Wertingen/Laugna Als Hartmut Dauner seinen ersten Hasen geschossen hat, war er zwölf Jahre alt. Damals, auf jugendlicher Pirsch, reizte ihn das Abenteuer. Heute absolviert er als Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung für die Region Augsburg, als Leiter des städtischen Forstamtes Augsburg und als Betriebsleiter des fürstlich und gräflich fuggerschen Stiftungsforstamtes Laugna eine 60-Stunden-Woche. Nur am Rande hat er als solcher mit Hasen zu tun. Seine jugendlich-stürmische Einstellung zu Tieren in Wald und Feld hat sich aber geändert.
Herr Dauner, gehen sie noch immer auf die Pirsch?
Hartmut Dauner: Ja, natürlich, ich habe neben meinem Beruf und vielen Ehrenämtern auch das des Regierungsjagdberaters für Schwaben inne. Insofern habe ich es neben dem Forst auch mit der Jagd zu tun. Und ich habe die städtische Jagd zwischen Rieblingen und Asbach gepachtet. Zudem bejage ich das Gemeinschaftsjagdrevier zwischen Laugna und Emersacker mit. Als Verwalter der fuggerschen Stiftungen betreue ich Jagden von 7000 Hektar Fläche. Wir legen fest, wer wo auf die Jagd geht, wir vergeben Pirschbezirke, sagen, wie gejagt wird und planen Abschüsse bei Reh- und Damwild. Dabei sehen wir das Wild als Geschöpf der Natur – nicht nur als Schadwild. Wir legen ungeheuerliche Maßstäbe an – jede Kreatur hat ihre Existenzberechtigung.
Gilt das auch für den Osterhasen? Darf man auf den schießen?
Dauner: Die Jagdzeit für Hasen ist begrenzt von 15. Oktober bis Ende Dezember. Hasen werden aber kaum noch gezielt bejagt, nur wenn der Bestand 20 Tiere pro 100 Hektar umfasst. Der Bestand geht aber seit den 70er Jahren überall wegen der intensiven Landwirtschaft sehr zurück. Oft wird der erste Wurf der Hasen im März komplett vernichtet. Da bleibt nichts von Lebewesen übrig, wenn auf Feldern und Wiesen die landwirtschaftlichen Geräte im März und April anrücken.
Ist also nicht der wilde Jäger, wie im Struwwelpeter-Buch, sondern die Landwirtschaft der Feind des Hasen?
Dauner: Es ist die Technisierung der Landwirtschaft und der restlichen Welt. Das Leben auf Äckern und Wiesen ist nicht mehr existent. Denken sie an die Gülleausbringung, den intensiven Maisanbau oder die Wiesen, die schon Ende April geschnitten werden. Das ist wie eine Schlacht für das Niederwild, also nicht nur für Hasen, sondern auch für andere Kleintiere. Danach kommt nur noch das Bestattungskommando, der Fuchs und die Krähen. Auch der Straßenbau vernichtet den Lebensraum der Tiere, viele werden überfahren. Es gibt immer weniger Niederwild, dafür umso mehr Raubwild. Für Füchse und Krähen hat sich der Lebensraum im Gegensatz zum Hasen verbessert. Die finden überall einen reich gedeckten Tisch.
Gibt es denn noch Hasen in unserer Gegend?
Dauner: Im Umfeld von Wertingen wurden letztes Jahr relativ viel Hasen geschossen. Auch das Donauried, das Ries und das Lechfeld sind Hasengebiete. Der Hasenbesatz ist immer Schwankungen unterworfen. In feuchten, nassen Jahren grassieren Krankheiten – Hasen brauchen Sonne und Bodenwärme – auch das dezimiert die Tiere. Das wird aber oft wieder ausgeglichen durch die Fruchtbarkeit. Hasen bekommen drei- bis viermal im Jahr ein bis sechs Junge. Nicht umsonst ist der Hase ein Fruchtbarkeits-Symbol. Deshalb wohl auch seine Bedeutung als Osterhase.
Sind Hasen nicht auch sehr schlaue Tiere?
Dauner: Der Hase ist ein Fluchttier und hat sehr viele Techniken entwickelt, seinem Feind zu entgehen. Er schlägt Haken und macht drei bis vier Meter hohe Sätze, er kann bis zu 80 km/h erreichen, wenn er flieht. Hasen sind Meister im Täuschen. Bei bestimmten Witterungsverhältnissen drückt er sich vor dem Jäger davon.
Was können Jäger und Forstleute denn tun, um den Hasenbestand zu retten. Hilft vielleicht ein Jagdverbot?
Dauner: Der Schutz durch Enthaltung bei der Jagd bringt gar nichts. Wenn eine gewisse Hasendichte da ist, kann man abschöpfen. Wenn der Hase nicht bejagt wird, hat man auch nicht mehr Hasen. Denn die Dezimierung erfolgt durch die veränderten Lebensbedingungen. Die eigentlichen Hasenjäger sind, wie gesagt, die Füchse, deren Bestand wächst. Und der Verkehr und die Landwirtschaft. Aber die Hasen werden nicht aussterben, weil sie so fruchtbar sind. Warum feiern wir Ostern?