Dass er singen kann, hat der 40-jährige Andreas Böhme vor zwei Jahren im Seniorenheim gemerkt. Der Königsbrunner arbeitet als Betreuungsassistent, bis vor vier Monaten noch im Wohnheim in der Hermann-Sohnle-Siedlung, seither in der „Albaretto Hotelresidenz 50+“ in Augsburg. Am Samstagabend aber stand er bei „Das Supertalent“ auf der RTL-Fernsehbühne vor Dieter Bohlen, Thomas Gottschalk, Michelle Hunziker – und 4,5 Millionen Fernsehzuschauern. Bekleidet mit Unterhemd und Jeans, schmetterte er dort „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehár. Und erntete begeistertes Lob und tosenden Beifall. Wir haben Andreas Böhme am Tag nach der Ausstrahlung der Fernsehshow angerufen.
Herzlichen Glückwunsch zu diesem grandiosen Auftritt! Die Show ist ja aufgezeichnet. Haben Sie sich die Ausstrahlung gestern Abend angesehen?
Böhme: Vielen Dank! Und, ja, natürlich, meine Freundin und ich saßen gestern natürlich vor dem Fernseher. Das ist schon ein komisches Gefühl, sich da selbst zu sehen und zu hören. Aber ich muss sagen, ich bin stolz auf mich, weil ich Amateur bin – ich hab´ nie irgendeine Gesangsausbildung gemacht, und abgesehen davon singe ich ja erst seit eineinhalb, zwei Jahren.
Wie haben Sie denn festgestellt, dass sie eine so gute Stimme haben?
Böhme: Eine Kollegin im Altenheim hat mich auf die Idee gebracht, mal Opern oder Operetten zu singen. Und als Betreuungsassistent bin ich ja auch dafür da, die alten Leute zu beschäftigen. Und so singe ich halt mit denen, und die freuen sich. Als es noch wärmer war, haben wir uns sogar ein paar Mal auf den Balkon rausgesetzt zum Singen, und da sind sogar die Menschen auf der Straße stehen geblieben und haben Beifall geklatscht, das war echt gigantisch.
Und was singen Sie dann?
Böhme: Also, zum Beispiel „Wien, Wien nur Du allein“, oder „Lippen schweigen“ oder „Im Prater blühn wieder die Bäume“, das ist so meine Schiene, das mag ich.
Und dann haben Sie sich gedacht: Probier ichs doch mal beim „Supertalent“...
Böhme: ...da hat mich eine der alten Damen draufgebracht, die hat gemeint, ich soll mich mal bewerben. Und ich habe gedacht, ja, ok, ich mach das einfach mal. Und dann war ich in München beim Vorcasting, das war im Mai. Das hat mich da schon gewundert, weil, ich sehe halt nicht so aus, als ob ich Operetten oder Opern singen würde. Aber die haben mich eingeladen nach Berlin, und dann war ich da mit Sommergrippe, das war im August, eben das, was man gestern im Fernsehen gesehen hat.
Warum sind Sie denn in Jeans und Unterhemd auf die Bühne gegangen?
Böhme: (lacht) Das war die Idee von denen von RTL, die wollten das so haben. Eigentlich habe ich ein blaues Hemd dabeigehabt, das hätt´ ich normalerweise angezogen. Aber wenn du bei RTL Verträge unterschreibst, musst du ein bisschen nach deren Pfeife tanzen, das ist halt einfach so. Ich habe zwar gesagt, ich will das eigentlich nicht, ich mach halt ein bisschen Sport, das sieht man eben. Aber dann habe ichs halt doch gemacht und bin da im Unterhemd raus.
Und was war das dann für ein Gefühl, da auf der Bühne zu stehen?
Böhme: Ich hab´ so furchtbar Schiss gehabt, ohne Ende, ehrlich. Aber ich bin dann einfach vorgelaufen zu diesem Stern auf dem Bühnenboden, da muss man sich hinstellen, und dann habe ich angefangen zu singen. Wenn Du das zum ersten Mal machst, das ist gigantisch, das ist eine Lautstärke da drin – da saßen ja im Publikum über 4000 Menschen.
Woran haben Sie gedacht in diesem Moment?
Böhme: Ich habe mir einen Punkt gesucht, den ich angeschaut habe, erst bei der Jury und dann irgendwo im Publikum. Weil, wenn du irgendjemandem in die Augen schaust, dann hast du verloren, dann kommst du draus. Ich hab´ irgendwie überhaupt nicht viel mitgekriegt, als ich da auf der Bühne stand, weil ich so aufgeregt war. Auch, was die Jury gesagt hat, und, dass Thomas Gottschalk mich so gelobt hat – das habe ich erst gestern im Fernsehen gesehen.
Gabs denn schon Reaktionen auf die Fernsehausstrahlung?
Böhme: Ja, meine Freunde und Bekannten haben mir die Bude eingerannt. Ich habe zig SMS-Nachrichten bekommen nach der Sendung, auch von ganz vielen aus dem Fitnessstudio. Die schreiben alle: „Wahnsinn, Du singst Operetten? Darauf wären wir ja nie gekommen!“
Und wann sehen wir Sie das nächste Mal im Fernsehen?
Böhme: Ich war so erkältet, dass ich bei diesem Battle-Singen nicht mitmachen konnte. Deshalb bekomme ich jetzt wohl demnächst einen Brief, ob ich im Halbfinale mit dabei bin. Aber ganz ehrlich: Selbst wenn das jetzt nicht mehr weitergeht bei mir bin ich trotzdem stolz auf mich, dass ich es so weit geschafft habe. Weil, es gibt Leute, die haben zehn Jahre Bühnenerfahrung, die können das einfach. Aber ich hab´ das zum allerersten Mal gemacht, vor so vielen Menschen. Und allein, dass das so gut geklappt hat, macht mich wahnsinnig stolz.
Hier gehts zum Video von Andreas Böhmes Auftritt beim Supertalent.
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