Donnerstag, 18. Januar 2018

07. Dezember 2010 06:36 Uhr

Mit der Weldenbahn fand der Holzwinkel Anschluss an die Welt

Neusäß/Welden Als der Holzwinkel tatsächlich noch ein rauher Forst war, bis vor gut 100 Jahren, irrte der Husar Georg Platzer einmal drei Tage und Nächte durch die Wälder, bis er wieder herausfand. Der Fußmarsch von Welden nach Augsburg dauerte sieben Stunden - abgeschnitten waren der Holzwinkel und seine Bewohner somit von der Industrialisierung, die zu der Zeit in Augsburg längst boomte.

i

Bis die Weldenbahn 1903 kam. Nun konnte auch ein Bauernknecht Textilarbeiter werden oder ein Bürgerssohn nach Augsburg aufs Gymnasium gehen und jeden Tag mit dem Bähnle in eineinhalb Stunden in die zuvor so weit entlegene Stadt gelangen - eine Revolution. Gut 80 Jahre dauerte diese technische Errungenschaft, dann war auch sie wieder altes Eisen. 1986 schon fuhr keine Weldenbahn mehr, ganz einfach, weil keiner mehr mitfuhr. Allein die Trasse ist noch vorhanden und erhöht heute zumindest den Freizeitwert der Region. Solch einen ebenen Weg für leichte Radtouren oder zum Inlineskaten gibt es im Landkreis kein zweites Mal.

Es war Prinz Luitpold von Bayern, der den Bau des Bähnles im Jahr 1900 schließlich erlaubte. Die Investitionssumme, knapp 1,3 Millionen Mark, durfte der Staatsminister der Finanzen als Kredit aufnehmen. Bauherr war die bayerische Staatsbahn. Schon seit 1895 hatte man sich im Holzwinkel um den Bau der Bahn bemüht, hauptsächlich um den Hauptexportartikel dieser Region, eben das Holz, nicht mehr mit Pferdefuhrwerken abtransportieren zu müssen.

ANZEIGE

Damals wie heute hatte solch ein Großprojekt nicht nur Freunde. Namentlich in Adelsried forderten die Bürger Entschädigung. Eine große Menge ihrer Obstbäume hatte gefällt werden müssen. Ärger gab es auch in Horgau. Der Bahnhof der Gemeinde lag etwa zwei Kilometer außerhalb. Das sei nicht anders zu machen, schrieb die bayerische Staatsbahn an den damaligen Bürgermeister Maier, bei einer Führung der Trasse durch den Ort ergebe sich eine "sehr lästige Mehrlänge von über einem Kilometer, eine den Betrieb verteuernde größere Steigung und einen nicht unerheblichen Mehraufwand an Baukosten".

Gleisarbeiter hatten wenig mehr als ihre Spaten zur Verfügung

Wenig bekannt ist über die Arbeiter, die in nur drei Jahren, zumeist mit wenig mehr als mit Schaufeln in der Hand, die mehr als 20 Kilometer lange Strecke aus dem Boden stampften. Doch dann, im Dezember 1903, konnte die Bahn ihren Betrieb aufnehmen. Oberlokführer Franz Ortinghorn war einer von jenen, die viele Jahre lang nach Welden gefahren sind.

Ihre Hochzeit erlebte die Weldenbahn in den 1920er Jahren. Damals entstand in Horgau Bahnhof das bis vor Kurzem bei den Augsburgern noch so beliebte Waldcafé. Der Ausflug mit dem Bähnle begann damals schon im Augsburger Hauptbahnhof als unabsehbares Abenteuer: Nur wenn die Fahne gehisst war, fuhr die Bahn auch.

Freilich machte die Weldenbahn auch schwere Zeiten mit. Dazu gehört das schwere Unglück im Bahnhof Streitheim. Hier entgleiste im September 1922 eine Lok mit fünf Waggons. Lokführer und Heizer konnten nicht mehr rechtzeitig abspringen und wurden erdrückt. Nur wenige Monate später kam es hier zu einem weiteren Unfall, der diesmal jedoch glimpflich ausging. 22 Menschen starben, als im Zweiten Weltkrieg der Bahnhof in Aystetten bombardiert wurde.

Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg ging es mit der Weldenbahn bergab. In Adelsried gab es inzwischen eine Autobahnauffahrt und 1949 auch eine Buslinie von Welden nach Augsburg. 1986 kam das Aus - wirtschaftlich war die Weldbahn schon lange nicht mehr.

Forschung Grundlage für diesen Artikel sind Forschungen von Hauptschülern aus der Pferseer Hans-Adlhoch-Volksschule, die 1984 eine Broschüre zur Weldenbahn erstellt haben.

i

Ihr Wetter in Wertingen
17.01.1817.01.1818.01.1819.01.18
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Schneeschauer
	                                            Wetter
	                                            Schneeregen
                                                Wetter
                                                Schneeschauer
Unwetter1 C | 3 C
2 C | 7 C
-1 C | 5 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Ein Artikel von
Jana Tallevi

Augsburger Allgemeine Land
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg Land

Anfang vom Ende

Top-Angebote

Alle Infos zum Messenger-Dienst
Bauen + Wohnen

Unternehmen aus der Region

Veranstaltungen vom 18.01.2018

Partnersuche