Augsburg Bayern an der Spitze - auch was die Integration betrifft. So jedenfalls deutete Sozialministerin Haderthauer die Ergebnisse der 300 Seiten starken Studie zur Integrationspolitik im Freistaat.

Augsburg Bayern an der Spitze - auch was die Integration betrifft. So jedenfalls deutete Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) gestern in München die Ergebnisse der lange erwarteten 300 Seiten starken Studie zur Integrationspolitik im Freistaat. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte sie.
Tatsächlich werden in der Untersuchung des Europäischen Forums für Migrationsstudien an der Uni Bamberg ermutigende Trends mit Zahlen unterfüttert. Danach haben 70 Prozent der Zuwanderer in Bayern eine geregelte Arbeit. "Die Erwerbsquote ist höher als in jedem anderen Bundesland", sagte die Sozialministerin. Der Mitautor der Studie, Friedrich Heckmann, erklärte dazu, dass sich eben auch bemerkbar mache, dass Bayern wirtschaftlich sehr gut dastehe. Als "effektivste" Integrationsmaßnahme würdigte er die "frühkindliche Förderung" mit Sprachkursen im Vorschulalter.
Wichtig zum Verständnis der Studie ist, dass als Migranten nicht nur Einwanderer aus der Türkei oder fernen Kulturen gezählt werden, sondern auch der österreichische Ingenieur oder der Facharzt aus dem Iran, die sich in Deutschland niederlassen. Mitgezählt werden auch Spätaussiedler, angeheiratete Ehefrauen und -männer sowie die Kinder der vielen deutsch-ausländischen Ehen, auch wenn zu Hause ausschließlich Deutsch gesprochen wird. Nur so werden manche hohe Zahlen verständlich.
Ein Schwerpunkt der Analyse liegt auf den Themen Kinderbetreuung und Bildung. Und da fällt ins Auge, dass Eltern mit Migrationshintergrund Kindergärten und Krippen immer stärker in Anspruch nehmen. Daraus folgert Haderthauer, dass "Kinder mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich vom Ausbau der Kinderbetreuung profitieren" würden. Für die Schule gilt noch immer, dass Eleven mit ausländischen Wurzeln an den Hauptschulen überrepräsentiert sind. Im Schuljahr 2007/08 waren es 60,1 Prozent - bei Schülern ohne Migrationshintergrund lediglich 28,8 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass mit 12,9 Prozent deutlich weniger ausländische als deutsche Schulabgänger (31 Prozent) die Hochschulreife erreichen.
Die Sprache als Schlüssel für Integration - ein Bild, das in der Debatte immer wieder gezeichnet wird. Und da hat sich mit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes im Jahr 2005, das Integrationskurse vorsieht, einiges getan. Seit Ende 2007 werden diese Kurse mit einer obligatorischen Sprachprüfung abgeschlossen. Weniger erfreulich ist allerdings, dass der Anteil der Teilnehmer, die dieser Prüfung nicht gewachsen sind, steigt. Waren 2007 noch 66 Prozent erfolgreich, konnten im ersten Halbjahr 2009 nur noch 58,3 Prozent eine Urkunde entgegennehmen.
Spitze ist übrigens auch Augsburg. Denn in den Grenzen der größten schwäbischen Stadt leben prozentual die meisten Einwanderer. Mit einem Anteil von 39,5 Prozent von Einwohnern mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung liegt die Fuggerstadt vor Nürnberg mit 38,3 Prozent und München mit 35,2 Prozent. Bei den Kindern sind die Zahlen noch höher: In Nürnberg haben über zwei Drittel der Kinder im Vorschulalter einen Migrationshintergrund, in Augsburg über 60 Prozent, in München knapp unter 60 Prozent.
An der Islam- und Integrationsdebatte kommt natürlich auch Haderthauer nicht vorbei. Die Ingolstädterin widersprach der These, der Islam verhindere Integration. Vielmehr müsse er als "Feigenblatt" für Einstellungen herhalten, die "unsere Kultur ablehnen". Als Beispiele nannte sie etwa Kopftücher oder den Ausschluss vom Sportunterricht. Dies habe alles nichts mit dem Islam zu tun.
Die bayerische FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß nahm die Studie zum Anlass für einen Seitenhieb auf die CSU: "Mit dem absurden Beharren darauf, dass wir kein Einwanderungsland seien, wurde auch in Bayern die Integration viel zu lange vernachlässigt." Auch sprach sich die Augsburger Bundestagsabgeordnete gegenüber unserer Zeitung dafür aus, Studien dieser Art auch nach Herkunftsländern und Religionszugehörigkeit aufzuschlüsseln.
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