Das Problem ist der gefrorene Boden. Tiefe Rillen ziehen sich durch die viereinhalb Kilometer lange Strecke des Enduroparks in Augsburg-Lechhausen. Doch selbst wo die Erde im Schnee sichtbar wird, ist die Piste beinhart. „Es ist unheimlich schwierig, weil man kaum in den Rhythmus kommt“, erzählt Thomas Henning aus Vaterstetten. Der 34-jährige Enduro-Fahrer ist gestern einer von zehn Startern bei der Drei-Tage-Fahrt. Gefährlich wird es auf einer zwei Meter langen, gefrorenen Pfütze im Gelände. „Wenn du da drauf kommst, geht’s dahin“, sagt Henning, der sich eine Pause am Freitagnachmittag gönnt und heißen Tee schlürft.
Bei Sonnenschein und bitterer Kälte treten nur etwa die Hälfte der gemeldeten Fahrer mit ihren Enduro-Maschinen zum Tanz in schwierigem Gelände an. Auf grobstolligen Reifen geht es durch den Wald, über Kuppen oder ausgelegte Autoreifen. Mit den Minusgraden kommen die meisten Piloten gut zurecht. Drei Schichten hat sich Holger Kleinke aus München unter seine dicke Fahrerkluft gezogen. Nur die Füße werden kalt. Seine Beta mit 450 ccm bewegt er eher vorsichtig denn schwungvoll über den Kurs. „Der Untergrund ist gewöhnungsbedürftig, man fährt wie eine Ameise.“ Für den 42-Jährigen ist es die erste Drei-Tage-Fahrt im Winter.
Streckenposten harren in klirrender Kälte aus
Während der warmen Jahreszeit und besonders im Herbst veranstalten viele Klubs solche Rennen, doch im Winter betritt der Motorsport-Club Augsburg (MCA) Neuland. „Wir wollten mal was anderes für ganz harte Burschen bieten“, sagt der Vereinsvorsitzende Michael Ott-Eulberg. Dass die Drei-Tage-Fahrt an diesem Wochenende durch die sibirische Kälte zur wohl kältesten Motorsportveranstaltung Deutschlands wird, ist eher Zufall. Das Winterrennen erfordert einen hohen logistischen Aufwand. Für die Zeitmessung müssen doppelte Sicherheitssysteme eingebaut werden. Den Fahrern steht ein Wärmezelt zur Verfügung und während der Läufe müssen 20 Helfer und Streckenposten in klirrender Kälte ausharren. „Aber der MCA kriegt das super hin, es macht Spaß, hier zu fahren“, lobt Holger Kleinke. Sein Heimatklub MCC Reisersberg in Niederbayern verfügt zwar über eine längere Strecke als der MCA, aber Rennen zu organisieren ist schwierig: „Wir finden nicht genügend Helfer.“ Kleinke fährt nur zum Spaß. Den Gesamtsieg sichert sich der Fahrer, der in den Zeitfenstern aller drei Tage die meisten Runden schafft.
Auch Michael Ott-Eulberg dreht auf einer KTM seine Runden. Dick eingepackt kommt der Klubchef beim Ritt über die Buckelpiste ins Schwitzen. In der Fahrerbesprechung hatte er noch vor den Eisplatten gewarnt. „Und dann hat es mich prompt aufs Eis gelegt.“