Nun also auch Dachau. Der Landkreis, Nachbar von Aichach-Friedberg, ist ein weiterer, den das Schreckgespenst B.1.1.7 erreicht hat. So heißt eine von mehreren Coronavirus-Mutationen, die deutlich ansteckender als bisher bekannte Varianten sein sollen und nun auf dem Vormarsch sind. Die Fälle, aktuell etwa auch im Krankenhaus Buchloe, häufen sich. Auch im Landkreis Augsburg wurde nun eine Mutation registriert. Im Landkreis Aichach-Friedberg wird diese Entwicklung mit Sorge registriert. Einiges deutet darauf hin, dass es nun nicht mehr darum geht, ob im Wittelsbacher Land eine Mutation auftritt - sondern wann (Anm. d. Redaktion: Inzwischen wurde eine Virus-Mutation im Landkreis registriert: Erstmals Coronavirus-Mutation in Aichach nachgewiesen).
Corona-Mutationen werden wahrscheinlich Aichach-Friedberg erreichen
Der 38-jährige Corona-Patient in Dachau liegt auf der Intensivstation, konnte am Montag aber erstmals befragt werden. Wie er sich angesteckt hat, bleibt dennoch offen - ebenso wie die Frage, ob seine ebenfalls positiv getestete Lebensgefährtin von der Mutation betroffen ist. Die einzelnen Mutationen nachzuweisen ist enorm teuer und aufwendig. Nur fünf Prozent aller positiven Befunde in Deutschland werden deshalb genauer im Labor analysiert und sequenziert. Liegt tatsächlich eine gefährliche Variante vor, werden die Landkreise informiert.
Auch im Landkreis Aichach-Friedberg ist das Thema Mutationen längst angekommen. Nach dem massiven Corona-Ausbruch im Friedberger Krankenhaus wurden dort Reihentests angeordnet. Wie das Landratsamt auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, wurden von den positiven Tests insgesamt zwölf Stichproben zusätzlich an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) geschickt, um sie auf Mutationen hin zu testen. Bis die Ergebnisse vorlägen, dauere es rund zwei Wochen. Landratsamts-Sprecher Wolfgang Müller erklärt, man gehe so oder so davon aus, dass eine der ansteckenderen Mutationen den Landkreis erreiche. Wann das der Fall sei, könne "nur eine Glaskugel beantworten".
Inzidenzwert im Landkreis Aichach-Friedberg bleibt stabil
Treten die ansteckenderen Varianten im Landkreis Aichach-Friedberg auf, ist nicht auszuschließen, dass auch die Corona-Fälle wieder ansteigen. In jüngster Vergangenheit war der Sieben-Tage-Inzidenzwert konstant, am Montag lag er nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei 65,4. Die Zahl der Corona-Patienten im Aichacher Krankenhaus ist über das Wochenende leicht gesunken. Mussten am Freitag noch 27 positiv getestete Personen stationär behandelt werden, waren es am Montag noch 23. Sieben von ihnen sind auf der Intensivstation, sie alle müssen beatmet werden.
Neue Corona-Fälle meldet das Landratsamt aus dem Katholischen Kinderhaus St. Johannes Baptist Alsmoos. Dort sind zwei Mitarbeiter positiv getestet worden. Zwei weitere Mitarbeiter und elf Kinder sind als enge Kontaktpersonen in Quarantäne. Erfreuliche Nachrichten gibt es nach den Reihentests unter Mitarbeiterin im Krankenhaus Friedberg: Alle vorliegenden Ergebnisse - 500 von 511 - sind negativ. Zehn Ergebnisse fehlen noch, eine Probe war nicht verwertbar.
Vor Start in Dasing: Impfungen gehen nur langsam voran
Unterdessen gehen die Impfungen im Wittelsbacher Land nur schleppend voran. Wie das Landratsamt mitteilte, haben mit Stand von Sonntag 1206 Menschen im Landkreis die zweite Corona-Impfung erhalten. Davon wurden 435 Menschen in der vergangenen Woche geimpft. 2554 Landkreis-Bewohner sind bislang einmal geimpft worden, 637 davon in der Vorwoche. Anhaltende Lieferengpässe sind nach Auskunft des Landratsamts der Hauptgrund dafür, dass bislang nicht mehr Menschen geimpft werden konnten. Am Dienstagvormittag kommt außerdem der Betrieb im Dasinger Impfzentrum langsam ins Rollen. Wurden dort bislang nur vereinzelt Landkreisbewohner geimpft, sollen es in dieser Woche immerhin 160 sein.
Christina Haubrich (Grüne): "Organisation der Impfzentren nicht optimal"
Doch auch Kritik am Impfzentrum wurde laut. Zunächst an der Erreichbarkeit, nun auch an der Organisation. Christina Haubrich, Landtagsabgeordnete für den Landkreis Aichach-Friedberg und gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, erklärte in einer Mitteilung, die Organisation sei "noch nicht optimal gestaltet. Für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung ist es oft schon schwierig, überhaupt einen Termin zu vereinbaren. Wer nicht routiniert ist im Umgang mit dem Internet oder mindestens zwei E-Mail-Adressen und eine Handynummer besitzt, ist von der Online-Terminvereinbarung faktisch ausgeschlossen." Auch die Schreiben des Landratsamts sorgten hier für wenig Klarheit.
Lesen Sie dazu auch:
Exklusive Liste: Wer in Aichach-Friedberg früher an eine Corona-Impfung kommt
Nach Corona-Ausbruch in Aichacher Heim: AWO will "nicht von Ausbruch reden"
Defizit der Kliniken an der Paar soll auf 4,6 Millionen Euro sinken
Nach Todesfall: Tochter erstattet Anzeige gegen Friedberger Krankenhaus
- Exklusive Liste: Wer in Aichach-Friedberg früher an eine Corona-Impfung kommt
- Nach Corona-Ausbruch in Aichacher Heim: AWO will "nicht von Ausbruch reden"
- Defizit der Kliniken an der Paar soll auf 4,6 Millionen Euro sinken
- Nach Todesfall: Tochter erstattet Anzeige gegen Friedberger Krankenhaus