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Soziales: Renten unter Niveau

Soziales

Renten unter Niveau

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    Norbert Blüm im Jahr 1986: Heute ist das Sinken des Rentenniveaus sicher.
    Norbert Blüm im Jahr 1986: Heute ist das Sinken des Rentenniveaus sicher. Foto: Foto: dpa

    Augsburg Es ist wie so oft beim Thema Altersversorgung: Die gestern von der Linkspartei verbreitete Nachricht, dass das Rentenniveau im Vergleich zu den allgemeinen Löhnen bis zum Jahr 2025 um etwa zehn Prozent sinken wird, löst bei Verbänden, Medien und Parteien ein großes Echo aus. Und auch viele Arbeitnehmer beschlich vermutlich ein leicht flaues Gefühl beim Gedanken an die künftige Altersversorgung. Die Rentenfachleute reagierten dagegen mit einer Art Schulterzucken, schließlich sind die Zahlen in Expertenkreisen altbekannt und unumstritten.

    Demnach sinkt das aktuelle Rentenniveau von 50,8 Prozent bis zum Jahr 2025 auf 45,2 Prozent, wie das Bundesarbeitsministerium auf eine Anfrage der Linkspartei mitteilte. Das sogenannte Sicherungsniveau vor Steuern beschreibt das Verhältnis zwischen der Rente, die ein Durchschnittsverdiener nach 45 Jahren erhält, und dem entsprechenden Durchschnittseinkommen.

    Die Modellrechnungen des Ministeriums sagen voraus, dass das Durchschnittseinkommen mit Lohnerhöhungen von aktuell 30268 Euro auf 46700 Euro im Jahr 2025 steigen werde – insgesamt ein Plus von 54 Prozent. Die Renten werden aber wegen verschiedener sogenannter Dämpfungsfaktoren in der gleichen Zeit nur um 34 Prozent steigen. Der Abstand zwischen Löhnen und Renten wird größer, das Rentenniveau sinkt.

    „Es geht nicht um ein Absenken der Rente, sondern um ein langsameres Ansteigen“, nannte ein Ministeriumssprecher gestern diese Entwicklung. Er sprach von einem „planmäßigen Absinken“ des Rentenniveaus – und zwar bis auf 43 Prozent im Jahr 2030. Die Dämpfungsfaktoren wurden von früheren Regierungen beschlossen, mit dem Ziel, die Rentenbeiträge für Unternehmen und Arbeitnehmer nicht über 22 Prozent steigen zu lassen.

    Wer seinen Lebensstandard im Alter halten will, müsse zusätzlich privat vorsorgen, betonte der Ministeriumssprecher. Mit der sogenannten staatlich geförderten Riester-Rente soll die heutige Arbeitnehmer-Generation ihr Rentenniveau selber stabil bei über 50 Prozent halten können.

    Der Sozialverband VdK, der sich als Lobby-Organisation aktueller und künftiger Rentner versteht, forderte dagegen die Bundesregierung zu Korrekturen auf und warnte vor Altersarmut. Verbandschefin Ulrike Mascher rief die Bundesregierung auf, die Abschlagsfaktoren bei der Rentenanpassung abzuschaffen, um den sinkenden Wert der Renten zu stoppen: „Die Rentenkürzungsfaktoren wie der Riesterfaktor führen seit Jahren zu Nullrunden und Minierhöhungen bei den Altersrenten. Sie bewirken, dass die Rentenanpassung stets hinter einer positiven Lohn- und Gehaltsentwicklung zurückbleibt.“ Mascher sagte, auch bei den Rentnern müsse der Aufschwung ankommen.

    Kommenden Mittwoch hat Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen Arbeitgeber, Gewerkschaften, Experten, Parteien sowie Vertreter der Sozialverbände zum „Rentendialog“ eingeladen: Ein Hauptthema ist dabei vor allem die Vorbeugung möglicher Altersarmut künftiger Rentner.

    Selbst in der Union mehren sich in jüngster Zeit Rufe nach einer gesetzlichen Mindestrente, die etwa vom CDU-Arbeitnehmerflügel gefordert wird. „Wir sollten ein Konzept gegen Altersarmut ohne Tabus und Denkverbote besprechen“, sagte kürzlich die Vizechefin der Unions-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach. Während in der Union ein konkreter Betrag offen ist, fordern Grüne und Linkspartei eine Mindestrente zwischen 825 und 850 Euro, die deutlich über der heutigen Grundsicherung von 684 Euro läge. Zur Finanzierung fordern die Mindestrenten-Befürworter einen Verzicht auf die geplante Kürzung des Rentenversicherungsbeitrags von derzeit 19,9 Prozent.

    Die FDP lehnt dies ab und rechnete dagegen gestern vor, dass eine Senkung des Beitrags um 0,8 Prozentpunkte 100000 neue Arbeitsplätze bringen würde. (mit dpa, afp)

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