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Aichach

19.08.2020

Geburtshilfe am Aichacher Krankenhaus: Bündnis will Runden Tisch

Wird in Aichach wieder eine Geburtshilfe eröffnet? Dafür macht sich weiterhin ein überparteiliches Bündnis stark.
Bild: Waltraud Grub, dpa (Symbolfoto)

Plus Ein überparteiliches Bündnis macht sich weiter für eine Wiedereröffnung der Geburtshilfe in Aichach stark. Wie das Landratsamt auf offenen Brief reagiert.

Seit Herbst 2018 kommen im Aichacher Krankenhaus keine Kinder mehr zur Welt. Die fertig eingerichtete Geburtshilfestation im neuen Krankenhaus, die nie in Betrieb ging, ist wie eine offene Wunde im Herzen vieler Familien und Kommunalpolitiker auf Stadt- und Landkreisebene. Im Februar war – nicht als Ersatz, aber als Zusatzangebot – eine Absichtserklärung für ein Geburtshaus unterzeichnet worden. Selbstständige Hebammen wollen es betreiben, die Stadt Aichach und der Landkreis sind Kooperationspartner.

In den vergangenen Monaten wurden im Aichacher Krankenhaus vor allem Patienten stationär behandelt, die an Covid-19 erkrankt waren. Das wird möglicherweise auch im Herbst und Winter wieder so sein, sollten die Fallzahlen steigen. Dennoch rückt nun ein überparteiliches Bündnis aus SPD, CSU, Grünen, BZA, ÖDP und Arbeiterwohlfahrt in einem offenen Brief an Landrat Klaus Metzger die Geburtshilfe wieder in den Fokus. Es hatte sich bereits seit Ende 2018 mit mehreren Aktionen für deren Wiederöffnung eingesetzt.

Im Juli gebar eine Aichacherin ihre Tochter im Auto auf der B300, weil der Weg ins Friedberger Krankenhaus zu weit wurde. Das Bündnis beklagt vor diesem Hintergrund „eine riesige Versorgungslücke“ im Landkreisnorden. Die Situation Gebärender in der Region sei „keineswegs auch nur annähernd ausreichend – im Gegenteil“. Die Menschen wünschten „eine stationäre Abteilung, in der eine Entbindung und Versorgung durch Gynäkologen für alle Gebärenden gewährleistet wird“.

Krankenhaus Aichach: Das fordert das Bündnis

Das Bündnis fordert: „Es muss für alle Frauen und Familien ein Angebot zur Entbindung im neuen Aichacher Krankenhaus geben.“ Die Geburtshilfestation in Friedberg könne „weder aus räumlicher Sicht noch aufgrund der dortigen Kapazität eine zumutbare dauerhafte Alternative sein“. Das Bündnis bittet Metzger und das Landratsamt um einen Bericht, was für die Wiedereröffnung der Geburtshilfe in Aichach unternommen wurde, und regt einen Runden Tisch mit Metzger und Klinikgeschäftsführer Dr. Hubert Mayer an.

Auf Anfrage unserer Redaktion nahm das Landratsamt dazu ausführlich Stellung. Vorrangiges Ziel sei es aktuell, „eine hochleistungsfähige Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Kliniken an der Paar am Standort Krankenhaus Friedberg zu stabilisieren und weiterzuentwickeln“. In einem zweiten Schritt müsse „die Möglichkeit einer Entbindungsstation am Standort Krankenhaus Aichach unter den verschiedensten Aspekten erneut diskutiert werden“.

Die Geburtshilfe im nagelneuen Aichacher Krankenhaus, die nie eröffnet wurde, hat das Klinikdefizit in diesem Jahr erhöht, aber nicht zum Explodieren gebracht. Doch der Imageschaden war beträchtlich und hat sicher nicht dafür gesorgt, dass mehr Patienten kommen.
Bild: Christoph Lotter (Archivbild)

Allerdings gestalte sich die personelle Besetzung, um die Hauptabteilung in Friedberg dauerhaft zu sichern, „trotz umfangreicher Bemühungen fortgesetzt sehr aufwendig und schwierig“. Die Hebammen im Beleghebammensystem seien „eine wichtige Basis dafür, dass eine umfassende geburtshilfliche Versorgung unter stationären Bedingungen an einem Standort gesichert werden kann“.

Geburtshilfe: Landkreis Aichach-Friedberg sucht nach Personal

Probleme gibt es allerdings weiter bei der Suche nach Fachärzten für die Hauptabteilung. Es sei bislang nicht gelungen, über Chefarzt Dr. Siegbert Mersdorf hinaus Fachärzte anzustellen, so das Landratsamt. Mersdorf, 67 Jahre alt, war im Mai vergangenen Jahres eingesprungen, obwohl er ganz andere Pläne hatte. Der Friedberger war von 1998 bis 2017 dort niedergelassener Arzt und hatte Belegbetten im Krankenhaus.

Der Landkreis führt die erfolglose Suche nach Fachärzten auf den Personalmangel in der Gynäkologie und Geburtshilfe und den „Aufbaustatus“ der Hauptabteilung in Friedberg zurück. Seit ihrer Eröffnung im Mai 2019 stiegen die Geburtenzahlen nach Angaben des Landkreises kontinuierlich, was allerdings auch der geschlossenen Geburtshilfe in Aichach geschuldet sein dürfte. Über 530 Geburten gab es in Friedberg heuer bislang.

Uniklinik Augsburg kann bei Geburtshilfe nicht helfen

Nach einem ursprünglichen Wunsch des Landkreises sollte die Uniklinik Augsburg die Geburtshilfe ab 2020 ganz übernehmen. Doch eine Zusammenarbeit mit dem Klinikum sei „zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund der dort noch andauernden Umstrukturierungen kurzfristig nicht realistisch umsetzbar“. Der Landkreis hofft auf Mayers Erfahrung und Kontakte. Ehe er Geschäftsführer der Kliniken an der Paar wurde, war er Ärztlicher Direktor am Augsburger Josefinum gewesen, der größten Geburtsklinik in der Region. Mit Blick darauf, dass wie in Aichach und Schrobenhausen in vielen ländlichen Regionen Geburtsstationen geschlossen wurden, verweist der Landkreis darauf, dass ihr Betrieb „in erster Linie von der Verfügbarkeit von Fachpersonal (...) und dessen Engagement in der stationären Geburtshilfe abhängt“. Dieses sei landesweit knapp.

Spatenstich für das neue Krankenhaus in Aichach war im September 2014, jetzt ist die Klinik fertig.
51 Bilder
Das neue Krankenhaus in Aichach: Der Bau in Bildern
Bild: Erich Echter, Gerlinde Drexler, Nicole Simüller, Christian Lichtenstern

Das Geburtshaus in Aichach solle Anfang 2021 in Betrieb gehen. „Die Planungen dazu laufen weiterhin auf diesen Termin zu.“ Es solle keine Konkurrenz zu einer möglichen Geburtsstation in Aichach, sondern eine Ergänzung sein. Wegen der Konzentration stationärer Behandlungskapazitäten in der Corona-Krise seien allerdings „die Überlegungen um eine Wiedereröffnung der Geburtshilfe am Standort Krankenhaus Aichach bislang nicht weiter forciert“ worden.

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