Tag zwei nach dem Bahnunglück: Seit den Morgenstunden läuft auf der Paartalbahn wieder der reguläre Bahnbetrieb. Gleichwohl kann vom üblichen Alltagsgeschehen für viele noch lange nicht die Rede sein. Das betrifft in erster Linie die Angehörigen der beiden Todesopfer und der Verletzten. Aber auch die Bayerische Regiobahn (BRB), die Deutsche Bahn, Polizei und Staatsanwaltschaft werden sich noch lange mit dem Unglück beschäftigen.
Bislang ist nicht absehbar, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden. Wie berichtet, geht die Staatsanwaltschaft Augsburg nicht von einer technischen Ursache, sondern von menschlichem Versagen aus. Bereits am Montagabend war der 24-jährige Fahrdienstleiter festgenommen worden, der Haftrichter setzte am Dienstagnachmittag den Haftbefehl unter Auflagen außer Vollzug. Es geht um den Verdacht auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Gefährdung des Bahnverkehrs.
Suche nach der Ursache: "Den Ablauf minutiös nachverfolgen"
Matthias Nickolai, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, betont am Mittwochvormittag: "Die Ermittlungen laufen. Wir brauchen dazu zwingend das Gutachten." Am Dienstagnachmittag hatte ein Sachverständiger die Unfallstelle unweit des Aichacher Bahnhofes untersucht. Dessen Erkenntnisse werden ein wesentlicher Bestandteil der abschließenden Einschätzung der Staatsanwaltschaft und der strafrechtlichen Beurteilung sein.
Erfahrungsgemäß könne es aber noch Wochen dauern, bis das Gutachten vorliege, betont Nickolai. "Man muss den Ablauf minutiös nachverfolgen", so der Oberstaatsanwalt. Wichtig ist dabei für die Behörde, das Aichacher Zugunglück eigenständig zu bewerten. "Wir neigen dazu, Parallelen zu ziehen", sagt Nickolai mit Blick auf das Zugunglück von Bad Aibling. Doch davor solle man sich hüten. Jedes Unglück habe seine eigene Geschichte.
Auch Siegfried Hartmann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums in Augsburg unterstreicht: "Es geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit." Man müsse "alles zusammentragen, um zu sehen, wie es passiert ist". Dazu nötig sind auch die Eindrücke der betroffenen Zugpassagiere. Einige der Unverletzten waren nach dem Unglück – womöglich geschockt – nach Hause gegangen. Die Polizei bittet sie nach wie vor darum, sich unter der Telefonnummer 0821/323-3810 zu melden. Bis Mittwochvormittag hat das laut Hartmann ein Mann getan, der aber noch nicht vernommen worden ist.
Im Laufe des Mittwochs wird der beschädigte doppelte Triebwagen der BRB im Schritttempo nach Augsburg ins Bahnbetriebswerk gezogen. Wie BRB-Pressesprecher Christopher Raabe erklärt, ist der Zug nicht mehr fahrtüchtig. Eine Lok schleppt ihn ab. Der Weg nach Augsburg ist in diesem Fall lang. Denn die Strecke kann nur phasenweise genutzt werden, wenn gerade keine Züge verkehren. Außerdem ist nur Schritttempo möglich. Eventuell dauert es bis in die späten Abendstunden, bis der doppelte Triebwagen in Augsburg ist. "Wenn er da ist, wird alles stehen und liegen gelassen und der Zug wird sofort begutachtet", so Raabe. Angaben über die Schadenshöhe könne er vorerst nicht machen.
Bayerische Regiobahn übt Kritik an der Deutschen Bahn
Bei der Bayerischen Regiobahn (BRB) wird unterdessen Kritik an der Deutschenn Bahn laut. Bernd Rosenbusch, Vorsitzender der Geschäftsführung, erklärt am Mittwoch : "Entscheidend ist nun, dass alles dafür getan wird, dass so ein Unfall nicht wieder passiert. DB Netz, als verantwortliches Unternehmen für die Sicherheit der Bahnstrecken, hat hierfür Sorge zu tragen." Rosenbusch betont, es sei für die Mitarbeiter und das Unternehmen "sehr schwer das Unglück zu begreifen, insbesondere sind wir in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und bei den verletzten Passagieren". Einige von ihnen hat Rosenbusch bereits am Dienstagnachmittag im Krankenhaus besucht.
Trauerfeier für Opfer des Zugunglücks am Samstag
Am Samstag, 12. Mai, findet in Aichach ab 10 Uhr eine ökumenische Trauerfeier in der katholischen Stadtpfarrkirche statt. Pfarreien heißen alle Trauernden und vor allem die Angehörigen der Opfer und die Rettungskräfte willkommen.