In der leeren Aichacher Stadtpfarrkirche feierte Stadtpfarrer Herbert Gugler (Mitte) den Auferstehungsgottesdienst mit Franziska Demuth (links) und Mesner Martin Ruhland (rechts).
Foto: Erich Echter
Ein Ostern ohne Kirchgang hat die Corona-Pandemie den Christen im Wittelsbacher Land beschert. Ostergottesdienste fanden dennoch statt. In leeren Kirchen verkündeten die Geistlichen ihre Osterbotschaft. Ihre Gemeindemitglieder erreichten sie auf verschiedenen Wegen: ob über einen Gemeindebrief oder mit Liveübertragungen im Internet.
In der leeren Aichacher Stadtpfarrkirche griff Stadtpfarrer Herbert Gugler einen Satz auf, der in diesen Tagen oft fällt im Zusammenhang mit der Corona-Krise: „Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen, aber wir sind auf einem guten Weg.“ Gugler warf dazu die Frage auf: „Wo wollen wir eigentlich hin? Wir Christen streben danach, zur Herrlichkeit der Auferstehung zu gelangen.“
Magnus Schwank hat in der Sakristei der Aichacher Stadtpfarrkirche eine Technikecke eingerichtet und ist für eine problemlose Übertragung der Gottesdienste verantwortlich.Foto: Erich Echter
Gugler sah die Gemeinde auf einem guten Weg, „weil wir uns im Gebet und auch in der Annahme des Kreuzes mit Jesus verbinden“. Mit Ostern sei das Ziel aber nicht erreicht. Der gute Weg werde dann zum perfekten und damit zum Ziel führenden, „wenn wir versuchen, täglich als österliche Menschen zu leben“. Es gelte, Gemeinschaft mit Jesus zu halten im Gebet, sich einzubringen in die Gesellschaft und die Kirche. „Versuchen wir, mit Jesus in Verbindung zu bleiben, uns einzusetzen, ja aufzuopfern für ihn und für andere, machen wir in diesem Geiste Jesu weiter, denn: Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen, aber wir sind auf einem guten Weg.“
Vikar Andreas Stahl: "Ostern ist der Beginn einer neuen Schöpfung"
In der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche in Aichach hielt Vikar Andreas Stahl, Sohn von Pfarrer Winfried Stahl, die Predigt. „Die Bibel kennt die Hoffnung, dass Gott in die Welt eingreifen und eine neue Schöpfung beginnen wird“, sagte er.
In dieser neuen Schöpfung sei das Böse überwunden, Gottes Gerechtigkeit leuchte wie die Sonne und die Schönheit der Welt sei ins Unermessliche gesteigert. „Ostern ist genau das: der Beginn dieser neuen Schöpfung“, so Stahl. „Weil diese neue Schöpfung mit der Auferstehung Jesu begonnen hat, sind das gute Nachrichten. Die besten Nachrichten, die es überhaupt nur geben kann.“
Dekan Stefan Gast: "Auf jeden Karfreitag folgt ein Ostern"
Der Inchenhofener Wallfahrtspfarrer und Dekan Stefan Gast feierte das Osterhochamt in der Sainbacher Pfarrkírche St. Nikolaus. Die Gemeindemitglieder konnten live dabei sein – im Internet auf der Videoplattform Youtube. In seiner Predigt ging er auf das Wort Corona ein, das übersetzt Krone heißt.
Die Osterbotschaft von der Auferstehung Jesu sei für Katholiken die Krönung, weil gerade der Glaube an den Auferstandenen Kraft und Halt gebe. „Es gehören beide Seiten der Medaille dazu: der Karfreitag und Ostern“, sagte Gast. „Als Krönung ist mir aber diese Zuversicht gegeben: Auf jeden Karfreitag folgt ein Ostern.“
Affings Pfarrer Max Bauer nahm Bezug auf das Evangelium der Osternacht: Sogleich verließen sie das Grab voller Furcht und großer Freude (Mt 28,8a), heißt es da. „Voller Furcht und großer Freude. Genauso feiern wir auch dieses Osterfest“, sagte Bauer mit Blick auf die Corona-Krise. Viele seien voller Furcht: vor Ansteckung, vor dem Verlust der Arbeit, vor den Folgen des Virus, um Angehörige.
Pfarrer Max Bauer: Trotz Kontaktverbot ist der Auferstandene da
Aber da sei auch die große Freude: Zu wissen, dass die Auferstehung Jesu für alle Zeiten gilt – auch in diesem Jahr, wo viele den Kirchgang schmerzlich vermissen. „Trotz verschlossener Türen, trotz Kontaktverbot tritt der Auferstandene zu jedem von uns“, sagte Bauer. Ostern geschehe durch kleine und große Gesten: Der Chef, der alles gibt, auch sein Privatvermögen, um die Angestellten weiter zu beschäftigen. Die vielen Hilfs- und Einkaufsdienste. Die Frau, die sich vornimmt, jeden Tag einen Einsamen anzurufen. „Ja, dass eine ganze Gesellschaft sich zurücknimmt, um die Schwachen zu schützen: Alles das und noch viel mehr ist das Ostern hinter verschlossenen Türen“, sagte der Affinger Pfarrer. „Das ist die Erfahrung des Auferstandenen.“ (mit sws)