Das Trinkwasser der Rehlinger Hardhofgruppe ist laut einer Mitteilung des Wasserzweckverbands nicht durch PFC belastet und könne weiterhin unbedenklich verwendet werden kann. Das hätten Untersuchungen ergeben. Wie mehrmals berichtet, sind sowohl das Wasser der Friedberger Ach als auch die Weiher in Mühlhausen (Gemeinde Affing) mit der giftigen Industriechemikalie belastet. Die Fische aus diesen Gewässern sollten nur in geringen Mengen verzehrt werden, warnt das Landratsamt.
Die Ach fließt entlang der Lechleite, Weiher und Trinkwasserbrunnen liegen ebenfalls im Lechfeld. Das hat bei Bürgern offensichtlich für Verunsicherung gesorgt. Darauf reagiert jetzt der Zweckverband, der rund 4000 Menschen in Rehling (und alle Ortsteile), Gaulzhofen, Stotzard, Arnhofen, Hausen, Weichenberg, Neßlach (Ortsteile Markt Aindling), Hirschbach (Hollenbach) mit Trinkwasser versorgt.
Das PFC in der Friedberger Ach, die durch Oberach und Unterach in der Gemeinde Rehling läuft, ist über Jahrzehnte hinweg durch Einsatz von Löschschaum bei Feuerwehrübungen auf dem ehemaligen Militärflughafen Penzing im Landkreis Landsberg ins Erdreich gelangt und von dort weiter ins Grundwasser und dann in die Quellfassung des Bachs. Das PFC in den grundwassergespeisten Weihern bei Mühlhausen stammt dagegen vermutlich aus Einträgen auf dem nahen Augsburger Flughafengelände. Auch dort wurden früher PFC-haltige Löschschäume bei Feuerwehrübungen verwendet.
Trinkwasserbrunnen der Hardhofgruppe stehen im Lechfeld
Im ganzen Lechfeld im nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg von Affing über Rehling und besonders bei Sand (Todtenweis) gibt es eine Vielzahl an Baggerseen und Weihern, die durch Grundwasser gespeist werden. Auch die neuen Trinkwasserbrunnen der Hardhofgruppe stehen im Lechfeld und im Abstrom des lechbegleitenden Grundwassers. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth bestätigte vor zwei Woche auf Anfrage unserer Redaktion, dass derzeit nicht nur die Ursache der PFC-Belastung der Weiher bei Mühlhausen untersucht werden, sondern auch die mögliche Belastung weiterer Gewässer im Grundwasser-Abstrom.
PFC: per- und polyfluorierte Chemikalien
PFC haben besondere Eigenschaften – weshalb sie nach wie vor in vielen Alltagsprodukten vorkommen, zum Beispiel in Kochgeschirr, Textilien und Papier, in Outdoor-Kleidung, in Pappbechern und Pizzakartons, in Skiwachsen und in Lacken.
In die Umwelt können PFC bei ihrer Herstellung gelangen. Doch auch beim Gebrauch und der Entsorgung dieser Produkte können sie freigesetzt werden.
Wasserlösliche PFC werden über Flüsse und Meere global verteilt. Sogar in der Arktis und den dort lebenden Tieren werden diese Verbindungen gefunden. Flüchtige PFC, zum Beispiel aus Imprägniersprays, können über weite Strecken in der Atmosphäre transportiert werden. Über Niederschlag gelangen sie in den Boden und in die Gewässer.
Der Mensch nimmt PFC hauptsächlich über die Nahrung oder über Trinkwasser auf. Auch erhöhte Konzentrationen von PFC in der Innenraumluft, beispielsweise durch Teppiche mit schmutzabweisender Ausrüstung, tragen zur PFC-Belastung des Menschen bei. (mahei)
Die Hardhofgruppe betont in ihrer Stellungnahme, dass bereits im März 2020 Wasserproben vom Flachbrunnen und vom Netz auf Perfluorierte Tenside untersucht wurden. Insgesamt lagen laut Angaben des Versorgers alle Parameter "weit unter den Grenzwerten oder konnten nicht nachgewiesen werden". Vor ein paar Tagen seien weitere Proben genommen. Die werden jetzt auf PFC untersucht. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor.
Landratsamt: Keine PFC-Grenzwert-Überschreitungen bei Trinkwasser
Die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr verlangte Mitte 2020 in einer Anfrage Aufklärung vom Umweltministerium über die PFC-Situation im Landkreis Aichach-Friedberg. Kurz darauf teilte das Landratsamt Aichach mit, dass es keinen Anlass für eine Warnung beim Genuss von Trinkwasser im Wittelsbacher Land gebe. Die Umweltqualitätsnorm für Oberflächengewässer sei zwar überschritten, der für das Grundwasser maßgebliche Schwellenwert dagegen deutlich unterschritten.
Einige der giftigen PFC-Verbindungen stehen unter Verdacht, krebserregend zu sein. Die perfluorierte Alkylsubstanz Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) hat in der Regel den höchsten Gehalt aller festgestellten PFC-Stoffe. Die sogenannte Umweltqualitätsnorm in einem Fließgewässer liegt bei 0,65 Nanogramm PFOS pro Liter. Ein Nanogramm ist ein Milliardstel Gramm. In der Ach bei Derching (Friedberg) wurden vor einem Jahr 14 Nanogramm PFOS und nördlich von Thierhaupten zehn Nanogramm je Liter Wasser gemessen.
Für Trinkwasser gelten andere Grenzwerte
Für Trinkwasser gelten andere Grenzwerte: Voraussichtlich werden perfluorierte Substanzen auch Eingang in die neue EU-Trinkwasserrichtlinie finden. Dabei ist laut Angaben des Umweltbundesamts eine (vermutlich deutliche) Absenkung der Trinkwassergrenzwerte für PFOS sowie weitere PFC zu erwarten. Die Bundesbehörde empfiehlt daher aus Vorsorgegründen bis zur Festlegung auf neue Werte besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen gesondert zu betrachten. Diese Gruppen umfassen Schwangere, stillende Mütter, Säuglinge und Kleinkinder bis zu einem Alter von 24 Monaten. Für sie gilt ein so genannter Maßnahmewert und der liegt bei 50 Nanogramm pro Liter Trinkwasser. Laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sind diese Werte "so festgelegt, dass auch bei einem lebenslangen Konsum von zwei Litern Trinkwasser pro Tag keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten wäre."
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