Augsburg Wenn biedere Anzugträger zu beweisen versuchen, dass sie ganz tief in sich drinnen total lockere Typen sind, kann das schon mal schiefgehen. Ob Martin Lindner bieder ist, lassen wir jetzt dahingestellt. Er ist FDP-Politiker. Ein Liberaler quasi. Wie liberal, das demonstrierte der 48-Jährige nun im Fernsehen. Als ihn Moderator Benjamin von Stuckrad-Barre in seiner Sendung vor die Wahl zwischen Rotwein und einem Joint stellte, entschied sich Lindner fürs Kiffen.
Martin Lindner: Was hat der denn geraucht?
Wahnsinnig locker, oder? Na ja. Jedenfalls war der Liberale so frei und nahm einen Zug von der „Marihuanazigarette“, wie sein einschlägig vorbelasteter CDU-Kollege Günther Oettinger jenen Joint einmal nannte, den er in einer Zeit vor unserer Zeit konsumiert haben soll.
Vielleicht muss man sich an dieser Stelle einmal grundsätzlich Gedanken über Drogen und Politiker machen, vor allem liberale Politiker. Schließlich hatte erst vor ein paar Tagen FDP-Krawallo Wolfgang Kubicki eine Aussage seines Generalsekretärs Patrick Döring mit den lapidaren Worten quittiert: „Ich weiß nicht, was er geraucht hat.“
Eine Truppe von Kiffern?
Die Freien Demokraten eine Truppe von Kiffern? Sofort entstehen diese Bilder im Kopf. Parteichef Rösler, der sich zu Bob-Marley-Songs in Ekstase tanzt? Rainer Brüderle, der dem Kollegen Westerwelle überteuerten Stoff anbietet und eine Jamaika-Koalition eintütet?
Nein! So weit kommt es natürlich nicht. Der Chef der Jungen Liberalen, Lasse Becker, gab gestern Entwarnung: „Wir machen uns keine Sorgen, dass er jetzt auf die schiefe Bahn gerät“, sagte er über seinen Parteifreund Lindner.
Ein guter Zug
Die Sache mit dem Joint hält Becker übrigens für einen guten Zug. Denn nun könne der Kollege beweisen, dass Marihuana keine Einstiegsdroge sei. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung sah die Aktion nicht ganz so locker.