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Ein falscher Klick, schon kommt die Rechnung

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Ein falscher Klick, schon kommt die Rechnung

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    Von Sascha Borowski, Augsburg Katrin Müller ist sauer. Stinksauer. Ich mache gerne und oft bei Spielen im Internet mit, erzählt sie. Aber so bin ich noch nie geleimt worden. Was war passiert? Die Studentin hatte sich auf der Seite my-adventskalender.de angemeldet - wo es angeblich 2264 tolle Preise zu gewinnen gab.

    Was sie dabei übersah: Allein für die Anmeldung zu dem Gewinnspiel sollten plötzlich 59 Euro fällig werden. Versteckt hatten die Betreiber von my-adventskalender.de diese Klausel im Kleingedruckten.

    Eine Unverschämtheit, meint Karin Müller. Leider kein Einzelfall, sagen Verbraucherschützer. Seit ziemlich genau zwei Jahren treiben dubiose Geschäftleute jetzt mit dieser Masche im Internet ihr Unwesen. Das Prinzip: Die Täter denken sich ein attraktives Thema aus und stellen dazu eine Seite mit einem großen Anmeldeformular ins Internet. Im Kleingedruckten verstecken sie die Kostenpflicht.

    Dann verschicken sie massenweise Werbe-Mails um potenzielle Kunden anzulocken. Haben sich genügend Opfer angemeldet, beginnt das große Abkassieren: Mit Hilfe von Inkassobüros und Anwälten werden die oft völlig überraschten Opfer so lange eingeschüchtert, bis wenigstens ein paar tausend Menschen die fragwürdigen Rechnungen bezahlen. Mit den Einnahmen machen sich die Täter ein schönes Leben - wenn sie nicht mit der gleichen Masche ein neues Projekt starten.

    Ob SMS-Versand, Flirts, Gewinnspiele, IQ-Tests, Einkaufs-Tipps, Downloads, Routenplaner, Geburtstags-Infos, Tiere oder ein Adventskalender: Kein Thema ist den Abzockern zu schade, um es nicht auf diese Weise zu versilbern.

    Und die Opfer? Sie fallen massenweise auf die dubiosen Seiten herein - und lassen sich einschüchtern, wenn Rechnungen und Mahnungen kommen. Laut Verbraucherzentralen bezahlt etwa jeder zehnte Betroffene auch unberechtigte Forderungen. Der Schaden, der so verursacht wird, soll nach ihren Schätzungen in mehrstelliger Millionenhöhe liegen.

    Die Anfragen in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen haben sich seit 2006 verdoppelt, sagt etwa Gabriele Beckers von der Verbraucherzentrale Hessen. Einen ähnlichen Trend verzeichnen Verbraucherschutz-Seiten und Foren, wo die Opfer ihr Leid klagen. Kostenfallen im Web sind inzwischen unser Hauptthema, sagt Heiko Rittelmeier von Computerbetrug.de.

    Während die Berater unter der Zahl der Anfragen ächzen, ist den - zumeist deutschen - Tätern nur schwer beizukommen. Sie verstecken sich hinter Postfächern und Adressen in der Schweiz, Großbritannien, auf Zypern oder in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ihre Rechnungen und Mahnungen verschicken sie per Mail oder schieben Anwälte und Inkassofirmen vor.

    Eingeklagt werden die angeblichen Forderungen von ihnen allerdings fast nie. Kein Wunder: Indem sie Gerichtsverfahren vermeiden, vermeiden sie auch, dass Richter ihre dubiosen Geschäftsmodelle näher untersuchen. In zwei Fällen, in denen es Betreiber solcher Seiten doch vor Gericht versuchten, verloren sie ihre Prozesse glatt.

    Das Versteckspiel macht es aber auch den Verbraucherzentralen schwer, gegen die Masche vorzugehen. Der juristische Kampf gegen diese Geschäftspraktiken wird oft dadurch erschwert, dass die Unternehmen ihren Geschäftssitz im Ausland haben, Seiten umbenannt oder nach einer Abmahnung neue Seiten eröffnet werden, stellt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fest. Dennoch könnten Erfolge verzeichnet werden: Unter der Adresse http://www.vzbv.de/mediapics/kostenfallen_im_internet_2007.pdf listen die Verbraucherschützer auf, was sie gegen wen unternommen haben.

    Einzelnen Opfern - so wie Katrin Müller - bringen solche Abmahnungen allerdings nur wenig. Ihnen bleibt nur, sich nicht einschüchtern zu lassen - und die Zahlung zu verweigern, wenn die Kostenpflicht auf einer Seite nicht klar und deutlich war. Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern: Da hilft nur ziviler Ungehorsam.

    Fragen und Antworten

    Wie funktioniert die Masche? Die Täter stellen Seiten mit scheinbar attraktiven Diensten ins Internet und fordern Besucher zur Anmeldung auf. Die Preise für ihre Dienstleistung verstecken sie im Kleingedruckten. Danach schicken sie Betroffenen per Mail eine Rechnung ins Haus.

    Wie werden die Opfer angelockt? Oft besorgen sich die Täter die Mail-Adressen von arglosen Menschen, die an Gewinnspielen im Internet teilgenommen haben. Diesen schicken sie dann Werbemails zu. In einigen Fällen reichte in der Vergangenheit bereits das Klicken eines Links in einer solchen Werbemail, um später eine Rechnung zu bekommen.

    Was passiert, wenn nicht bezahlt wird? Dann bauen die Täter Druck auf, schicken zum Beispiel Mahnungen mit teilweise wüsten (und unbegründeten) Drohungen. Teilweise kommen die Briefe auch von Inkassofirmen oder Rechtsanwälten. Wenn die Opfer trotzdem hart bleiben und nicht bezahlen, hören die Einschüchterungsversuche nach einigen Monaten auf.

    Ziehen die Betreiber vor Gericht, um Geld einzutreiben? In den vergangenen zwei Jahren gab es genau zwei Fälle, in denen dubiose Geschäftsleute versuchten, Geld gerichtlich einzutreiben. In beiden Fällen verloren sie vor Gericht.

    Müssen Eltern bezahlen, wenn ihre Kinder auf eine solche Seite hereingefallen sind? Nein. Minderjährige sind beschränkt geschäftsfähig. Das heißt: Selbst wenn die Jugendlichen einen Vertrag abgeschlossen hätten, wäre dieser schwebend unwirksam, bis die Eltern nachträglich zugestimmt haben.

    Warum fallen so viele Menschen auf diese Abzocke herein? Weil sich viele Betroffene einschüchtern lassen, wenn sie Briefe von Inkassofirmen oder Anwälten bekommen. Statt zu überprüfen, ob die Forderungen überhaupt berechtigt sind, zahlen sie lieber. Genau das wissen die Betreiber von Abo- und Vertragsfallen auch.

    Wie schützt man sich? Seien Sie im Internet vorsichtig mit der Herausgabe persönlicher Daten. Lesen sie vor Anmeldungen stets das Kleingedruckte durch. Lassen Sie sich nicht einschüchtern, wenn Abzocker versuchen, mit Drohungen an Geld zu kommen.

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