Der FC Augsburg hat ein Zuschauerproblem. Seit 27 Jahren. Der Zweitligist muss bei seinen Fans um eine verlorene Generation kämpfen. Von Tilmann Mehl Von Tilmann Mehl

Der FC Augsburg hat ein Zuschauerproblem. Seit 27 Jahren. Nach der Saison 1982/83 stieg der Verein aus der zweiten Bundesliga in die Bayernliga ab. Es folgten 23 Jahre ohne Profifußball. 23 Jahre, in denen die Fans nicht in Scharen in die Rosenau gelaufen sind. Das ist eine Generation. Um diese Generation kämpft der FC Augsburg noch heute.
Als der Zweitligist zu Beginn der Spielzeit in die neue Impuls-Arena umzog, sollte eine neue Zeitrechnung beginnen. Die Augsburger hatten sich in der zweiten Liga etabliert, das neue Stadion sollte Zuschauer anlocken. Als die Fans ausblieben, waren schnell Erklärungen gefunden. Zu Beginn der Saison spielte die Mannschaft noch nicht so erfolgreich, außerdem gab die Preisgestaltung genügend Raum für Kritik.
Die Stimmung hat sich geändert. In Augsburg, im Stadion. Der Zuschauerschnitt wurde mittlerweile auf über 17.000 gesteigert. Am Sonntag kamen gegen Paderborn 27.825 Anhänger. Möglich, dass auch das Benefizspiel zugunsten der Erdbebenopfer in Haiti für zusätzliches Interesse gesorgt hat.
Die Augsburger brauchen meinfach ein bisschen länger
Waren im restlichen Stadion noch einige Plätze frei, so war die Stehplatztribüne restlos gefüllt. Rund um den M-Block, der bereits in der Rosenau das Zentrum der eingefleischten Fans bildete, stehen sie auch in der Impuls-Arena: die Fans mit Schal, Fahne, Trikot.
Fans wie die Augsburger Marcus (30) und Norbert (29) Wiltner. Marcus besitzt in diesem Jahr zum ersten Mal eine Dauerkarte, hat in den vergangenen beiden Spielzeiten aber auch kein einziges Heimspiel verpasst. Sein Bruder begleitet ihn, wenn es die Arbeit zulässt. "Die Augsburger brauchen immer ein bisschen länger", begründet Marcus das langsam aufkommende Interesse am FCA.
Beide gehören zu jener Generation, um die die Augsburger kämpfen müssen. Als sie jung waren, spielte der FC Augsburg im Profifußball keine Rolle. Der M-Block wird deshalb von jungen Gesichtern geprägt - Kindern und Jugendlichen. Die Fans des FC Augsburg sind so etwas wie der Kinderchor der zweiten Bundesliga.
Ein Kinderchor, der keine Nachwuchsprobleme hat. Andreas Müller (45) schaut sich das Spiel gegen Paderborn mit seinem 12-jährigen Sohn Marcel auch auf der Stehtribüne an. Dort ist die Stimmung am größten, der Eintrittspreis am geringsten. "Das Stadion ist beeindruckend", so Papa Müller. Gerne würde er auch mal ein Spiel im Sitzen genießen. "Aber das ist zu teuer. Das ist schade, weil das Stadion deswegen auch nie voll ist."
Natürlich wird auch im Augsburger Stadion die Mutter des Schiedsrichters bezichtigt, ein leichtes Mädchen zu sein. Selbstverständlich wird auch hier der Mittelfinger gehoben. Die Fans des FCA gelten aber als friedlich. Mit seinen Fans haben die Verantwortlichen des FC Augsburg kein Problem. Sie müssen nur um eine verlorene Generation kämpfen - und sind dabei auf einem guten Weg. Tilmann Mehl
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