rechts) zu Besuch auf dem Fliegerhorst Penzing. Der CDU-Politiker spricht (von links) mit dem Standortältesten Klaus Schuster, Oberst Kommodore Christian Leitges, dem Inspektor der Luftwaffe, Aarne Kreuzinger-Janik, und dem CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt (CSU).
    Verteidigungsminister Thomas de Maizière (rechts) zu Besuch auf dem Fliegerhorst Penzing. Der CDU-Politiker spricht (von links) mit dem Standortältesten Klaus Schuster, Oberst Kommodore Christian Leitges, dem Inspektor der Luftwaffe, Aarne Kreuzinger-Janik, und dem CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt (CSU). Foto: Thorsten Jordan

    Augsburg/Penzing Penzing oder Hohn – Nord gegen Süd. Die Entscheidung, an welchem Bundeswehrstandort die Transall „ausgeflogen“, sprich schrittweise ausgemustert und anschließend zerlegt werden soll, wird „im Mai oder Juni“ verkündet werden. Mit diesen Worten an die Presse grenzte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bei seinem Besuch auf dem Fliegerhorst Landsberg in Penzing die quälende Wartezeit für die Soldaten ein.

    Wer auf eine Vorentscheidung zugunsten des oberbayerischen Ortes im Süden Augsburgs gehofft hatte, sah sich enttäuscht. Gleiches gilt jedoch für das Personal des Fliegerhorsts Hohn in Schleswig-Holstein – auch im Norden war die Visite des Ministers mit hohen Erwartungen verfolgt worden. De Maizière, der zuvor hinter verschlossenen Türen mit Soldaten und Angestellten gesprochen hatte, bat um Verständnis dafür, dass er nicht konkreter werden könne: „Alles, was ich Ihnen bieten kann, ist Transparenz über die Entscheidung herzustellen. Es wird keine Mauscheleien geben.“ Unmissverständlich fiel sein Bekenntnis für die Ziele der Bundeswehrreform, also auch die Absenkung der Sollstärke der Truppe von 250000 auf maximal 185000. „Man habe keine andere Wahl“, sagte de Maizière mit Blick auf finanzielle Zwänge und die demografische Entwicklung im Lande.

    Die Situation ist verfahren: So erging der Auflösungsbeschluss für Penzing bereits 2004 unter Verteidigungsminister Peter Struck (SPD). Das Lufttransportgeschwader werde frühestens 2014 aufgelöst, hieß es damals. Dann, als klar wurde, dass die Transall doch nicht so schnell wie geplant durch das Nachfolgemodell Airbus A400 ersetzt werden kann, kam die Zusicherung aus dem Ministerium, dass Penzing mindestens bis 2020 in Betrieb bleiben würde. Doch seit dem Sommer 2011 ist das nicht mehr sicher. Zu diesem Zeitpunkt verlautete aus dem Ministerium, dass die A400 auf einem Standort konzentriert werden soll. Hintergrund ist, dass die Bundeswehr mit lediglich 40 statt, wie zunächst geplant, 60 A400 auskommen muss. Die Maschinen auf zwei Flugplätze zu verteilen sei unwirtschaftlich, hieß es.

    Die Wahl fiel auf den Fliegerhorst Wunstorf, westlich von Hannover. Damit war Hohn aus dem Rennen. Bitter für die Nordlichter, die fortan hofften, wenigstens die Transall „ausfliegen“ zu dürfen, also die Schließung bis nach 2020 hinauszögern zu können. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, in dessen Wahlkreis Penzing liegt, findet die Versuche, die Transall in Hohn zu halten, „legitim“, sieht die entscheidenden Trümpfe aber bei Penzing. Er verwies bei dem Minister-Besuch darauf, dass das Personal in Penzing bereits über die technische Ausstattung zur Zerlegung der Transall-Maschinen verfüge und auch schon Flieger verschrottet habe. Sollte Hohn den Zuschlag bekommen, wäre wohl 2016 oder ein bis zwei Jahre später in Penzing Schluss. Der Unsicherheitsfaktor liegt darin, dass angesichts diverser Lieferverzögerungen unklar ist, wann die Airbus-Flieger tatsächlich einsatzbereit sein werden.

    Die Ungewissheit unter den Soldaten und deren Familien geht indes weiter. Eine Flut von empörten Briefen an unserer Zeitung dokumentierte vor einigen Wochen Wut und Enttäuschung in Penzing und Umgebung eindrucksvoll. De Maizières Besuch brachte kaum Trost.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden