München Ob Spülmaschinen, Wäschetrockner oder Herde: Die Welt der„WeißenWare“,wie sie im Fachjargon genannt wird, müsste nahezu den Zustand der Vollkommenheit erreicht haben, so ausgereift mutet sie an. Der 1957 geborene Kurt-Ludwig Gutberlet wäre demnach als Chef des Haushaltsgeräteherstellers BSH Bosch und Siemens ein Mann, der im besten Manageralter seine wichtigsten Ziele erreicht hat.
Was sollen Ingenieure, mag mancher denken, an einem Staubsauger noch grundlegend verbessern, wurde doch längst der beutellose Vertreter der Reinigungsmaschinen-Gattung erfunden, die auch mit Beutel ziemlich „saugstark“ auftritt? Bei der Bilanzvorlage von BSH in München präsentierte Informationen vermögen aber das Bild des Staubsaugers als weitgehend ausgereiftes Konstrukt zu revidieren. Verblüfft nimmt man zur Kenntnis, dass bei älteren Geräten oft nur ein Fünftel der verbrauchten Energie tatsächlich zur Reinigung genutzt wird. Ein Team mit 55 BSH-Entwicklern versucht deshalb der verloren gegangenen elektrischen Kraft in einem Strömungslabor und dank Messsonden auf die Spur zu kommen. „Die Strömungsmechaniker heften sich praktisch an die Fersen des Staubkorns“, räumt der Entwicklungsleiter Roland Illig im Geschäftsbericht ein. Der Befund der Fahndungsgruppe „Staub“ lässt aufhorchen: Demnach bilden sich an den Rändern jedes Luftstroms kleine Wirbel, denen es zu verdanken ist, dass „Staubkörner unnötige Runden drehen“. Illig will das nicht länger hinnehmen: „Unser Ziel ist es, dass das Staubkorn ohne Wirbel-Umwege am Ziel ankommt.“ Obwohl moderne Staubsauger schon um bis 64 Prozent effizienter als ältere Geräte sind, sehen die BSH-Experten noch Luft nach oben.
Die Ingenieure im nordbayerischen Bad Neustadt, dem nach Einschätzung des Unternehmens größten Staubsaugerwerk Deutschlands, arbeiten am perfekten Weg des Staubkorns durch den Sauger.
Auf der Suche nach noch mehr Effizienz
Was Effizienz betrifft, gehört das Dillinger Geschirrspülerwerk längst zu den Vorreitern des Gemeinschaftsunternehmens von Bosch und Siemens. Inzwischen arbeiten an dem schwäbischen Standort mehr als 2300 Frauen und Männer. Das für den gesamten Konzern zuständige Entwicklungszentrum für Spüler wird ausgebaut. Auch hier sehen die Ingenieure reichlich Raum für Innovation, obwohl ein modernes Modell im Vergleich zu einem 30 Jahre alten 80 Prozent weniger Wasser und 70 Prozent weniger Energie verbraucht. Spülmaschinen sind heute so leise wie ein sanfter Regen.
BSH-Chef Gutberlet schaut angesichts seiner erfindungsfreudigen Entwickler trotz Schuldenkrise optimistisch in die Zukunft des Unternehmens. „Mit unseren supereffizienten Produkten leisten wir einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz und helfen den Verbrauchern, ihre Stromkosten zu verringern“, sagt er. Der Manager glaubt, dass die Energiewende und damit steigende Strompreise die Nachfrage nach sparsameren Geräten steigern wird. Dabei ist auch der „Lifestyle“ (auf Deutsch: Lebensstil) ein BSH-Freund. Die Espressowelle hat dazu geführt, dass die dafür nötigen Geräte inzwischen einen höheren Marktanteil als Filter-Kaffeemaschinen erobert haben.
Im Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres hätten sich derartige Trends stärker positiv niedergeschlagen, wenn die Materialkosten nicht deutlich gestiegen wären. Dadurch ging der Gewinn von 465 spürbar auf 373 Millionen Euro zurück, während mit 9,65 Milliarden Euro ein neuer Umsatzrekord aufgestellt wurde. Im Vorjahr lagen diese Erlöse bei 9,07 Milliarden Euro.
Das Wachstum kommt auch Deutschland zugute. Von den 2011 weltweit eingestellten knapp 2800 Mitarbeitern entfallen über 600 auf das BSH-Heimatland. Der Konzern stellt laufend Ingenieure ein, die etwa in Bad Neustadt Staubkörnern nachspüren. In den vergangenen Jahren haben Mitarbeiter des Herstellers, der weltweit rund 45600 Beschäftigte zählt, allein im Bodenpflegebereich jährlich mehr als 40 Patente in Deutschland angemeldet. Sauberkeit ist eine komplizierte Materie oder wirtschaftlich betrachtet eine Wachstumsstory.