Die Aufstellungen von Trainer Jos Luhukay sind wie Pralinenschachteln. Man weiß, sie sind mit Qualität gefüllt, doch man ist nie sicher, was drin ist. Auch vor dem Gastspiel am Montag bei Energie Cottbus tauschte er sein Personal kräftig aus. Fünf neue Spieler standen auf dem Spielberichtsbogen. Er hatte seine Lehren aus der 1:2-Niederlage gegen Alemannia Aachen gezogen. Knapp drei Stunden später, als Schiedsrichter Dr. Jochen Drees beim Stande von 1:1 die Partie abpfiff, stand fest – es waren die richtigen.
Dass das Wechselspiel bei den Betroffenen nicht immer auf positive Resonanz stößt, nimmt Luhukay in Kauf. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich ein Trainer bin, der seine Entscheidung auf der Basis trifft: Was ist das Beste für uns gegen einen bestimmten Gegner. Unsere Mannschaft besteht nicht nur aus elf oder zwölf Spielern, sondern aus 23. Ich mache es mir nicht leicht, aber ich weiß, dass ich das Maximale aus der Mannschaft heraushole.“
Die Zahlen geben ihm recht. Zwei Spieltage vor Saisonschluss steht der FCA mit drei Punkten Vorsprung vor dem VfL Bochum auf Platz zwei. Mit einem Sieg am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) zu Hause gegen den FSV Frankfurt würde der FCA als zweiter Aufsteiger neben Hertha BSC Berlin faktisch feststehen. Die Tordifferenz (FCA plus 21, Bochum plus 10) spricht klar für den FCA. Es wäre ein historischer Moment für Augsburg. Noch nie war der FCA erstklassig.
Luhukay ist voll und ganz auf dieses große Ziel fokussiert. Er weiß, was zu tun ist. Zwei Mal mit Köln und ein Mal mit Gladbach stieg er auf. Spätestens am 15. Mai will er mit dem FCA ein viertes Mal in die Beletage klettern. Dafür ordnet er alles unter und darum kann der sonst so umgängliche Trainer sehr unfreundlich werden. Er erinnert dabei an Ottmar Hitzfeld, der Bayern mit diesem Wechselspiel 2001 zur deutschen Meisterschaft, zum Champions-League-Triumph und zum Gewinn des Weltpokals führte.
Das Restprogramm der Aufstiegskandidaten
1. Hertha BSC Berlin; 68 Punkte: Tordifferenz + 38, Aue (A), FC Augsburg (H)
2. FC Augsburg; 62 Punkte, + 31, Frankfurt (H), Hertha BSC (A)
3. VfL Bochum; 59 Punkte, + 10, Osnabrück (A), Duisburg (H)
4. SpVgg Greuther Fürth; 57 Punkte, + 17, Bielefeld (H), Oberhausen (A), Düsseldorf (H)
5. Erzgebirge Aue; 53 Punkte, +2, Hertha BSC (H), Frankfurt (A)
Kaum einen Millimeter ist Luhukay seit dem 1. Spieltag von seiner Rotation abgerückt. Wer nicht in sein gut durchdachtes und ausgeklügeltes Konzept passt, sitzt draußen. Egal aus welchen Gründen. Da macht er auch vor gestandenen Spielern in der Mannschaft nicht halt. So fiel auch schon einmal Kapitän Uwe Möhrle aus der Startelf, weil Jan-Ingwer Callsen-Bracker besser ins taktische Kalkül passte.
Prominentester Bankdrücker war zuletzt Topstürmer Michael Thurk (34). Zuletzt stand er am 12. März bei Union Berlin beim Anpfiff auf dem Platz. Danach musste er mit einer Sprunggelenksverletzung pausieren, doch auch nach seiner Genesung stand der Routinier im Abseits. Gerade die Personalie Thurk sorgte für ein leises Grummeln in der Anhängerschaft, als der gut laufende FCA-Motor gegen die SpVgg Greuther Fürth (0:0), den Karlsruher SC (1:0) und bei der 1:2-Niederlage gegen Alemannia Aachen etwas ins Stottern kam. Selbst bei einigen Edelfans im VIP-Bereich war Luhukay nicht mehr unumstritten. Die Mehrheit der FCA-Fans allerdings und, was noch wichtiger ist, die Vereinsführung gehen Luhukays geraden Weg ohne Wenn und Aber mit.
Aber egal, was vorgefallen ist, Luhukay belohnt auch Anstrengungen. So stand Thurk am Montag wieder in der Startelf. Der war schon etwas überrascht: „Ich habe es erst kurz vor dem Spiel erfahren, dass ich spielen darf. Ich freue mich immer, wenn ich auf dem Platz stehe.“
Und Thurk rechtfertigte seine Nominierung. In der 14. Minute wurde er im Energie-Strafraum gefoult. Den fälligen Elfmeter verwandelte Nando Rafael zur 1:0-Führung (16.). Auch der war nach seiner schöpferischen Pause stark verbessert. Warum es am Ende nach dem 1:1 (52.) durch Emil Jula nicht zum Sieg reichte, erklärte Thurk so: „Wir waren nach einer halben Stunde nur darauf beschränkt, zu verteidigen. Das ist nicht gut. Wir waren nicht mehr wach genug und hatten dadurch auch keine Entlastung mehr. Dann musst du froh sein, wenn du einen Punkt mitnimmst.“
Damit kann Thurk aber gut leben. Gegen Frankfurt soll nun alles klargemacht werden: „Wir brauchen jetzt aus zwei Spielen drei Punkte, dann sind wir sicher aufgestiegen. Ich habe auch schon Pferde kotzen sehen und schon viel erlebt in Sachen Aufstiegskampf. Aber ich gehe davon aus, dass wir die drei Punkte am Sonntag holen werden.“
Darum forderte Torhüter Simon Jentzsch noch am Montag von allen Spielern: „Wir müssen jetzt alle persönliche Eitelkeiten vergessen.“ Michael Thurk hat dies für sich verinnerlicht: „Ich trainiere gut und habe es mir verdient, dass ich spiele. Ich versuche für die Mannschaft alles zu geben. Wir haben ein Ziel – den Aufstieg. Die Türe steht weit auf. Jetzt müssen wir nur noch durchgehen.“ Am besten schon am Sonntag.