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19. August 2010 17:50 Uhr

Krankenhäuser nicht nur in öffentlicher Hand?

Landkreis Dillingen/Wertingen Selbst im sonnigen Süden Europas findet der FDP-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Professor Dr. Georg Barfuß derzeit keine Ruhe, wenn er an die Entwicklung der Krankenhäuser im Landkreis Dillingen denkt. Barfuß meldete sich am vergangenen Wochenende aus seinem Urlaubsdomizil in Spanien, um nochmals zu bekräftigen, um was es ihm und seiner Partei geht.

Wie bereits mehrmals berichtet, spricht sich die FDP dafür aus, einen privaten Träger mit ins Boot zu nehmen. Dieser, so Barfuß, dürfe aber nur bis zu 49 Prozent Geschäftsanteile bekommen. Damit das letzte Wort in öffentlicher Trägerschaft, sprich beim Landkreis Dillingen bleibt. "Sonst würde ich nicht mitspielen", betont der ehemalige Bürgermeister von Lauingen, der auch klar hinter dem aktuellen Geschäftsführer der Kreiskliniken gGmbH, Uli-Gerd Prillinger steht: "Er muss auch künftig auf der Kommandobrücke bleiben", betont Barfuß.

In persönlichen Gesprächen hat der FDP-Kreischef in den vergangenen Wochen Landrat Leo Schrell, den Vorsitzenden des Krankenhausausschusses, Dr. Johann Popp (Wertingen) sowie seinen CSU-Kollegen im Landtag, Georg Winter (Höchstädt), versucht davon zu überzeugen, dass eine private Teilträgerschaft von bis zu 49 Prozent große Chancen eröffnen würde, in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben. Wird man es nicht, müsse man sich darüber bewusst sein, dass das Zentralklinikum in Augsburg sowie die Krankenhäuser in Donauwörth, Günzburg und Heidenheim mittelfristig Patienten bekommen, die zur Zeit noch eher nach Dillingen oder Wertingen in Behandlung gehen, warnt Barfuß.

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Einen privaten Träger zu finden, der 49 Prozent und nicht mehr Geschäftsanteile erhalten soll, das ist nach Ansicht von Barfuß zwar nicht leicht, aber machbar: "Ich helfe bei der Suche gerne mit und bin mir sicher, zum Erfolg zu kommen", gibt sich der 66-Jährige optimistisch.

Warum all die Initiativen, wenn es zuletzt gute Nachrichten über die Entwicklung der Krankenhäuser in Dillingen und Wertingen gegeben hat? "Wir müssen uns noch besser aufstellen und weiter investieren", macht sich Barfuß Sorgen, dass die beiden Häuser im Landkreis den höchstmöglichen medizinischen Standard schon bald nicht mehr anbieten können. Investieren könne der Landkreis aufgrund der finanziellen Situation nicht, ein privater Träger sei dazu aber in der Lage. Natürlich, so Barfuß, sei ein privates Unternehmen darauf bedacht, bei einer Teilträgerschaft schwarze Zahlen zu schreiben, um Gewinne einfahren zu können. Bei 51 Prozent Geschäftsanteilen würde aber auch der Landkreis gut verdienen, betont der Vorsitzende auch in Richtung seines Vize Bruno Hempel.

Der Wertinger FDP-Stadtrat hat sich in den vergangenen Wochen vehement gegen eine Privatisierung der beiden Krankenhäuser ausgesprochen und bereits mit einem weiteren Protestmarsch gedroht. So wie im März 2008, als über 4000 Menschen vom Wertinger Marktplatz zum Krankenhaus marschierten, um gegen die geplante Schließung der Geburtshilfe am Krankenhaus in der Zusamstadt zu protestieren. Für Barfuß steht die Schließung der Geburtshilfe in Wertingen auch bei einer möglichen Teilprivatisierung nicht zur Disposition. "Kinder müssen auch in Zukunft in Wertingen geboren werden", beruhigt der Kreisvorsitzende seinen Stellvertreter Hempel.

Barfuß sieht die Wertinger Klinik in Zukunft als das Haus im Dillinger Kreis, in der neben dem Kinderkriegen verstärkt die Spezialmedizin zum Zug kommen soll. Im Dillinger Krankenhaus müsse neben der Geburtshilfe die medizinische Grundversorgung gewährleistet werden, schlägt der Kreisvorsitzende der Liberalen vor. Und auch seine Heimatstadt Lauingen bringt der ehemalige Bürgermeister von der zweitgrößten Stadt im Kreis Dillingen wegen einer strukturellen Veränderung ins Spiel: "In Lauingen wäre genügend Platz für eine funktionierende Geriatrie", so der FDP-Politiker.

So detailliert wie Georg Barfuß seine Pläne gegenüber unserer Zeitung schilderte, hat sie der Ortsvorsitzende der Wertinger FDP, Stadtrat Bruno Hempel, bisher noch nicht vernommen. Sobald er in jüngster Vergangenheit etwas über eine Teilprivatisierung hörte, torpedierte der Kreis-Vize der FDP die Vorstellungen seines Parteikollegen Barfuß. Diese Woche im Ungarnurlaub durch unsere Zeitung mit den Details des Kreischefs konfrontiert, waren Hempels Bedenken gegenüber den Plänen von Barfuß zwar nicht wie weggeblasen, Konfrontation aber hört sich anders an. "Wenn all die Dinge hundertprozentig so umgesetzt würden, dann wäre dies sicherlich ein Modell für die Zukunft", gesteht der Wertinger Stadtrat. Allerdings hat Hempel Zweifel, ob sich ein Investor finden lässt, der auf all die von Barfuß genannten Forderungen eingeht. Auf zwei Dinge käme es Hempel bei einer Teilprivatisierung besonders an: Wie viel bezahlt ein Investor an den Landkreis, wenn er mit ins Boot genommen wird, und welche Auswirkungen würde dies im Falle einer Einigung auf das Personal in den Krankenhäusern haben? Gut möglich, dass sich darüber Barfuß und Hempel demnächst bei einem Gläschen Wein gemeinsam die Köpfe zerbrechen. Wobei dann auch noch taufrische Urlaubserlebnisse aus Spanien und Ungarn ausgetauscht werden könnten...

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