Das kühle Herbstwetter auf dem Sofa beobachten, die Heizung aufdrehen und einen heißen Cappuccino genießen: Eine schöne Vorstellung, doch dieser Genuss ist jetzt teurer geworden. Vor allem hohe Energiepreise, aber auch die Verteuerung von Lebensmitteln wie Kaffee und Margarine haben die Inflationsrate nach oben getrieben.
Die Verbraucherpreise lagen nach Angaben des Statistischen Bundesamts im September 2,6 Prozent höher als im September 2010. So stark haben sie schon seit drei Jahren nicht mehr angezogen.
Knapp zur Hälfte verursachten die Energiepreise diese Entwicklung: Leichtes Heizöl war im September knapp ein Viertel teurer, Kraftstoffe lagen 13,9 Prozent über dem Vorjahresnivau. Auch die Kosten für Zentralheizung und Fernwärme (+ 9,8 Prozent), Strom (+ 7,1 Prozent) und Gas (+ 5,4 Prozent) stiegen deutlich im Vergleich zum September 2010.
„Wir gehen davon aus, dass sich die Energiekosten nicht weiter verteuern“
Der hohe Ölpreis, ausgelöst durch Unruhen in Nordafrika und Spekulationen an den Finanzmärkten, sei für diese Verteuerung verantwortlich gewesen, sagt Simon Junker vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Mittlerweile habe sich der Ölpreis wieder stabilisiert. „Wir gehen davon aus, dass sich die Energiekosten nicht weiter verteuern.“ Der Konjunktur-Experte rechnet mit einer deutlichen Beruhigung der Preisentwicklung zum Jahresende: „Im Jahresdurchschnitt 2012 gehen wir von einer Inflationsrate von 1,8 Prozent aus.“
Noch müssen die Verbraucher allerdings mit hohen Preisen zurechtkommen – und zwar nicht nur an der Tankstelle und bei den Heizkosten. Steinobstkonserven wie Kirschen (+ 38 Prozent) und Kaffee mit einer Steigerung von 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr führten die Verteuerungsliste der Lebensmittel an. Aber auch für Margarine (+ 19,2 Prozent), Butter (+ 10,4 Prozent) und H-Milch (+ 7,3 Prozent) mussten die Menschen mehr bezahlen als ein Jahr zuvor.
Billiges Gemüse
Gemüse wurde hingegen deutlich billiger: Kopf- oder Eisbergsalat um knapp 40 Prozent, Tomaten um rund ein Viertel und der Kartoffelpreis sank binnen Jahresfrist um fast 20 Prozent. Doch nicht nur bei den Lebensmitteln weist die Statistik starke Schwankungen im Vergleich zum Vorjahr auf. Die Preise für Fernseher sanken um 15,1 Prozent, für Handys um rund 18 Prozent. Für Flugtickets mussten Reisende hingegen 19,4 Prozent mehr ausgeben als im September 2010.
Auf den Konsum habe sich die hohe Inflation jedoch bislang kaum dämpfend ausgewirkt, sagt Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Das sei eine besondere Entwicklung im Vergleich zu früheren Zeiten. Die Alternative zum Geldausgeben, das Sparen, erscheine den Menschen aufgrund der Unsicherheit der Schuldenkrise derzeit wenig attraktiv. „Die Leute gehen eher auf werthaltige Anschaffungen wie Immobilien, Gold oder Autos.“