Landkreis Augsburg Schon bei der Aktion „Kirche umarmen“ haben zahlreiche Christen ihren Unmut über die von Bischof Konrad Zdarsa vorgestellte pastorale Raumplanung zum Ausdruck gebracht. Und der Widerstand geht weiter: Heute um „fünf vor zwölf“, um 11.55 Uhr, will die Initiative Bistumsreform unter dem Motto „Kirche sind wir alle – unser Weg ist Dialog“ eine Kundgebung auf dem Augsburger Domplatz halten. Gegenüber der Bistumsleitung macht sie deutlich, dass Veränderungen nur unter Mitwirkung und Mitverantwortung der Pfarreien, der Räte und Verbände Aussicht auf Akzeptanz haben.
Auch Regionaldekan und Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Großaitingen, Hubert Ratzinger, ist vor Ort. Er sagt: „Wir hoffen, dass wir nicht nur gehört, sondern auch erhört werden.“ Zusammen mit rund 100 Mitgliedern der Pfarreiengemeinschaft sowie dem katholischen Landvolk wird er an der Kundgebung teilnehmen und in einer Rede seine Sicht zu den Herausforderungen der Zukunft geben. „Wir suchen nicht den Aufstand, sondern den Dialog“, stellt Ratzinger klar.
Wie gestern berichtet, nimmt man an der Spitze der Diözese die Bewegung offenbar ernst. Pressesprecher Markus Kremser ließ aber entgegen Ratzingers Aussage verlauten: „Eine solche Veranstaltung ist dem Dialog nicht zuträglich.“
Zusammenlegung von Pfarreien, keine Wortgottesdienste mehr an Sonn- und Feiertagen in den Kirchen vor Ort, Pastoral- statt Pfarrgemeinderäte – das sind die Eckpunkte der Reform. Das jetzige Konzept mit Pfarrgemeinderäten, Kirchenverwaltung und Kirchenstiftung aber habe über Jahre „gut funktioniert“ und sei auch für die Zukunft „sehr tauglich“, hält Ratzinger dagegen. Gewählte Gremien vor Ort würden der Kirche ein Gesicht geben.
Durch die vorgesehene Reform würden sich aber engagierte Laien zurückziehen, weil die Eigenständigkeit der Pfarreien nicht mehr gewährt werde. Ratzinger: „Ich freue mich über die vielen Laien, die sich ehrenamtlich engagieren, Verantwortung für die Lebendigkeit der Pfarreien übernehmen und wichtige Dialogpartner für die Gemeinderäte, Vereine und Gruppierungen sind.“ Die Zentralisierung würde die Gefahr mit sich bringen, dass „die Anliegen vor Ort aus dem Blick verloren gehen“. Die pastorale Raumplanung könnte nur bei bestimmten Aufgaben wie der Personaleinstellung sinnvoll sein.
Dass die Reform das Angebot der Kirche nur schwächen würde, davon ist Ratzinger überzeugt. Er habe bei seiner Pilgerreise durch Frankreich viele geschlossene, verwahrloste Kirchen gesehen: „Das kann nicht unsere Zukunft sein.“ „Freude und Leid zusammen zu teilen, gemeinsam vor Ort Gottesdienste zu feiern, ist ein kostbarer Schatz, der nicht leichtfertig verspielt werden darf.“
„Überhaupt nicht in Ordnung“ findet der Pfarrer die Broschüre „2025 – Das Bistum Augsburg auf dem Weg in die Zukunft“, die von der Diözese herausgegeben und in allen Pfarreien verteilt wurde. „Schon die Aufmachung weckt falsche Vorstellungen, Missverständnisse werden dort nicht ausgeräumt, die Sorgen der Gläubigen nicht ernst genommen“, sagt er und fügt hinzu: „Das Ganze ist unehrlich.“