Der Deutsche Mieterbund (DMB) warnt vor einer immer größeren Wohnungsnot in Groß- und Universitätsstädten. Die Organisation schätzt, dass dort bereits rund 250000 Mietwohnungen fehlen. Dafür machen die Mieter-Lobbyisten die hohe und steigende Zahl an Single-Haushalten verantwortlich. Insgesamt stieg die Zahl der Haushalte in Deutschland zwischen 2002 und 2010 von 38,7 auf 40,3 Millionen. Nach Prognosen der Bundesregierung werden es im Jahr 2025 schon 41,1 Millionen sein.
Das Wohnungsangebot hält mit der Nachfrage nicht Schritt
Mit dieser Entwicklung hält das Wohnungsangebot nicht Schritt. Und immer weniger Wohnungen stehen leer, was die Preise erhöht. In Hamburg trifft das auf 0,7 Prozent der Wohnungen zu, in München auf 0,6 Prozent und in Augsburg sogar auf 0,2 Prozent. Für einen gesunden Mietmarkt ohne explodierende Preise müsste aber die Quote nach der Erfahrung des Mieterbundes bei drei Prozent liegen. Für Franz-Georg Rips, Präsident des DMB, ist die gegenwärtige Entwicklung dramatisch: „Das habe ich in mehr als 20 Jahren nie kennengelernt.“ Mit der Bundesregierung geht er hart ins Gericht und wirft ihr „Desinteresse und Passivität“ vor. Und er sagt: „Die teuren Mieten sind nicht vom Himmel gefallen.“
Die Patrizia und ihre Konsorten
Ein Konsortium vor allem aus Versicherungen, Fonds und Pensionskassen hat den Zuschlag für die 21 000 Wohnungen der LBBW erhalten.
Geführt werden die Konsorten von der Augsburger Patrizia Immobilien AG.
Angaben zu den Konsorten und ihren Anteilen:
Mit dabei sind fünf deutsche Versicherungen. Sie tragen etwa 40 Prozent des Eigenkapitals.
Die LVM Versicherung (Münster) gehört dazu.
Zwei ausländische Pensionsfonds tragen zusammen etwa 30 Prozent.
Zu ihnen zählen der Staatspensionsfonds Schwedens AP3 mit gut 25 Prozent und ein schweizerischer Pensionsfonds.
Außerdem dabei: drei deutsche Versorgungswerke beziehungsweise Pensionskassen. Sie schultern rund 25 Prozent.
Eine Sparkasse aus Baden-Württemberg, sie trägt etwa 3 Prozent.
Und schließlich die Patrizia Immobilien AG selbst, mit etwa 2 Prozent.
Der Mieterbund spricht von einem „unaufhaltsamen“ Anstieg der Wohnungspreise. Bei Neuvermietungen lägen sie zum Teil bis zu 40 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. In Augsburg werden, wie der örtliche Mieterverein beobachtet, bei bestehenden Mietverhältnissen inzwischen 7,50 Euro pro Quadratmeter fällig. Bei Neuvermietungen sind es 8,50 Euro und mehr. „Die Preise in Augsburg ziehen nach wie vor an, das ist eine sehr besorgniserregende Entwicklung“, sagt Thomas Weiand, Geschäftsführer des Mietervereins Augsburg.
Vor allem günstige Wohnungen sind Mangelware
Gerade Wohnungen im mittleren und unteren Preissegment sind vielfach Mangelware – so etwa in Ingolstadt. Dort liegt der Quadratmeterpreis bei Neuvermietungen nach Erkenntnissen des Mieterbunds bereits bei über zehn Euro. „Die Situation in den Großstädten verschärft sich zusehends“, beklagt die Organisation. Leidtragende sind in erster Linie junge Familien, Studenten und Alleinstehende.
Mieterbund macht Gesetzeslücke für Preissteigerungen verantwortlich
Für die Entwicklung macht der Mieterbund eine Gesetzeslücke verantwortlich. Beim Abschluss eines neuen Vertrags könnten die Vermieter die Preise „nahezu nach Belieben“ festsetzen. Die Konsequenz daraus sei, dass Wohnungen deutlich über den bestehenden Preisen weitervermietet werden. Um dies zu verhindern, fordert der Mieterbund, dass der neue Preis der Wohnung maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Miete liegen darf. Bei bestehenden Mietverhältnissen soll die Miete nach dem Willen des DMB in vier Jahren um höchstens 15 Prozent steigen können.
Mietrechtsänderungsgesetz ist Nachbesserungsbedürftig
Auch bei dem im Mai in Kraft getretenen Mietrechtsänderungsgesetz sieht der Mieterbund Verbesserungsbedarf. Die Neuregelung ermöglicht den Bundesländern, für Städte mit Wohnungsnot den maximalen Anstieg der Mieten von bisher 20 auf 15 Prozent zu begrenzen. Doch die neue Verordnung habe einen „Geburtsfehler“, sagt Mieterbunds-Präsident Rips. In Bayern betreffe sie bislang nur München, beklagt auch Weiand für den Augsburger Mieterverein.
Doch nicht überall ist die Situation so dramatisch. In den Speckgürteln von Großstädten sind Wohnungen zwar knapp, aber je weiter man aufs Land kommt, desto mehr stehen leer. Das bestätigt auch der Augsburger Mieterverein. In Günzburg oder Dillingen gebe es noch Quadratmeterpreise unter sechs Euro. In und um Nördlingen lägen diese zum Teil unter fünf Euro.