Landkreis Der Karfreitag ist ein Tag der Trauer und der Stille. Er zählt seit jeher zu den brauchtumsreichsten Tagen des Jahres. Die feierliche Ruhe im Vorfeld des Osterfestes und der Auferstehung Christi durfte und darf noch heute lediglich durch das Klappern der sogenannten „Ratschen“ oder „Rätschen“ gestört werden. Mit diesen hölzernen Resonanzinstrumenten werden die Gläubigen zwischen dem Gründonnerstag und dem Auferstehungsmorgen zu den Gottesdiensten gerufen, weil nach altem Volksglauben die Glocken über die Kartage nach Rom geflogen sind.
Mit Rätschen werden die Bürger zu den Gottesdiensten gerufen
In Mickhausen und auch in anderen Gemeinden hat sich der alte Brauch des Rätschens bis in unsere Tage erhalten. Mesner Adolf Ramminger holt die historische Holzkiste schon einige Tage vorher vom Dachboden der Pfarrkirche, damit die Ministranten am Karfreitag pünktlich loslegen können.
Die Gottesdienste am Karfreitag beginnen mit dem Beten der Kreuzweg-Andacht. Ursprünglich wurden – angefangen mit der Todesangst Jesu auf dem Ölberg bis hin zu seinem Tod am Kreuz – nur sieben Stationen betrachtet. Erst im 18. Jahrhundert brachte ein italienischer Franziskanermönch den Kreuzweg in die heute bekannte Form der 14 Stationen. Die Kreuzwege, zunächst im Freien angelegt, waren meist sehr beschwerlich zu begehen. Und da viele ältere Gläubige diese Wege kaum noch zu gehen vermochten, wurden die Stationen mit der Zeit in die Kirchen verbracht.
Weitverbreitet war in früheren Zeiten die Aufführung von Passionsspielen am Karfreitag. Aus Dinkelscherben ist folgende Begebenheit überliefert: Weil der Pfarrer im Jahre 1667 das Schauspiel vom Leiden des Herrn „zu nacht in der Pfarrkirchen nit wollen probieren lassen“, wurde ihm ein großer Mauerstein auf das Haus geworfen. Aber nicht alle Pfarrer standen dem religiösen Volksschauspiel so ablehnend gegenüber. In größeren Orten waren Passionsspiele nicht ungewöhnlich. Sie lassen sich ab 1706 in Ziemetshausen und ab 1748 in Bobingen, hier allerdings auf der Straße aufgeführt, nachweisen.
In enger Verbindung zum Passionsspiel in den Kirchen stand seit jeher die Karfreitagsprozession. Im Jahre 1683 wurde vom Augsburger Domkapitel das Gesuch Dinkelscherbens um eine „Beisteuer zur haltung der charfreytagsprozession“ abgelehnt. Die Prozessionen am Karfreitag liefen nach genau festgelegten, heute zuweilen noch in Sizilien und Spanien zu beobachtenden Regularien ab. Sie dauerten oftmals bis spät in den Abend. Die mitgeführten Fackeln und Pechpfannen beunruhigten den Obervogt in Dinkelscherben derart, dass er die Prozession mit Hinweis auf die Brandgefahr – tatsächlich sind einige Schadfeuer belegt – von höchster Stelle in Augsburg aus einstellen lassen wollte. Doch diesmal stand offensichtlich der Pfarrer auf der Seite des Volkes. Er reiste nach Augsburg und bewirkte, dass die Prozession genehmigt wurde.
In einem Physikatsbericht des Zusmarshauser Landarztes Mitte des vorigen Jahrhunderts ist folgendes zum Karfreitag vermerkt: „Am heiligen Charfreitag sind alle Kirchen mit Lampen und heiligen Gräbern geschmückt, die Fenster schwarz verhängt, und die Leute besuchen die Kirche, in tiefstes Schwarz gehüllt.“ Auf eine Brauchtumsumfrage aus dem Jahre 1908 wird in Steinekirch geantwortet: „Am Karfreitag genießt man saure Bierbrocken, Brot in Bier geschnitten, weil Jesus mit Galle und Essig getränkt wurde.“
Viele Heilige Gräber überlebten die Liturgiereform nicht
Der Brauch, am Karfreitag in der Kirche ein Heiliges Grab aufzustellen, wurde in der Zeit der Aufklärung und im Zuge der Liturgiereform fast überall abgeschafft, ja sogar verboten. Dabei errichtete man im Abendland seit dem 9. Jahrhundert Nachbildungen des Heiligen Grabes von Jerusalem. Wo kein ständiges Heiliges Grab zur Verfügung stand, baute man ab der Mitte des 16. Jahrhunderts in den Kartagen ein solches auf. Manche Orte, wie beispielsweise Ziemetshausen, stellten so prächtige Heilige Gräber auf, dass die Leute von weither zusammenströmten. Analog zu den Weihnachtskrippen besuchten die Gläubigen mit ihren Kindern die Heiligen Gräber der Kirchen. Leider überlebten nur wenige die Liturgiereform. So besann man sich in Häder vor einigen Jahren auf ein weggeräumtes Heiliges Grab und stellte es wieder auf. Als günstiger erwies sich die Situation, wenn das Heilige Grab – wie in der Pfarrkirche von Mickhausen – in einen Altar eingebaut war und das Jahr über von einem Bild verdeckt wurde.