Steril war es in den Katakomben der Impuls-Arena, als der FC Augsburg dort einzog. Für Jos Luhukay, den Trainer der FCA-Profis, zu farblos und zu eintönig. Vor dem Pokalspiel gegen Köln hat sich das geändert. Von Herbert Schmoll

Wie es halt so ist in einem Neubau: Die Wände sind noch kahl und leer, darin gute Stimmung zu verbreiten ist gar nicht so einfach. So oder ähnlich dachte auch Jos Luhukay, als er mit seiner Mannschaft im vergangenen Sommer vom Rosenaustadion in die Impuls-Arena umzog. Steril war es in den Katakomben des Stadions, für den Trainer der FCA-Profis zu farblos und zu eintönig.
Luhukay wollte diese Tristesse nicht länger hinnehmen, "die Spieler sollen sich an ihrem Arbeitsplatz doch wohlfühlen". Und hatte die Idee, Bilder von allen Spielern im Zugangsbereich zur Kabine aufzuhängen. Gesagt, getan!
Trainer und andere Verantwortliche suchten die Motive aus. Positives sollten sie ausstrahlen, Spieler beim Torjubel ("da sieht man die Gruppendynamik"), einen Tormann, der seine Vorderleute gerade dirigiert. Keine gestellten Bilder, sondern authentische Aufnahmen. Die Fotos wurden gerahmt, Stadionmitarbeiter hängten sie auf. Vor der sehr erfolgreichen Pokalpartie gegen den 1. FC Köln. Ein gutes Omen?
"Es sind sehr schöne Bilder", lobte Luhukay auch die Fotografen. Allerdings wollte er mit den Aufnahmen aller Spieler aus dem Augsburger Profikader auch noch etwas anderes bezwecken. Er wollte für zusätzliche Motivation bei seinen Spielern sorgen. "Sie sollen sehen, dass wir eine Einheit sind, auch von unserer Dynamik in der Gruppe leben."
Einer muss sich auf den anderen verlassen können. Auf und auch außerhalb des Rasenrechtecks. "Wir leben trotz der individuellen Klasse des einen oder anderen Spielers von unserem Kollektiv", trichtert der Fußball-Lehrer seinen kickenden Schülern immer wieder erfolgreich ein.
Die Bilder sollen dies untermauern. Die Zeiten der lautstarken Kabinenpredigten durch die Übungsleiter sind vorbei, gehören heute wohl nur noch zu den großen Ausnahmen. Auch Zuckerbrot und Peitsche, die Methode, die der legendäre Meistermacher Max Merkel in den 1960er Jahren mit dem TSV 1860 München und dem 1. FC Nürnberg erfolgreich praktizierte, gehört bei den modernen Trainern nicht mehr zum Arbeitsstil.
Innerhalb der Mannschaft wird diese Bildergalerie am Arbeitsplatz sehr positiv aufgenommen. So sagt Uwe Möhrle: "Wir waren alle überrascht, als wir die Aufnahmen sahen." Der Kapitän fügt an: "Eine gute Idee." Überhaupt, Motivation sei eine der großen Stärken des Augsburger Trainers. Und Möhrle gewährt zumindest einen kleinen Einblick hinter die Kulissen: "Dort wird der Ton des Vorgesetzten schon mal rauer, da ist er nicht immer der nette Herr Luhukay wie im privaten Umgang."
Privat war Luhukay auch am Montagabend unterwegs. Er saß im Zug von seinem Heimatort Venlo nach Augsburg, sodass er den 3:0-Erfolg des 1. FC Kaiserslautern gegen den FC St. Pauli nicht sehen konnte. "Das Ergebnis überrascht mich nicht."
Nur noch zwei Punkte beträgt der Rückstand des FC Augsburg (44 Pkt.) auf den zweiten FC St. Pauli. Luhukay will den Fokus aber nicht zu sehr auf die Konkurrenten legen: "Wenn wir jede Woche unsere Spiele gewinnen und punkten, dann werden wir irgendwann Platz zwei so oder so angreifen." Der FCA blickt eben am liebsten auf sich selbst. Von Herbert Schmoll
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