Stephan Hain hätte bei Pep Guardiola, dem Trainer des großen FC Barcelona, sicherlich einen großen Stein im Brett. Der Barca-Coach achtet streng darauf, dass seine Stars zum Training nicht mit Luxuskarossen, sondern mit ihren Kleinwagen kommen. Einen Nobelwagen besitzt der junge Stürmer gar nicht, er ist seit Jahren mit einem kleinen Japaner zufrieden. Auch wenn er demnächst sein Bisheriges, in die Jahre gekommenes Gefährt gegen einen neuen Audi A1 eintauschen wird, für Stephan Hain ist das Auto kein Statussymbol, sondern Mittel zum Zweck. So ist er, der gebürtige Zwieseler, im Privatleben sympathisch und sehr bescheiden. Er steht ungern im Mittelpunkt, Starallüren sind dem 23-Jährigen fremd.
Doch in den Herzen der Augsburger Fußballfans wird Stephan Hain wohl für immer und ewig einen besonderen Platz einnehmen. Er hat ihnen den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte beschert. Der junge Profi war es, der am 8. Mai dieses Jahres mit seinem 2:1-Siegtor gegen den FSV Frankfurt den FC Augsburg in die erste Bundesliga schoss und mit diesem Volltreffer eine ganze Region in einen kollektiven Freudentaumel versetzte. „Die ganzen Festlichkeiten in der Stadt waren ein tolles Erlebnis, mit dieser Begeisterung habe ich nicht gerechnet“, schwärmt Hain heute immer noch von den Mai-Feiertagen.
Lediglich ein Spiel in dieser Saison
In den vergangenen Monaten wurde es allerdings ziemlich still um den jungen Aufstiegshelden. Ein Saisonspiel steht bisher in seiner persönlichen Statistik, bei der Premiere gegen den SC Freiburg wurde er in der 76. Minute für Lorenzo Davids eingewechselt. Denn danach kam es für den Kicker, der 2006 von der SpVgg Ruhmannsfelden nach Augsburg wechselte, knüppeldick. Erst setzte ihn ein Muskelfaserriss außer Gefecht, dann kollidierte er Mitte September im Training mit seinem Teamkollegen Jan-Ingwer Callsen-Bracker. „Außenband schwer gedehnt, Meniskus eingerissen“, lautete die Diagnose.
Statt auf den Trainingsplatz an der Donauwörther Straße fuhr Stephan Hain in den vergangenen Monaten in das Rehazentrum der Hessingpark-Clinic in Göggingen. Täglich vier, fünf Stunden hatten ihn dort die Therapeuten unter ihren Fittichen.
Für den ehrgeizigen Jungprofi eine schwere Zeit. Die er allerdings auch dazu nutzte, sein BWL-Studium an der Uni voranzutreiben. Er besuchte die eine oder andere Vorlesung. Die Heimspiele seiner Kollegen beobachtete er im Stadion, auswärts sah er dem Team am Bildschirm zu. „Obwohl uns Punkte fehlen, hat sich die Mannschaft bisher sehr ordentlich verkauft“, ist er mit der Zwischenbilanz sehr zufrieden.
Seit rund drei Wochen trainiert der Angreifer wieder mit seinen Kollegen. „Er ist für uns ein sehr wichtiger Spieler“, sagt Jos Luhukay. Der Trainer weiß, was er am dienstältesten Profi in seinem Kader hat. Am Samstag macht sich der FCA-Tross auf den Weg nach Gelsenkirchen zum Spiel beim FC Schalke 04. Stephan Hain wird wohl in den Westen mitfahren. Vielleicht darf er sogar spielen.