Die Stadt Augsburg hat schon einmal für den möglichen Klassenerhalt des FC Augsburg vorgesorgt. Sie rechnet im Fall des Falles mit spontanen und umfangreichen Feiern in der Augsburger Innenstadt rund um den Rathausplatz und der Maxstraße. Darum hat sie vorsorglich eine Verordnung erlassen. Friedlich Feiernde heißt sie herzlich willkommen, doch dürfen weder Gläser, Flaschen noch ähnlich gefährliche Gegenstände in die Partymeile mitgenommen werden. Die Stadt hat aber ein kleines Problem.
Noch steht nicht fest, wann der FCA überhaupt nach dem Aufstieg auch den Verbleib in Deutschlands höchster Liga feiern kann. Und darum hat die Stadt die Verordnung gleich einmal für den 28. April und den 5. Mai erlassen. Das sind die beiden letzten Spieltage in der Bundesliga. Der Abstiegskampf ist noch nicht entschieden, auch wenn der FCA die mit Abstand beste Ausgangslage hat. Vier Punkte und eine um 16 bessere Tordifferenz beträgt der Vorsprung auf den 1. FC Köln, der derzeit auf dem Relegationsplatz steht. Sechs Punkte (plus zehn Tore) sind es auf Hertha BSC. Alles bestens also? Für viele Fans ist der Klassenerhalt schon in trockenen Tüchern. Aber dem ist noch nicht ganz so. Es gibt sogar noch die kleine, fast undenkbare Möglichkeit, dass der FCA, wenn alles gegen ihn läuft, doch noch auf Rang 17 abrutscht.
Daran verschwendet zwar in diesen Hochdrucktagen keiner einen Gedanken, aber trotzdem werden sie beim FCA auch nicht müde, vor dem Gastspiel am Samstag bei Borussia Mönchengladbach die schon langsam anschwellende Feierlaune im Umfeld noch etwas zu deckeln. „Solange es rechnerisch möglich ist, sind wir noch nicht durch. So einfach ist es“, sagt Torhüter Simon Jentzsch. FCA-Trainer Jos Luhukay macht eine einfache Rechnung auf: „Wir brauchen noch drei Punkte. Entweder am Samstag oder dann beim letzten Heimspiel gegen den Hamburger SV.“
Sebastian Langkamp, der Held der letzten beiden Spiele – er sorgte mit seinen Treffern in Wolfsburg (2:1) und gegen Schalke 04 (1:1) für das kollektive Hochgefühl rund um die SGL-Arena –, will es so weit gar nicht kommen lassen. „Natürlich wird es ein ganz, ganz schwieriges Spiel, Gladbach kämpft um die direkte Qualifikation zur Champions League. Aber wir haben es am Samstag selbst in der Hand und wollen die Chance auch nützen.“
Derzeit blicken Bayerisch-Schwaben und das Rheinland auf den Zweikampf FCA (15.) und Köln (16.). Fast alle Hochrechnungen, Mutmaßungen und Tippspiele beschäftigen sich damit, wie dieses Duell um den einen, den so wichtigen Nichtabstiegsplatz 15 ausgeht.
Doch dabei wird vergessen, dass Hertha BSC an beiden Vereinen noch vorbeiziehen könnte. Sollte zum Beispiel der FCA deftig in Gladbach und dann auch noch zu Hause gegen den HSV verlieren, wäre Berlin mit zwei hohen Siegen auf Schalke und zu Hause gegen Hoffenheim plötzlich am FCA vorbeigezogen. Würde dann auch noch Köln zwei Siege holen, wäre der FCA plötzlich 17.
Daran verschwendet selbst der scheidende Manager Andreas Rettig, der immer zu den Mahnern gehörte, keinen Gedanken. Er soll seine Weggefährten zu seiner Abschiedsfeier kurz nach dem letzten Spieltag eingeladen haben. Er soll aber auch gebeten haben, das Wochenende zwei Wochen später freizuhalten. Dann ist die Relegation gespielt. Am einfachsten wäre es, der FCA gewinnt in Gladbach. Dann könnte gleich die Party in der Maxstraße beginnen.