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Adelzhausen-Heretshausen: Wird ein Kürbis aus Heretshausen Deutscher Meister?

Adelzhausen-Heretshausen

Wird ein Kürbis aus Heretshausen Deutscher Meister?

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    Hier kniet Michael Asam mit seinem vierjährigen Sohn Olli neben einem der beiden kleinen Kürbisse welche zum Wettbewerb mitgenommen werden.
    Hier kniet Michael Asam mit seinem vierjährigen Sohn Olli neben einem der beiden kleinen Kürbisse welche zum Wettbewerb mitgenommen werden. Foto: Alice Lauria

    Michael Asam ist deutscher Meister. Dazu hat ihm 2019 ein 687,5 Kilogramm schwerer Kürbis verholfen. Dank dieses Schwergewichts siegte er bei der Meisterschaft im Kürbiswiegen in Ludwigsburg. Am Sonntag will der Züchter aus dem Adelzhausener Ortsteil Heretshausen seinen Titel verteidigen. Er ist bestens gerüstet.

    Weil es im September noch einmal so richtig warm war, baute Michael Asam seinem Kürbis im Gewächshaus extra noch ein zusätzliches Dach gegen zu viel Sonneneinstrahlung.
    Weil es im September noch einmal so richtig warm war, baute Michael Asam seinem Kürbis im Gewächshaus extra noch ein zusätzliches Dach gegen zu viel Sonneneinstrahlung. Foto: Alice Lauria

    In Asams Gewächshäusern wachsen drei riesige Kolosse heran. Bis zum letzten Tag sollen die Prachtexemplare noch so viel wie möglich an Gewicht zulegen. Diesmal fährt er mit einem orangen Riesen mit geschätzten 670 Kilo, einem weißen mit circa 550 Kilo und seinem Hoffnungsträger, einem weißen Kürbis der Rasse „Atlantic giant“, der aktuell auf rund 800 Kilogramm geschätzt wird, ins baden-württembergische Ludwigsburg.

    So schätzt Michael Asam aus Heretshausen das Gewicht seines Kürbis'

    Zur Berechnung des Gewichtes wird die Formel für das sogenannte OTT-Maß verwendet. Hierfür werden der Umfang und die Maße längs und quer über den Kürbis benötigt. Anhand einer Tabelle kann daraus der ungefähre Kilogramm-Wert ermittelt werden. Allerdings bleibt eine Ungenauigkeit von rund zehn Prozent, da das Gewicht auch von der Dicke des Fruchtfleisches abhängig ist. Doch sie ist nicht ermittelbar. Also muss der 49-Jährige bis zum Moment des Wiegens bangen.

    Für den dreifachen Familienvater ist das „wie ein Adventskalender für die Kinder“. Er sagt: „Du zählst ab September die Tage runter bis zum 4. Oktober. Erst wenn er auf der Waage drauf liegt, kannst du sagen, dass es vorbei ist.“ Theoretisch könnte sein Kürbis zwischen 720 und 880 Kilogramm wiegen. Hinzu kommt die Ungewissheit, wie er unten aussieht. Es kann sein, dass der Koloss unten oder innen faulig wird. Bis zu einem gewissen geringen Grad wäre das nicht schlimm. Bei zu viel Fäule aber kann der Kürbis nicht mehr gewertet werden. Asam macht sich allerdings keine allzu großen Sorgen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Kürbis gut wächst, und sein Prachtexemplar hat jüngst in einer Woche rund 120 Kilogramm Gewicht zugelegt.

    Natürlich muss auch noch der aufwendige Transport glatt laufen. Mithilfe eines extra angefertigten Geschirrs wird der Kürbis aus dem Beet gehoben. Dazu braucht es die Unterstützung eines Traktors mit Gegengewicht. Danach kommt der ein Meter hohe Kürbis mit seinen circa 485 Zentimetern Umfang auf eine extra angefertigte Styroporunterlage, die auf zwei Europaletten liegt. Mit einem Transporter samt Ladefläche und Hänger geht es dann auf die knapp 200 Kilometer lange Reise nach Ludwigsburg.

    Michael Asam rechnet sich mit seinem Kürbis gute Chancen aus

    Dort rechnet sich der Spengler große Chancen aus. Die Riesen-Kürbiszüchter kennen sich praktisch europaweit alle untereinander, erzählt Asam, „so viele Verrückte gibt’s da nicht“. Sie tauschen sich während des ganzen Jahres per Chatgruppe untereinander aus. „Ich weiß jetzt keinen größeren“, als seinen eigenen Wettbewerbskürbis, sagt der Heretshausener. Europaweit schwerster Kürbis war 2019 ein belgisches Exemplar mit 1013 Kilogramm. Der aktuelle Weltrekord liegt seit 2016 ebenfalls in Belgien mit einem Gewicht von 1190,5 Kilogramm.

    Der Samen für den Riesenkürbis kostet bis zu 400 Euro

    Bis das gigantische Gemüse in voller Pracht vor den Richter kommt, hat Michael Asams einiges an Zeit, Arbeit, Geld, Geduld und Hingabe investiert. Nachdem ein bis zu 400 Euro teurer Samen gepflanzt wurde, wartete Asam auf die erste weibliche Blüte. Diese bestäubte er per Hand und entfernte von da an radikal alle weiteren Triebe der Pflanze, damit diese alle Kraft in die eine Frucht steckt. Zusätzlich vergräbt der Züchter die Zweige zwischen den Blättern. Diese bilden so weitere Wurzeln, damit die Pflanze möglichst viele Nährstoffe aus dem Boden ziehen kann. Die Pflanze wächst bis zu einem halben Meter pro Tag. Sie hat zahlreiche hüfthohe Blätter auf den jeweils 70 Quadratmetern Gewächshausboden. In der Hauptwachstumsphase benötigt ein Kürbis rund 400 Liter Wasser pro Tag. Sobald es kälter und feuchter wird, liegen die großen Kürbisse warm eingepackt unter mehreren Wolldecken. Diesen unermüdlichen Einsatz über Monate kann auch das Preisgeld, das heuer bei 500 Euro liegt, nicht ausgleichen. Aber Geld ist ohnehin nicht Asams Motivation. „Die Gaudi ist es schon wert“, sagt er zu seinem sehr speziellen Hobby, das er seit 2012 ausübt und auf die Akzeptanz seiner Familie stößt. Er toleriert dafür die Pferdeleidenschaft von Frau und Tochter.

    Egal, wie es am Sonntag ausgeht: 2021 will er nicht antreten, sondern ein Jahr pausieren. Allerdings hat er für 2022 schon wieder große Pläne. Bei aller Nervosität vor dem großen Tag am Sonntag fährt er durchaus optimistisch nach Ludwigsburg. Denn: „Für einen Podestplatz müsste es leicht langen.“

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