Aichach: Bilanz nach Corona-Demo: Polizei deeskaliert, Veranstalter kooperiert
Aichach
Bilanz nach Corona-Demo: Polizei deeskaliert, Veranstalter kooperiert
Nach der Corona-Demonstration in Aichach sind beide Seiten zufrieden. Die Polizei lobt die Veranstalter. Es gibt 40 Verstöße gegen die Maskenpflicht und zwei Anzeigen.
Wegen der Corona-Demo gibt es ein großes Polizeiaufgebot in Aichach
Das Polizeiaufgebot in Aichach ist groß. Informationen unserer Redaktion zufolge sind an die 100 Beamten im Einsatz. Aus Strategiegründen nennt die Polizei keine Zahl. Die Einsatzleitung vom Präsidium in Augsburg gibt als Devise für die Demo aus: Deeskalation. Bürgermeister Klaus Habermann ist beruhigt, als er sich gegen 13 Uhr über die Strategie informiert. „Ganz souverän und professionell“ nennt er sie. Er verfolgt zuversichtlich, aber abrufbereit die Veranstaltung zu Hause auf Youtube.
800 Teilnehmer demonstrierten am Samstag auf dem Volksfestplatz in Aichach gegen Corona-Maßnahmen. Parallel fand eine Gegendemonstration statt mit rund 30 Teilnehmern statt. Die Polizei schirmte die Gegendemonstranten ab.Foto: Erich Echter
Zur Strategie der Polizei gehören eigene Kommunikationsbeamte. Sie klären Probleme im Gespräch, weisen Teilnehmer auf ihre Maskenpflicht, auf Abstände hin. Das geschieht unaufgeregt und ruhig. Viele Besucher haben ihr Gesicht zunächst nicht bedeckt. Die Intervention der Beamten, aber auch die Appelle der Veranstalter tragen Früchte: Fast alle streifen sich mit der Zeit Mund-Nase-Bedeckungen über – wenn es auch manchmal nicht mehr ist als ein Feigenblatt in Gestalt eines durchlässigen Spitzen-Damenslips. Ein paar Unverbesserliche gibt es aber dennoch. Die Polizei nimmt ihre Personalien auf.
40 Maskenverweigerer auf Aichacher Corona-Demo sollen Bußgeld bezahlen
Laut Landrat Klaus Metzger sind 40 Verstöße gegen die Maskenpflicht aktenkundig. Er kündigt an, dass das Landratsamt sehr zügig Verfahren einleiten werde. Es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit. Der Landrat ist am Ende „sehr zufrieden und glücklich“ über den friedlichen Verlauf und darüber, dass wenig Aichacher vor Ort waren. Die Veranstalter sprechen von einem Viertel Einheimischer. Das dürfte zu hoch gegriffen sein. Auch nach Habermanns Beobachtung waren es nicht sehr viele Einheimische. Manche hielten sich als Zaungäste am Rand auf. Viele Teilnehmer kamen aus Stadt und Landkreis Augsburg, aber auch aus Günzburg und Unterfranken.
Positiv fällt auch das Resümee der Veranstalter aus. Moderatorin Michaela Königsberger spricht von einer sehr guten Resonanz und einer „megaguten Stimmung“. Die Organisatoren bekommen ein Lob. Polizeisprecher Rainer Pabst zeigt sich „sehr zufrieden“, die Auflagen seien weitgehend eingehalten worden. Neben den Maskenverstößen hat er zwei aktenkundige Fälle, die er auf Nachfrage unserer Redaktion konkretisiert: Ein Besucher schreit vor Polizisten „Heil Hitler“, und ein Plakat mit der Aufschrift „Söder- Diktatur“ wird als Beleidigung gewertet. Übrigens: Es hat AfD-Kreisrat Josef Settele getragen.
Nach der Kundgebung auf dem Volksfestplatz zogen etwa 30 Teilnehmer auf den Aichacher Stadtplatz. Die Polizei unterband allerdings eine weitere Demonstration.Foto: Carmen Jung
Einsatzleiter Peter Trippmacher nennt die Veranstalter kooperativ, das Konzept der Deeskalation sei aufgegangen. Das gilt auch für ein kleines Nachspiel auf dem Stadtplatz. Eine Spontandemo dorthin haben Polizei und Landratsamt untersagt, die Veranstalter akzeptieren das, aber nicht alle Teilnehmer. Etwa 30 Leute finden sich trotzdem vor dem Rathaus ein. Auch hier suchen die Polizisten das Gespräch. Nach einer Weile ziehen die Letzten friedlich von dannen.