So viel ist zumindest sicher: Der Wind ist frei und weht freiwillig übers Land – ob das jetzt gemeindefreies Gebiet oder das Gebiet einer freien Gemeinde ist. Hört sich verzwickt an, ist es auch. Besonders wenn es um Windkraft geht. Die sorgt ja seit Jahren für besonders starke Verwirbelungen im Nordwesten des Wittelsbacher Landes. Noch steht kein Windrad, aber auf Flächen bei Ebenried über Reicherstein bis Haselbach und von Thierhaupten über Baar bis Pöttmes dreht sich seit Jahren das Standortkarussell. Dort an den Drei-Landkreis-Ecken gibt es oben drauf noch zwei sogenannte gemeindefreie Gebiete. Und beide Forstgebiete stehen derzeit im Fokus der Windenergie-Diskussion.
Vier Bürgermeister für gemeinsames Windprojekt
Während sich im einen Landkreis-Treffpunkt (Aichach-Friedberg, Donau-Ries und Neuburg-Schrobenhausen) die fünf umliegenden Kommunen (Pöttmes, Ehekirchen, Baar, Holzheim, Rain) in einer gemeinsamen Resolution gegen den Bau von Windrädern im gemeindefreien Gebiet Esterholz wenden (wir berichteten), sieht es im gar nicht weit davon entfernten anderen weiter westlichen Schnittpunkt (Aichach-Friedberg, Augsburg, Donau-Ries) ganz anders aus. Die vier Bürgermeister der Kommunen, die das gemeindefreie Waldgebiet „Brand“ umzingeln, treffen sich kurz nach Ostern. Die Rathauschefs aus Thierhaupten, Holzheim, Münster, Baar reden dann genau über das Gegenteil – nämlich über ein gemeinsames interkommunales Windkraftprojekt, sozusagen auf neutralem Grund.
Kommunalpolitik: Zwiespalt in Sachen Windenergie
Das schlägt zumindest der Thierhaupter Bürgermeister Franz Neher vor. Die groben Züge hat er jüngst bei einer gemeinsamen Sitzung der Umweltausschüsse aus Aichach-Friedberg sowie Augsburg Stadt und Land angerissen. Sein Baarer Amtskollege Leonhard Kandler ist ein wenig überrascht, aber auch offen für das Gespräch, wie er sagt.
Kandler, ein Befürworter von Windkraft bei angemessenen Abständen zur Wohnbebauung, erinnert, dass sich bei der Diskussion über Windräder auf dem Baarer Berg vor einigen Jahren gerade die Nachbarn aus Holzheim massiv gegen die Planung an der Landkreisgrenze wandten. Die Flächen „Brand“ und der „Baarer Berg“ liegen direkt nebeneinander. Kandler sieht in der Kommunalpolitik einen Zwiespalt in Sachen Windenergie: „Auf der einen Seite besteht die Angst vor Bürgern, die massiv dagegen sind.“ Auf der anderen Seite würden die Gemeinden die Gewerbesteuer gerne für den eigenen Haushalt einstreichen. Wenn schon, denn schon – zu sehen seien die bis zu 180 Meter hohen Windräder nämlich so oder so.
Offen ist, ob Münster und Holzheim auch an einem interkommunalen Projekt interessiert sind oder das Fell des Bären „Brand“ lieber unter sich allein teilen. Sie stellen jedenfalls bei der Regierung von Schwaben den Antrag, den gemeindefreien Forstbezirk Brand (220 Hektar) den beiden Kommunen zuzuordnen, um dort Planungshoheit zu bekommen. Den südwestlichen Teil – etwa 107 Hektar – soll Münster bekommen, den anderen Teil Holzheim. Besitzer soll aber weiterhin der Freistaat bleiben. Der Wald ist mehr als zwei Kilometer von umliegenden Orten entfernt, der Abstand zum Weiler Königsbrunn (Kreis Augsburg) beträgt etwa 900 Meter.
Gemeinsame Resolution gegen den Bau von Windrädern
Ganz anders ist die kommunalpolitische Lage in Sachen Esterholz. Die Bayerischen Staatsforsten haben dem Markt Pöttmes Unterstützung zugesichert, dass dort keine Windräder gebaut werden. Verbindliche Wirkung hat das jedoch nicht. Wie berichtet, haben die Gemeinden Pöttmes, Ehekirchen, Baar und Holzheim sowie die Stadt Rain eine gemeinsame Resolution gegen den Bau von Windrädern im gemeindefreien Gebiet beschlossen. Die Gemeinden können dort planerisch nicht zugreifen, der Freistaat aber schon. Den Bayerischen Staatsforsten zufolge, die für die Bewirtschaftung des Waldgebietes zwischen Haselbach (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) und Wächtering (Rain, Kreis Donau-Ries) zuständig sind, besteht für das Gebiet ein Standortsicherungsvertrag zur Planung von Windrädern. Die Staatsforsten kündigen an, ihren Vertragspartner vom Widerstand gegen das Windenergieprojekt im Esterholz zu informieren und zu „bitten, von der weiteren Verfolgung Abstand zu nehmen“. Vertragsnehmer ist übrigens die Firma Uhl. Also jene Firma, die bis zu neun Windräder am Baarer Berg (siehe weiteren Artikel auf Seite 6) und sechs Windräder im Bruggerer Forst zwischen dem Odelzhausener Ortsteil Hadersried und Hohenzell (Altomünster) im Nachbarlandkreis Dachau plant; sie projektiert zudem bis zu fünf Anlagen zwischen Friedberg-Bachern und -Ottmaring.
Eine große Mehrheit der Bürger im Pöttmeser Ortsteil Reicherstein hatte sich in einer Unterschriftensammlung unter anderem dafür eingesetzt, das Esterholz auf Windkraftnutzung hin zu überprüfen. Diesem Wunsch erteilte der Gemeinderat aber eine Absage. Wie berichtet, weist Pöttmes östlich von Reicherstein selbst eine von zwei Konzentrationsflächen für Windkraft aus, fast angrenzend hat Ehekirchen ein Gebiet vorgesehen.