AKW Brokdorf muss vom Netz: Das deutsche Atomkraftwerk Brokdorf ist am Mittwoch wegen fehlerhafter Teile an den Brennelementen vom Netz genommen worden.
AKW Brokdorf ist abgeschaltet worden
Das teilte das Justizministerium in Kiel und der Betreiber, der Energiekonzern Eon, mit. Es bleibe voraussichtlich bis Freitag abgeschaltet, sagte eine Eon-Sprecherin auf Anfrage. Bei der Inspektion von Brennelementen aus dem Lagerbecken seien einzelne gebrochene Niederhaltefedern entdeckt worden.
Brennelemente: Acht Niederhaltefedern
Die Brennelemente verfügten über jeweils acht Niederhaltefedern. Sie sollen ein Abheben von Brennelementen beim Betrieb der Anlage verhindern. Die Brennelemente würden hauptsächlich durch ein unteres und ein oberes Gerüst gehalten, erläuterte die Eon-Sprecherin.
Diese Atomkraftwerke werden in Deutschland betrieben
Wo stehen welche Atomkraftwerke in Deutschland, wer betreibt sie und wann werden oder wurden sie abgeschaltet? Eine Übersicht:
Das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein wird von E.ON betrieben. Baubeginn war im Januar 1976, im kommerziellen Betrieb ist das AKW seit Dezember 1986. Brockdorf ist ein Druckwasserreaktor und soll 2021 abgeschaltet werden.
Das Kernkraftwerk Isar liegt nahe Landshut und wird von E.ON betrieben. Isar/Ohu 1 ist ein Siedewasserreaktor. Bauzeit war von 1972 bis 1979. Isar/Ohu 2 ist ein Druckwasserreaktor und ging nach sechsjähriger Bauzeit im April 1988 ans Netz. Isar 2 soll im Jahr 2022 abgeschaltet werden. Der Atommeiler Isar 1 wurde bereits im August 2011 vom Netz genommen.
Das Atomkraftwerk Philippsburg steht im Landkreis Karlsruhe (Baden-Württemberg). Betreiberin ist die EnBW. Philippsburg 2, ein Druckwasserreaktor, ging nach achtjähriger Bauzeit 1985 in den kommerziellen Betrieb, der Siedewasserreaktor Philippsburg 1 im Jahr 1980. 2011 wurde Philippsburg 1 vom Netz genommen.
Das Kernkraftwerk Grohnde (KWG) ist ein Druckwasserreaktor und steht im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Betreiben wird es von der Firma E.ON. Baubeginn für Grohnde war im Jahr 1986, Betriebsstart 1985, Ende soll 2021 sein.
Das Kernkraftwerk Emsland in Niedersachsen wird von RWE betrieben. Es wurde in den Jahren 1982 bis 1988 gebaut. In Betrieb bleiben soll der Druckwasserrreaktor bis zum Jahr 2022.
Das Atomkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg wird von enBW betrieben. Es hat zwei Druckwasserreaktoren, von denen derzeit noch einer in Betrieb ist. Neckarwestheim II soll als eines der letzten deutschen AKW 2022 vom Netz gehen.
Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld liegt südlich von Schweinfurt am Main. Baubeginn für Grafenrheinfeld war 1974, die Inbetriebnahme war 1981. Das Atomkraftwerk wird von der E.ON Kernkraft GmbH betrieben und wurde 2015 abgeschaltet.
Gundremmingen B und Gundremmingen C im Landkreis Günzburg sind zusammen das leistungsfähigste Atomkraftwerk Deutschlands. Betrieben werden die Siedewasserreaktoren von der RWE. Baubeginn war im Jahr 1976, Gundremmingen B ging 1984 ans Netz, Gundremmingen C ein Jahr später. Block B soll spätestens 2017 vom Netz gehen, Block C spätestens im Jahr 2021.
Atomaufsicht will klären
Die Federn würden vor allem die Ausdehnung der Brennelemente bei Wärmeentwickung auffangen. Die Aufsichtsbehörde sei über das meldepflichtige Ereignis der Kategorie N am Mittwoch informiert worden. Die Atomaufsicht habe Sachverständige zur Klärung hinzugezogen. (dpa, AZ)